Test 2017: Design-E-Bikes - Schöner Schein?

8 stylische Pedelecs im Realitäts-Check

Vor wenigen Jahren noch mussten stil­bewusste Pedelec-Fahrer in Sachen Optik eher beide Augen zudrücken. Heute gibt es E-Bikes auch in cool. Aber achten Sie das Design-Prinzip „form follows function“? Wir haben acht stylische Pedelecs getestet.

Uli Frieß am 30.05.2017
Test 2017: Design-E-Bikes - Schöner Schein?
Ronny Kiaulehn

Test 2017: Design-E-Bikes - Wie fein ist Design?

Guter Stil öffnet Türen, heißt es. Und wer Stil hat, zeigt das gern. Dass neben schöner Anmutung auch gute Funktion stilprägend ist, wird dabei manchmal vergessen – und oft gehen Äußerlichkeiten auf Kosten der Qualität. Jenseits subjektiver Schönheitsideale waren wir deshalb gespannt, welche Figur unsere acht Style-Pedelecs unter qualitativen und funktionalen Aspekten machen.

Unsere Testbikes lassen sich grob in drei Gruppen einteilen. Diamant Juna+ und Electra Townie Go fallen in die Kategorie aufgehübschter Klassiker; innovative Ansätze bieten Neox City, M1 Schwabing und teilweise auch Conway EMRetro. Die dritte Kategorie sind stylische Singlespeeder, denen man ihr E-Interieur möglichst nicht ansehen soll.


Diese Design-E-Bikes haben wir getestet:

  • Bikeasy Sparrow
  • Coboc One Soho
  • Conway EMRetro Race (E-BIKE Testsieger)
  • Diamant Juna Deluxe+
  • Electra Townie Go!
  • Geero Cream Soda
  • M1 Schwabing
  • Neox City

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Altbewährt und Innovativ

Das Electra Townie ist ein klassischer Cruiser mit langem Radstand und zurückversetzter Sitzposition. Das Rad ist relativ einfach aufgebaut und hätte mit seiner nicht mehr ganz taufrischen Machart schon vor 15 Jahren im Radladen stehen können. Einzig der kraftvolle Bosch-Performance-Antrieb ist ein Zugeständnis an moderne Technik. Cruiser-Fans werden den Antrieb schätzen, er verleiht dem Townie eine für diese Radgattung ganz neue Dynamik. Das Bäckerrad neu interpretiert hat der Traditionshersteller Diamant. Das Juna+ ist ein Hingucker: schön gestalteter Rahmen, klassische Anleihen bei ­Beleuchtung und Reifen, hübsche Farbpalette. Und: Es beweist, dass eine ­moderne, sinnvolle Ausstattung mit Scheibenbremsen auch an Klassikern harmonisch aussehen kann.

Technischer Innovationsgeist steckt im italienischen Neox City. Das kompakte 26-Zoll-Rad mit bulliger Bereifung überzeugt mit einem neuen Antriebs­konzept: Motor, Achtgang-Getriebe und Antriebsstrang stecken gekapselt in einer Einarmstrebe. Das setzt optische ­Akzente und hat technische Vorteile: Das gesamte Antriebssystem ist vor Witterungs­einflüssen gut geschützt und damit wartungsarm. Die Einarm-Kettenstrebe erlaubt zudem den sekundenschnellen Aus- und Einbau des Hinterrads. Ein weiteres Highlight ist die elektronische Wegfahrsperre. Langzeit­erfahrungen gibt es mit dem innovativen Antriebskonzept allerdings noch nicht.

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Extravagant oder Understatement

M1 Sporttechnik hat sich auf den Werkstoff Carbon spezialisiert. Das hochfeste, leichte Material ermöglicht spannende Konstruktionen, wie den Rahmen des Schwabing ohne durchgehendes Sitzrohr. Dass das Bike trotzdem mehr als 28 Kilo auf die Waage bringt, liegt hauptsächlich am großen und deshalb schweren 880-Wh-Akku. Wer gerne viel PS unter der Haube hat, wird vom Schwabing begeistert sein. Das Cleanmobile-Aggregat dürfte trotz bescheidener Abmessungen der derzeit leistungsstärkste Pedelec-Antrieb sein. Die Nuvinci-Getriebenabe ist allerdings eine Fehlbesetzung. Sie ist mit der Kraft des Antriebs schlichtweg überfordert.

Am EMRetro von Conway finden sich weniger innovative Ideen, aber bewährte und zuverlässige Technik. Das Pedelec fällt durch formschönes Rahmen­design und harmonische Rohrübergänge auf – eigenständig, aber nicht polarisierend. Wer vor der Eisdiele Punkte sammeln, aber nicht auf gute Technik verzichten möchte, findet im Conway ein solides, stilsicher konzipiertes Gefährt.

Bei den Singlespeed-Bikes unseres Testfelds dagegen offenbaren sich deutliche Unstimmigkeiten zwischen Optik und Technik. An dem edlen, akkurat gefertigten Titanrahmen des Bikeasy Sparrow wurden Bremsen aus Campagnolos Einsteigergruppe Veloce montiert. Schlecht abgestimmte Bremshebel und Züge bremsen deren an sich gute Leistung im Wortsinne ein. Die Verzögerung ist also nicht überzeugend – zum Glück ist das Rad mit zwölf Kilogramm ein echtes Leicht­gewicht. Die groben Sechskant-Nabenmuttern wirken am Ende der edlen Titangabel etwas lieblos ausgewählt. Einen ­Kontrapunkt zur sonst so ­fragilen Optik setzt der Zehus Hinterrad-Nabenmotor. Er funktioniert gut, fügt sich mit seinem silbrigen Schimmer gut ein, der große Durchmesser ist jedoch etwas wuchtig für den feinen Rahmen.

Unauffälliger ist da der Antrieb des Coboc One Soho. Seine kleinen Abmessungen unterstreichen den Singlespeed-Charakter. Ihm ist es zu verdanken, dass das Pedelec auch auf den zweiten Blick nur kaum als solches zu erkennen ist. Zudem funktioniert seine Drehmomentsteuerung erfreulich intuitiv. Zwar hat das Coboc keine Markenbremsen, doch sie funktionieren gut – dank hochwertiger Bremshebel und qualitativ guter Bremszüge.

Das Geero Cream Soda schließlich ist zwar kein Singlespeed, gehört aber ebenso in die Hipster-Klasse wie das Sparrow und One Soho. Mit knapp 2.400 Euro ist es das günstigste Pedelec dieses Testfelds. Allerdings wurde auch hier zu Lasten der Funktion gespart. Die Leistung der Felgen­bremsen lässt zu wünschen übrig und das Antriebssystem mit Trittfrequenzsensor bietet nur ein sehr einfaches Bedienteil.

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Auswahl: Designbikes gibt’s mittlerweile für jeden Geschmack.

Schön und Gut

Die schöne Erkenntnis: All diese Pedelecs funktionieren, keines hat gravierende Defizite. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Ausstattung. Während das Conway EMRetro, Diamant Juna+, M1 Schwabing und Neox City erfreulich harmonisch aufgebaut sind, war man bei den Singlespeed-Pedelecs und dem Geero nicht ganz so konsequent. Das Electra Townie ist konstruktiv nicht ganz up-to-date, funktioniert aber gut. Wer seinem Stil nur etwas Speed verleihen möchte, wird bestimmt Spaß haben. 


Fazit Uli Frieß, E-BIKE Testredakteur:  "Ohne große Schönheitsfehler: Alle Design-Pedelecs unseres Tests funktionieren, keines hat gravierende Defizite. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der Verarbeitung und der Ausstattung." 


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Uli Frieß am 30.05.2017