Copenhagen Wheel

Die rote Kraftscheibe

Wird endlich gut, was lange währt? Nach jahrelangen Ankündigungen ist das Copenhagen Wheel nun auch in Deutschland erhältlich. Ob sich das Warten auf den Nachrüstsatz gelohnt hat, klärt unser Test

Uli Frieß am 08.03.2018
Copenhagen Wheel
Uli Frieß

Magisch! Typisch amerikanisch wirbt Superpedestrain für die große rote Scheibe im Hinterrad. Und um der Magie Nachdruck zu verleihen, tritt das Copenhagen Wheel sehr selbstbewusst auf. Optisch ist das System ohne Zweifel gelungen. Mit seiner organischen und schlanken Form erinnert der Motor an einen großen roten Diskus, die Speichen sind formschön in den Korpus eingelassen. Alle elektrischen Komponenten, auch den Akku, haben die Konstrukteure im Gehäuse integriert. Es gibt keine störenden Kabel und kein Display. Einzig fünf unauffällig positionierte LEDs, eine kleine Buchse zum Anschluss des Ladekabels und ein On/Off-Schalter finden sich an der roten Scheibe. Allein damit lässt sich der Motor allerdings nicht zum Leben erwecken – dazu braucht's zusätzlich ein Smartphone. 

Einfache Montage

Wer ein Copenhagen Wheel ordert, bekommt ein komplettes Laufrad mit allen nötigen Komponenten. Sogar das Montagewerkzeug liegt bei. Weil unser Testrad fertig montiert in die Redaktion kam, haben wir das Laufrad ausgebaut um den Montageaufwand abzuschätzen. Der ist überraschend gering. Wer schon mal ein Hinterrad mit Kettenschaltung aus- und wieder eingebaut hat, kommt ohne Probleme mit dem Wheel zurecht. Das einzige zusätzliche Bauteil, die Drehmomentabstützung, wird mit einer Schelle an der Kettenstrebe befestigt. Ist das Rad eingebaut, muss das Antriebssystem digital zum Leben erweckt werden. Dazu registriert man sich per Smartphone auf dem Superpedestrian-Server und erhält einen Login-Code. Per Bluetooth kann der Motor anschließend entsperrt und aktiviert werden.

Copenhagen Wheel

Die deutschssprachige Bedienungsanleitung ist ausreichend verständlich und aufs Wesentliche reduziert. Treten Probleme bei Montage oder Registrierung auf, gibt es Hilfe auf der Hersteller-Hompage – allerdings nur in englisch. Kaufen kann man das Copenhagen Wheel nur online.

Intuitiver Schub

Um den Motor nach dem Entsperren erstmalig zu aktivieren, müssen die Pedale nach dem Anfahren drei bis vier Umdrehungen rückwärts bewegt werden. Anschließend spricht das Copenhagen Wheel sanft und verzögerungsfrei auf den vorwärts gerichteten Pedaldruck an. Die Leistungsentfaltung ist in allen drei Unterstützungsstufen – sie werden per Smartphone gewählt – etwas schwächer als die von BionX, Go Swissdrive oder Alber. Dennoch schiebt der Nabenmotor kräftig und fürs urbane Getümmel absolut ausreichend an. Die geringe Akkukapazität von nur 279 Wattstunden verhindert längere Ausflüge oder Touren mit Motorkraft. Doch auch bei leerem Akku erzeugt der Antrieb kaum Widerstand, die Pedalkräfte bleiben gering.

Insgesamt zeigt das Copenhagen Wheel eine erstaunlich angenehme Motorcharakteristik. Variiert man die Pedalkraft, reagiert der Antrieb verzögerungsfrei und sanft. Auch das prompte Abschaltverhalten nach dem Pedalstopp ist tadellos. Rückwärtstreten aktiviert den Rekuperationsmodus, mit dem das Rad sanft abgebremst werden kann. Für kurze Bremswege braucht's freilich die normale Bremse. Unser leichtes Marin-Testrad kommt mit dem hohen Gewicht des Hinterrads von immerhin 9,4 Kilo gut zurecht, das Pedelec läuft spurstabil geradeaus. Der wuchtige Antrieb rückt den Schwerpukt des Rades allerdings deutlich nach hinten. Je nach Fahrrad-Basis kann das das Fahrverhalten deutlich verändern. Beim Anfahren am Berg hatte der Antrieb mit dem leichten Rad keine Mühe. 

Fazit: Das Copenhagen Wheel ist – abgesehen davon, dass E-Motor-Nachrüstungen aus rechtlichen Gründen grundsätzlich nicht zu empfehlen sind – ein guter Nachrüstsatz ohne Systemschwächen. Einbau und Funktion sind einfach und übersichtlich. Wegen des hohen Laufrad-Gewichts sollte man das System nur an Rädern mit sehr steifem Rahmen verwenden.  

Laufradgrößen: 26 und 28 Zoll
Reifenbreiten: 25c, 35c, 50c
Schaltungssysteme: Singlespeed, 7-Gang, 8-Gang, 9-Gang, 10-Gang; SRAM- und Shimano-kompatibel
Preis: Je nach Ausführung ca. 1.750 Euro
Shop und Info: Superpedestrian

Uli Frieß am 08.03.2018