SwapfietsEin Abo fürs Fahrrad

Anja Reiter

 · 28.08.2022

Swapfiets: ein Abo fürs FahrradFoto: Christoph Papsch/Fotogloria

Das niederländische Unternehmen Swapfiets bietet ein Abo-Modell für Fahrräder an – Wartung und Reparaturen inklusive. Klingt verlockend? Ein Selbstversuch.

Geht es ums Fahrrad, bin ich eine treue Seele. „Guida“, mein pinkfarbenes Jugend­rad, begleitet mich schon seit Teen­ager-Tagen und ist bereits mehrmals mit mir umgezogen. Auch in meiner aktuellen Heimat Bonn befördert mich das alte Stadtrad zu Geschäftsterminen, zum Sport, zum Abendessen bei Freunden. Langsam aber muss ich zugeben, dass Guida alt wird: Die Kette rostet, die Schutzbleche fehlen, seit einiger Zeit ist auch noch der Dynamo kaputt.

Ein neues Rad muss her

Immer wieder spiele ich mit dem Gedanken, mir ein neues Stadtrad zuzu­legen. Doch ein Rad zu kaufen ist ein bisschen wie eine neue Partnerschaft einzugehen. Es ist aufregend, aber mit Arbeit verbunden. Man muss sich im breiten Angebot auf ein Modell festlegen – und will man langfristig etwas von der Beziehung haben, muss man sich kümmern, muss es warten und reparieren.

Swapfiets Abo-Modell - Wartung inklusive

Dann höre ich von Swapfiets. Das niederländische Start-up bietet ein Abo­-Modell für Fahrräder an. Kunden zahlen eine Monatsmiete, Wartung und Reparaturen sind inkludiert. Das Versprechen: Ist etwas kaputt, kommt ein Swapfiets-Mitarbeiter innerhalb von 24 Stunden zu Hause oder in der Arbeit vorbei. Er repariert den Schaden oder tauscht das Fahrrad aus. Daher auch der Name: „swap“ für Tauschen, „fiets“ für Rad. Überlegt man es sich anders, ist der Vertrag monatlich kündbar. Ein attraktives Angebot in einer Zeit, in der man sich nicht so recht festlegen möchte, in der Auslandssemester und Umzüge auf der Tagesordnung stehen.

Teilen statt besitzen

„Ähnlich wie bei Autos geht auch bei den Fahrrädern der Trend zu weniger festem Eigentum“, erklärt der Verkehrsforscher Dr. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin. Die Bandbreite zwischen Besitzen und Teilen sei dabei groß. Während Anbieter wie „Call a Bike“ oder „Nextbike“ mit Bikesharing den öffentlichen Nahverkehr um die letzte Meile ergänzen, schließt Swapfiets eine andere Lücke: Durch das Abo-Modell muss man sein Swapfiets-Rad nicht anderen zur Verfügung stellen. Solange man die Gebühren bezahlt, ist man alleiniger Schlüsselbesitzer. Höchs­te Flexibilität bei geringer Verantwortung also. Das ist einen Versuch wert.

Die Entscheidung ist gefallen: Swapfiets ausprobieren

Auf der Website reserviere ich ein „Swapfiets Deluxe 7“ . Drei Tage später steht es vor der Tür. Schnittig sieht es aus mit dem pistaziengrünen Rahmen und dem blauen Vorderreifen. Die erste Runde entlang des nächtlichen Rheins überzeugt: Ich muss mir keine Gedanken machen, ob meine alten Akku-Lichter aufgeladen sind, das Dynamolicht erhellt den Weg durch die Nacht.

Markenzeichen: blauer Vorderreifen. Das Swapfiets Deluxe 7 ist ein solides Stadtrad.Foto: Christoph Papsch/Fotogloria
Markenzeichen: blauer Vorderreifen. Das Swapfiets Deluxe 7 ist ein solides Stadtrad.

Nach der Ausfahrt schließe ich das Fahrrad vor meiner Haustür ab. Hier wird es bis morgen geduldig auf mich warten. Anders als beim Bikesharing muss ich mir keine Sorgen machen, dass es mir ein anderer Nutzer vor der Nase wegschnappt. Dank eines schweren Axa-Doppelschlosses ist es auch diebstahl­sicher. Wird es dennoch gestohlen, muss ich 60 Euro zahlen. Kann ich den Schlüssel nach dem Diebstahl nicht mehr vorweisen, wird es mit 450 Euro allerdings ziemlich teuer.

Das Rad fällt auf

In Bonn werde ich in den nächsten Tagen immer wieder auf das Swapfiets-Fahrrad angesprochen. In ganz Deutschland gibt es nach Unternehmensangaben bereits 35.000 Swapfiets-Abonnenten, vor allem in Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln. „Unsere Kunden sind Menschen jeden Alters“, heißt es aus der Pressestelle – Studenten, Mütter, Rentner. Sie alle eint, dass sie entspannt Fahrrad fahren wollen, ohne sich über technische Details, Wartung oder Reparaturen Gedanken machen zu müssen.

Robust und schwer

Wie robust mein neues Swapfiets ­gebaut ist, merke ich in den nächsten ­Tagen – vor allem an seinem Gewicht. Fast 20 Kilogramm bringt der Brummer auf die Waage. Während mich das beim Radeln am Rhein nicht gestört hat, keuche ich beim Ausflug auf den Venusberg ziemlich, am Ende gehen mir sogar die leichten Gänge aus. Bei meinen flachen Alltagswegen lerne ich trotzdem die Verlässlichkeit des Swapfiets zu schätzen. Dass ich im Karneval versehentlich durch einen Scherbenhaufen rolle, bleibt dank der robusten Reifen ohne Folgen.

Gegen einen monatlichen Aufpreis sind auch Accessoires wie Fahrradkörbe mit Swapfiets-Abo inbegriffen.Foto: Christoph Papsch/Fotogloria
Gegen einen monatlichen Aufpreis sind auch Accessoires wie Fahrradkörbe mit Swapfiets-Abo inbegriffen.

Bei Anruf: Service

Außerdem beruhigt es mich, zu wissen, an wen ich mich im Schadensfall wenden kann. Ist die Bremse kaputt oder hakt die Kette, kann ich mich per Telefon, Mail oder App an die Swapfiets-Filiale in Bonn wenden.
Ein paar Wochen später treffe ich mich dann auch mit Robin Krupa, dem City-Manager von Swapfiets Bonn. Fachmännisch ölt er die Kette nach. „Swapfiets ist wie dein bes­ter Freund, den du jederzeit anrufen kannst, um dein Fahrrad zu reparieren“, erklärt er mir die Firmenphilosophie seines Arbeitgebers. Die häufigsten Repa­raturgründe: platte Reifen, klappernde Schutzbleche oder auch mal eine Acht im Vorderrad.

Was kostet das Rundum-Sorglos-Paket?

Bevor er zum nächsten Kunden weiterfährt, bietet Robin an, mir einen Fahrradkorb zu montieren. Der würde jedoch zwei Euro extra pro Monat kosten. Ich lehne dankend ab. Im Kopf überschlage ich nochmals, was mich das Rundum-Sorglos-Paket von Swapfiets überhaupt kostet. 22,90 Euro bezahle ich pro Monat für mein korbloses Swapfiets, 19,90 Euro habe ich einmalig für die Anmeldung bezahlt. Macht rund 295 Euro pro Jahr. Nach zwei bis drei Jahren wäre ich damit beim Preis für ein eigenes Fahrrad angekommen. Dann müsste ich mich allerdings selbst um platte Reifen kümmern.

Kann ich mein Jugenrad noch retten?

Am nächsten Tag steige ich zur Abwechslung mal wieder auf mein altes Fahrrad Guida. Die Schaltung knackt, die Bremse schleift, altbekannte Geräusche. Der Rundum-Service von Swapfiets ist bequem und praktisch, denke ich, weil ich mich um nichts kümmern muss. Ob mir die Bequemlichkeit den Preis wert ist, ist die andere Frage. Soll ich nicht doch lieber die wenigen Handgriffe lernen, die für Wartung und Reparatur notwendig sind, und meiner alten Dame noch eine zweite Chance geben? Dreißig Minuten Youtube-Studium und eine Dose Kettenöl später ist Guida kaum wiederzu­erkennen – und ich froh über mein Erfolgserlebnis. Am Ende bin ich vielleicht doch zu treu für ein Austausch-Modell.

Wie gut ist das Swapfiets Deluxe 7

Das Swapfiets Deluxe 7 ist eines von 4 Rad-Modellen, die im Abo angeboten werden.Foto: Christoph Papsch/Fotogloria
Das Swapfiets Deluxe 7 ist eines von 4 Rad-Modellen, die im Abo angeboten werden.

Die Züge sind innen verlegt, Antrieb, Lichtmaschine und Bremsen stecken in den Naben – das Swapfiets-Stadtrad „Deluxe 7“ kommt elegant und aufgeräumt daher. Doch der fast filigrane Eindruck täuscht: Trotz seiner schlanken Silhouette ist das Abo-Rad von Swapfiets ein Brummer mit Pedelec-Gewicht.

Das dürfte dem Einsatz geschuldet sein. Die verbreitete Ansicht „Don’t be gentle, it’s a rental“ (sinngemäß „Behandle es ruhig schlecht, es ist nur gemietet“) zwingt dazu. Alles am Swapfiets ist auf Wartungsarmut und Robustheit ausgelegt: Die Reifen kommen mit Pannenschutz, Rücktritt- und Rollerbremse müssen kaum gepflegt werden, ebenso wenig die Siebengang-Nabenschaltung von Shimano. Auch der massive Rahmen und der Stahllenker dürften hohe Belastung abkönnen.

Viel Schutz: Die Kombination aus Kette und Speichenschloss wird praktischerweise gleichzeitig mit einem Schlüssel verriegelt.Foto: Jörg Spaniol
Viel Schutz: Die Kombination aus Kette und Speichenschloss wird praktischerweise gleichzeitig mit einem Schlüssel verriegelt.

Bei der Testfahrt in entspannter Hollandrad-Haltung zeigte sich das Leihrad als flatterfrei. Selbst mit leicht beladenem ­Gepäckkorb (kostet zwei Euro pro Monat extra) reagiert die Lenkung gelassen. Mit mehr als fünf bis sieben Kilo sollte man ihn wegen der Einflüsse auf die Lenkung besser nicht beladen – das Gewicht auf dem gabelfesten Träger wird bei jeder Richtungsänderung per Lenker herumgewuchtet.

Kein Biss: Die Shimano-Trommelbremse ist nur für leichte Flachländer 
ausreichendFoto: Jörg Spaniol
Kein Biss: Die Shimano-Trommelbremse ist nur für leichte Flachländer ausreichend

In flachem, städtischem Gelände sind das Gewicht des Rades und der mäßige Übersetzungsumfang der günstigen Nabenschaltung okay. In welligem oder gar bergigem Geläuf ist das Rad jedoch spürbar limitiert: Bergauf mangelt es an leichten Berggängen, bergab an Bremskraft. Rücktritt und Rollenbremse sind wartungsarm, aber ­weder gut dosierbar noch überzeugend stark. Zumindest für Schwere kann das gegen ein Swapfiets sprechen.

Swapfiets Deluxe 7 - Faktencheck

  • Unisex-Rahmen: für Fahrer zwischen 160 cm und 200 cm
  • Rahmen/Gabel: Aluminium/Stahl geschweißt
  • Gewicht: ca. 20 Kilo
  • Antrieb: 7-Gang Shimano Nexus Getriebenabe
  • Bremse: Rücktrittbremse hinten, Trommelbremse vorne
  • Beleuchtung: Shimano-Nabendynamo, LED-Lichtanlage
  • Schloss: Ringschloss + Kettenschloss
  • Abo Preis: ab 22,90 Euro pro Monat
  • Preis für Studierende: 21,90 Euro
  • Startgebühr: 19,90 Euro einmalig (Entfällt bei einem 6 Monats Abo)

Plus: Sorglos-Ausstattung, klares, modernes Design, komplette Ausstattung bis hin zum Schloss

Minus: Unbefriedigende Bremsen, Scheinwerfer beim Testrad nicht blendfrei einstellbar, schwer

Mehr Infos: Alle Swapfiets-Modelle im Überblick inkl. der aktuellen Abo-Konditionen unter https://swapfiets.de/