Der sensible RieseZu Besuch bei Fahrradhersteller Cube

Jörg Spaniol

 · 20.04.2022

Der sensible Riese: Zu Besuch bei Fahrradhersteller CubeFoto: Jörg Spaniol

Cube produziert fast eine Million Fahrräder pro Jahr und gehört damit zu den größten fünf Marken­herstellern weltweit: Einblicke ins Werk und die Lieferkette.

Die Geschichte vom erfolgreichen Start-up aus der Garage ist eine Art modernes Märchen. Beim jungen Cube-Gründer Markus Pürner soll es keine Garage, sondern ein Eckchen im väterlichen Unternehmen gewesen sein, in dem die Marke Cube keimte. Und ihr Samenkorn war keine bahnbrechende Erfindung, wie etwa bei den Schöpfern des Mountainbikes oder des Macintosh-Computers, sondern sicherer Instinkt und 40.000 D-Mark Risikokapital. Aber sonst passt es: Pürner und sein damaliger Geschäftspartner hatten ihr Geld 1992 in einen Container mit 160 preiswerten, funktionalen Mountainbikes aus Asien investiert. Es war eine Punktlandung: Es war die Zeit, in der das Mountainbike zur Massenware wurde und technische Details wie bessere Bremsen und Schaltungen auch andere Radgattungen befruchteten. Längst hatten zudem auch die amerikanischen Pioniere begonnen, Rahmen und Teile zwar selbst zu entwerfen, aber in Asien fertigen zu lassen. Es war auch die Zeit, in der nicht nur Pürner, sondern auch etliche andere clevere Leute hierzulande bemerkten, dass die Zukunft massenkompatibler Sporträder nur einen Container weit entfernt lag. Unter den Deutschen, die damals den Startschuss hörten, waren die Gründer so bekannter Marken wie Stevens. Oder Canyon. Oder eben: Cube.

  Es ruckelt in der weltweiten Lieferkette: Wenn morgens alle Lkw ihre Paletten entladen haben, ist die Warenannahme für Stunden dicht, obwohl Cube zusätzliche Hallen angemietet hat.Foto: Jörg Spaniol
Es ruckelt in der weltweiten Lieferkette: Wenn morgens alle Lkw ihre Paletten entladen haben, ist die Warenannahme für Stunden dicht, obwohl Cube zusätzliche Hallen angemietet hat.

Fingerschnipp, Glitzerstaub, Zeitsprung: Markus Pürner, auch 30 Jahre später noch legere gekleidet und mit rötlichen Locken gesegnet, muss längst keine Kartons mehr vom Laster wuchten. Seine Marke ist stückzahlenmäßig die Nummer eins im deutschen Premium-Markt, und Pürner ist die Nummer eins bei der Nummer eins: Der Inhaber und damit der Chef über etwa 1.000 Angestellte, die pro Jahr eine Million Räder von der Rampe schieben. Das sind pro Arbeitstag etwa 4.000 Fahrräder – deutlich mehr, als kleine Marken im Jahr absetzen. In mattem Anthrazit glänzt die schier endlose Fassade der Werkshallen in der Sonne. Der Schriftzug „Cube“ wirkt auf der riesigen Fassade seltsam klein.

Produktmanager Frank Greifzu kennt die Zahlen und Dimensionen auswendig: 360 Meter lang ist die Front der Hallen, in denen neue Teile angeliefert und zu Fahrrädern gemacht werden. Und das ist nur ein Teil des Werksgeländes, denn auf der anderen Seite der Werksstraße steht das nur etwas kleinere „Fahrradlogistikzentrum 2“, in dessen Regalen bis zu 180.000 Fahrräder gleichzeitig auf die Auslieferung warten können. Über 49 Laderampen kommen Teile rein und verlassen Fahrräder das Werk. Ein paar Hundert Meter entfernt steht die einstige Fertigung, in der mittlerweile nur noch Verwaltung, Design und Entwicklung Platz finden – mit immerhin 300 Angestellten. Doch das sind erst einmal nur Zahlen. Wer sie wirklich verstehen will, betritt durch eine unscheinbare Tür die zweite von neun aufgereihten Hallen.

Am Fließband: In den Montagehallen laufen die Fahrrad-Rohbauten fast unaufhaltsam weiter.
Foto: Jörg Spaniol

Den kompletten Artikel des Firmenreports von Fahrradherstellers Cube können Sie kostenpflichtig unter dem Artikel als PDF herunterladen.

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