Porsche investiert in Fazua

Uli Frieß

 · 11.02.2022

Porsche investiert in FazuaFoto: Daniel Simon

Die Porsche AG sichert sich Anteile an der Ottobrunner Fazua GmbH, dem Hersteller und Pionier von leichten, kompakten E-Bike-Antrieben.

Ende Januar ist Porsche bei Fazua eingestiegen. Die Stuttgarter sicherten sich 20 Prozent der Unternehmensanteile der Fazua GmbH. Zudem gibt es eine Option zum Kauf weiterer Anteile, die es Porsche erlauben, Fazua komplett zu übernehmen.

Der Hersteller und Pionier von leichten, kompakten Antriebstechnologien wurde 2013 gegründet. Heute beschäftigt Fazua in Ottobrunn bei München mehr als 100 Mitarbeiter. Das Investment von Porsche soll das Unternehmen in die Lage versetzen, seine Innovationskraft zu steigern und die Antriebsentwicklung weiter zu beschleunigen.

  Fazua Antriebssystem mit Akku, Motoreinheit und TretlagergetríebeFoto: Hersteller
Fazua Antriebssystem mit Akku, Motoreinheit und Tretlagergetríebe

Mittlerweile setzen mehr als 40 Bike-Marken auf die Antriebe von Fazua. Das innovative und leichte Antriebssystem ist komplett im Unterrohr und integriert und lässt sich werkzeuglos ausbauen und wieder einsetzen. Dadurch wird aus einem Pedelec im Handumdrehen ein normales Fahrrad.

Porsche treibt mit diesem Schritt seine E-Mobilitätsstrategie konsequent voran. Knapp 40 Prozent der im Jahr 2021 ausgelieferten Porsche-Fahrzeuge in Europa waren bereits elektrifiziert – also Plug-in-Hybride oder vollelektrische Modelle. Dieses Knowhow will der Stuttgarter Sportwagenhersteller nun auch im attraktiven und schnell wachsenden E-Bike-Markt stärker nutzen.

  Mehr als 40 Marken setzen mittlerweile auf Fazua-Antriebe.
Mehr als 40 Marken setzen mittlerweile auf Fazua-Antriebe.

Porsche will im E-Bike-Segment Fuß fassen

Schon im vergangenen November machte Porsche auf sich aufmerksam, als der Sportwagenhersteller sich die Mehrheit am E-Bike-Hersteller Greyp Bikes sicherte. Mit 10 % beteiligt war Porsche an der kroatischen Marke bereits seit 2018. Das Investment in Fazua unterstreicht nun die Bestrebungen, im E-Bike-Segment fest Fuß zu fassen. Und es zeigt das Bestreben großer Unternehmen, sich zumindest stückweise von Lieferanten-Abhängigkeiten zu lösen – eine Thema, das von der aktuellen Lieferproblematik angefeuert wurde.

Die aktuell stattfindende Konsolidierung und Neusortierung in der Industrie spricht dabei Bände. Dazu zählte unter anderem auch der Deal, der im Oktober 2021 bekannt gegeben wurde: Pon Holding (damals unter anderem bereits Inhaber von Focus, Cérvelo und Santa Cruz) kaufte das Konsortium Dorel Sports mit so illustren Marken wie Cannondale, GT und Mongoose. 810 Millionen US-Dollar wurden damals gezahlt.

Was hat das nun mit dem Porsche-Fazua-Deal zu tun? Nun, Porsche strebt eine strategische Partnerschaft mit Ponooc Investment B.V. an. Der Venture Capitalist ist in Bikemap investiert, in den Fahrradabonnementanbieter Swapfiets oder auch die Elektroroller-Marke unu – UND ist wiederum Teil von Pon.

Die Pon Holding ist ein bis heute familiengeführtes Handels- und Dienstleistungsunternehmen in den Niederlanden, das seit 1948 Generalimporteur für Volkswagen und Porsche ist und seit 1974 auch von Audi. (Es heißt übrigens, dass Ben Pon sen. mit einer Zeichnung den Anstoß zur Entwicklung des VW Bullis gab.)

Kooperationen mit Rotwild und Storck

Gleich zwei auf Elektromobilität fokussierte Joint Ventures sind zwischen Ponooc und Porsche geplant – eines soll sich auf die Entwicklung und den Vertrieb von Porsche eBikes konzentrieren, das zweite auf technologische Lösungen im Bereich Mikromobilität. Porsche wird zudem weiterhin mit dem langjährigen Partner Rotwild E-MTBs produzieren und gemeinsam mit Storck Bicycle die digitale Plattform Cyklaer ausbauen. Hier sind aktuell drei Gravelbikes erhältlich – und die sind bereits alle mit Fazua-Motor ausgestattet. So wie die Pons-Marke Focus, die als erster Radhersteller auf das bayerische Start-up setzte.

Interview mit Fabian Reuter CFO und Co-Gründer Fazua

  Fabian Reuter (links) und Johannes Biechele, CEO und CFO von Fazua Fabian Reuter (links) und Johannes Biechele,  haben Fazua groß gemacht.
Fabian Reuter (links) und Johannes Biechele, CEO und CFO von Fazua Fabian Reuter (links) und Johannes Biechele, haben Fazua groß gemacht.

Fabian, die Porsche-Investition besiegelt das Ende Eurer David gegen Goliath-Stellung. Was hat Euch dazu gebracht, „Ja“ zu sagen?

Wir sind noch immer ein David im Vergleich zur immensen Marktmacht der Großen – ein Standing, das sich zum Beispiel Bosch aber auch wirklich lange und hart erkämpft hat. Wir haben über die letzten Jahre aber ein eigenständiges Produkt geschaffen, mit dem Light-eBike ein neues Segment gegründet und uns auf dem Markt gut positioniert. Aber gleichzeitig mussten und wollten wir natürlich immer weiter wachsen. Eine Finanzierungsrunde folgte der anderen. Es ist ein sehr kapitalintensives Unterfangen, Produktportfolio und Brand aufzubauen. Und mit jedem Investment muss alles noch größer werden.

Wie kam der Deal zustande?

Wir waren auf geplanter Finanzierungsrunde. Porsche hat einen unglaublichen Willen gezeigt und uns signalisiert, dass sie unbedingt möchten. Dabei waren die Gespräche stets auf Augenhöhe, sie waren sehr locker und wahnsinnig interessiert und haben sich sehr, sehr viel Zeit für das Produkt genommen. Das hat uns beeindruckt und schließlich auch überzeugt. Wir hatten das Gefühl: Wenn wir etwas zusammen machen, dann wird das echt besser.

Wie wird die Zusammenarbeit aussehen?

Wir können schnell auf das Know-how von Porsche zurückgreifen, etwa im Entwicklungs- oder Sourcing-Bereich – und wenn man zum Beispiel einen Blick auf den Elektronikmarkt wirft, dann weiß man, wie entscheidend das ist. Das Porsche-Netzwerk nutzen zu können, ist für uns ein immenser strategischer Schritt. Und natürlich können wir dank der finanziellen Spritze nun auch voll in die kommende Produkt-Roadmap investieren. Und da haben wir richtig was vor.

Wie viel Geld ist denn geflossen und was hat Porsche mit Fazua vor?

Ich kommuniziere leider keine Zahlen. Aber Fazua geht weiter den Weg wie bisher – und wir können unseren Expansions- und Innovationskurs noch deutlich ausweiten. Ich freue mich total auf coole neue Produkte und den Ausbau der Produktion. Es wird richtig, richtig spannend und die Positionierung von Fazua wird brutal funktionieren, da bin ich mir sicher. Wir werden weiterhin leichte Antriebssystem für die besten elektrifizierten Fahrräder von morgen machen.

Wann zieht Porsche die Call-Option und übernimmt Euch komplett?

(lacht) Das weiß ich nicht und ich befürchte, auch Porsche wird Euch dazu noch nichts sagen.

Eine Idee?

Eine vage vielleicht. Es wird gesprochen, wenn Dinge druckreif sind.

Was erwartest Du noch für Marktbewegungen?

Generell ist zu sehen, dass die Radbranche erwachsen wird – und das sehr schnell. Es ist auch an der Zeit, dass sie sich professionalisiert. Einen Rahmen zu entwickeln, die Komponenten zu besorgen und ein Fahrrad zusammenzubauen, das war relativ einfach. Durch die E-Komponente wird es jetzt ein komplexes Fahrzeug mit Software, Akkus, Sicherheitsanforderungen etc. – und dadurch ändert sich alles. Die Konsolidierung wird sicher weitergehen.