Test: Schindelhauer ThinBike L.E.

24-Zoll Style-Fahrrad

  • Jörg Spaniol

Beim ThinBike hat Schindelhauer an die Bewohner städtischer Appartements gedacht. Technische Kniffe machen das Rad im Flur ganz flach. Die Sonderedition zur Berliner Fahrradschau gibt sich mit ihrer Vollausstattung alltagstauglich.

Ein bisschen "Wow" muss sein, und mit diesem Bike ist der Weg dahin kurz: Die ungewohnten Proportionen lassen Laien innehalten, und urbane Radkenner versinken in den technischen Details. Das ThinBike wurde auf der vorletzten Eurobike vorgestellt, zur Berliner Fahrradschau 2015 legt Schindelhauer es in dieser 25 Stück starken Sonderserie mit sehr spezieller Alltags-Ausstattung auf: Dynamo-Dauerlicht, die hauseigene Sattelstützenbeleuchtung, Schutzbleche und ein Frontgepäckträger für wenig mehr als die Aktentasche zeichnen unser Pin-Up aus. Die optischen Eigenheiten des Rades sind so überzeugend, dass es gleich zwei Designpreise bekam. Auch die Grundidee, ein kompaktes, gut tragbares Rad mit weniger als 20 Zentimeter Parkbreite zu schaffen, trifft zweifellos den städtischen Zeitgeist und die räumlichen Notwendigkeiten kleiner Appartements. Den Tragetest aus dem Keller auf die Teststrecke hat es auch mit Bravour bestanden. Die Sitzposition des Einheitsgrößen-Rahmens ist bei 1,80m Körperlänge etwas kurz, aber noch okay, und es geht los.

Das Schindelhauer ThinBike im Deteil

4 Bilder

Gerade als die Beine die Untergrenze der gewohnten Reisedrehzahl erreichen, haut die Automatikschaltung die lange Übersetzung rein. Ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber immer noch besser als ein Singlespeed. Ja, das ThinBike läuft anständig, die 24er-Reifen sind auch fahrdynamisch eine gute Idee. Zurück zum Start, die Sattelhöhe stimmt noch nicht. Die zweite Handbremse wurde der klaren Linie zuliebe geopfert, aber der Rücktritt ist anständig dosierbar, das Rad stoppt mit ihm und der mechanischen Scheibenbremse präzise vor der Werkstatt.
Bevor es wieder losgeht, noch schnell den Verdreh-Vorbau kontrollieren: Hoppla, das Ding war nicht sehr fest! Schnellspanner lösen, nachjustieren, mit aller Kraft zudrücken. Jetzt hält er. Aber mehrmals am Tag will man ihn nicht betätigen.

SRAM Automatix

Im ThinBike arbeitet eine Zweigang-Nabenschaltung von Sram, doch einen Schalthebel gibt es nicht: Der Gangwechsel geschieht automatisch. Anders als bei der einstigen "Klapprad-Schaltung" Duomatic, die per Rücktritt die Übersetzung änderte, ist der Schaltzeitpunkt bei der Automatix voreingestellt. Die Automatix schaltet per Fliehkraft-Kupplung bei einer bestimmten Fahrgeschwindigkeit. Der große Nachteil des Systems: Die Fliehkraft-Kupplung lässt sich nicht auf persönliche Bedürfnisse anpassen, der Schaltzeitpunkt ist nur von der Laufradgröße abhängig. Das geschieht bei 20-Zoll-Laufrädern nach Herstellerangaben bei 15 Stundenkilometer, beim Testrad bei etwa 18 und bei 28-Zoll-Laufrädern erst bei 21 Stundenkilometer.
Der Übersetzungssprung zwischen beiden Gängen beträgt etwa ein Drittel. Wer also im Augenblick des Gangwechsels mit 60 Kurbelumdrehungen pedaliert, fährt im großen Gang mit nur etwa 40 Umdrehungen weiter – ein gewöhnungsbedürftig großer Unterschied. Ist man einmal im großen Gang, schaltet die Nabe nicht unter Last zurück, wenn man langsamer wird. Dafür muss man das Treten kurz unterbrechen. Bergauf stört das.
Unsere Meinung: ein interessantes Prinzip. Doch das Tempo, bei dem der Gang wechselt, sollte einstellbar sein. Und der Direktgang sollte zugunsten des leichteren Laufs bei Reisegeschwindigkeit anliegen, nicht beim Anfahren. Der Anfahrgang ist nämlich die verlustarme Direktübersetzung ohne Getriebe. Erst in der höheren Reisegeschwindigkeit beginnen dann die Rädchen des Planetengetriebes zu rotieren, was den Wirkungsgrad etwas verringert.

Schlagwörter: Schindelhauer ThinBike Test

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