Test: Mountainbike-Hardtails

Bestseller-Klasse

  • Stefan Loibl

Ein Budget von 1500 Euro ist 2016 der Schlüssel in die Mountainbike-Welt. Die Ausstattung der Einsteiger-Hardtails ist dabei vielfältig wie nie. Wo liegen die Stärken und Schwächen der Bestseller-Klasse?

Fast schon jährlich erfindet die Industrie das Mountainbike neu. Neue Standards, fettere Reifen und ein Ritzel mehr an der Kassette – glaubt man den Werbe-Slogans, ist Biken mit einem Vorjahresmodell scheinbar unmöglich. Tatsächlich? Von außen betrachtet scheint es so. Betrachtet man aber die Spezies der Einsteiger-Hardtails, könnte man genau gegenteilig denken: Es hat sich wenig getan in den letzten Jahren. Nichts zu sehen vom Boost-Standard, B-Plus-Reifen, und auch das Elffach-Flämmchen flackert in dieser Gattung lau vor sich hin. Stattdessen werden Einsteigern Jahr für Jahr dieselben Argumente präsentiert: "Mit XT-Ausstattung, Mavic-Systemlaufrädern und der Rock-Shox-Gabel machen Sie nichts falsch." So könnte sich ein typisches Verkaufsgespräch der letzten Dekade, aber auch der letzten Woche angehört haben. Starke Marken bei den Anbauteilen gehen gerade im Einsteigerbereich auf Kundenjagd – falsch machen kann man dabei trotzdem jede Menge.
Unsere Kollegen von BIKE haben neun Hardtails von 1299 bis 1499 Euro durch das Testlabor geschleust und über die Trails gejagt. Treue Leser werden sich wundern. Schließlich hatten wir die letzten Jahre immer 1000-Euro-Hardtails als Einsteiger-Bikes deklariert. Die Zeiten werden härter. Hersteller haben die angedrohte Preiserhöhung wegen des schwachen Euros wahr gemacht – rund 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für uns ist der Fahrspaß mit den Bikes ein wichtiges Kriterium, und für weniger Geld vermurksen oft billige Federgabeln und bleischwere Laufräder denselbigen. Auch in dieser Preisklasse sind immer noch Billiggabeln verbaut, wie etwa am Poison. Der Großteil des Feldes federt jedoch effektiv die Schläge an der Front weg. Alles, was über 1500 Euro liegt, kann man bereits als Luxusgut der Arbeiterklasse bezeichnen, bis hin zu sündhaft teuren Racebikes. Ein gutes Highend-Bike für 8000 Euro auf die Beine zu stellen, ist keine Kunst für Ghost, Cube und Co. Bezahlbaren Fahrspaß in Serie zu produzieren dagegen schon, was diesen Test umso spannender macht.

Die MTB-Hardtails im Test:

9 Bilder


Es lohnt sich, genau hinzuschauen: Das XT-Schaltwerk tragen alle Bikes der Testgruppe stolz am Rahmen, aber nur einige verfügen über die dämpfende Shadow-Plus-Funktion, welche die Kette in der Abfahrt sicher und ruhig auf den Ritzeln hält. Noch weniger Schaltwerke stammen aus der aktuellsten Elffach-Generation von Shimano. Vier von neun Herstellern montieren alte Zehnfach-Schaltungen mit XT-Schaltwerk und einem Deore/SLX-Mix an weniger sichtbaren Stellen. Warum wird hier mit vermeintlich alten Bauteilen Augenwischerei betrieben? Die Eckpreislage mit 1499 Euro ist hart umkämpft, eine Preiserhöhung gegenüber dem Endkunden quasi undenkbar. An diesen Bikes wird jeder Euro zweimal umgedreht, bevor die Spezifikationsliste in die Produktionshallen wandert. Man sieht es ihnen kaum an, aber die Einsteiger-Hardtails sind die Umsatzbringer in der Industrie. Cube verkauft nach eigenen Angaben dreiviertel aller abgesetzten  Mountainbikes im Einsteigerbereich unter 1500 Euro. Was manche Hersteller an der Schaltung sparen, investieren sie beispielsweise in hochwertige Reifen. Und so hat jedes Rad seine Achillesferse. Erst der Praxistest zeigt, welche Firma ihr Handwerk wirklich versteht.


Fazit:

Diese Bikes sind günstig, relativ gut ausgestattet und machen viel mit. Nicht nur Einsteiger finden in dieser Testgruppe das richtige Rad. Auch erfahrene Biker, die als Zweitrad eine günstige Alternative zum teuren Sonntagsrad anschaffen wollen, werden hier fündig. Der Einstieg ist zwar mit 1500 Euro etwas teurer geworden, dafür bekommt man ein echtes Sportgerät. Wer billiger kauft, kauft zweimal – so heißt es. Im Gelände schlägt sich das Ghost Tacana am besten. Bulls holt sich mit einer astreinen Leistung mal wieder den Testsieg.


Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 2/2016. Sie können das gesamte Heft in der Trekkingbike-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop bestellen.


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Schlagwörter: MTB-Hardtails Test

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