Fatbikes

Dicke Dinger

  • Barbara Merz-Weigandt

Vor einem Jahr noch als „Spinnerei“ abgehakt, erobern die Fatbikes jetzt die Herzen vieler Radfans im Sturm. Das neue „Fahrgefühl“ begeistert.

Natürlich kommt der Trend wieder einmal aus den USA, natürlich schüttelt man darüber erstmal nur den Kopf. Waren Fatbikes vor einem Jahr nur eigenartige Exoten, fahren jetzt selbst traditionelle Hersteller wie Stevens voll auf die dicken Dinger ab. Jede namhafte Bikemarke rollte auf der Eurobike das eigene Fatbike in die erste Reihe. Dass die Ungetüme nicht gleichzeitig bleischwer sein müssen, bewies Leichtbauspezialist Uli Fahl. 9,1 Kilo brachte das Carbon-Fatbike am Tune-Stand auf die Waage. "Schon lange hat mich in der Fahrradwelt nichts mehr so begeistert. Ich bin regelrecht elektrisiert", beschreibt Fahl seine Erfahrungen. Der über 60-Jährige ist in der Branche seit mehr als 20 Jahren eher als besonnener Entwickler bekannt. Wohl fühlt sich das Fatbike erst, wenn man damit die Asphaltstraße verlässt. Doch dann vermittle es ein unglaubliches Gefühl der Fahrsicherheit. In den USA, Canada, Australien und Neuseeland hat sich bereits eine feste Fatbike-Szene etabliert. Dort wird es oft als Hardcore-Reiserad benutzt. Mit speziellen Taschen bepackt, geht es damit in die Wildnis. In unseren Breitengraden ist das Einsatzgebiet jedoch begrenzt. So vergleicht der deutsche Fahrradfan und Fatbike-Pionier Gunnar Fehlau sein Fatbike mit einem Ballkleid. "Fünfmal im Jahr habe ich damit einen großen Auftritt." So bewältigte Fehlau im vergangenen Winter die Strecke Trondheim-Oslo mit Gepäck und träumt in diesem Jahr von einem Inselhopping im Watt an Deutschlands Küste. Für Radentwickler wie Lutz Scheffer stößt das Fatbike jedoch ganz andere Türen auf. "Die festgelegten Laufradgrößen sind damit für uns endgültig aufgelöst. Wir können ab sofort über völlig neue Dimensionen nachdenken." Scheffer und andere sehen in der Optimierung des Laufrades an sich enormes Potential für die nächsten Jahre. Die amerikanische Kultschmiede und Fatbike-Marktführer "Surly" hat erste Konzepte bereits umgesetzt. Ihr Modell "Krampus" rollt auf 3 Zoll breiten Reifen auf 29er Felgen durchs Land. Mit Rohloff-Nabe und Tubus-Träger möglicherweise ein Prototyp für das Extrem-Reiserad der Zukunft.
www.fat-bike.de

Mehr zum Thema im Eurobike Messe-Report

Schlagwörter: Fatbike


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    18.12.2014