Erster Test: Pinion 9-Gang-Getriebe

Die bessere Hälfte?

  • Jochen Donner

Mit halbierter Gängezahl, aber riesiger Übersetzungsbandbreite und gut 500 Gramm leichter tritt Pinion mit dem neuen P 1.9-Getriebe an. Denn schließlich braucht nicht jeder immer 18 Gänge.

Man merkt gleich, dass die Jungs in der Autobranche zu Hause sind. Da sind die topographische Nähe einerseits, die fachliche Prägung andererseits: Christoph Lermen spricht von "Gleichteilen", "modularen Konzepten" und zieht Vergleiche zum "Querbaukasten von VW". Damit schildert er, wie die junge Firma Pinion das 18-Gang-Getriebe von Anfang an auch als Basis-Technik für plausible Ableitungen konzipiert hat. Intern arbeiten Getriebestufen in 3er-Gruppen. Sechs davon stecken im P 1.18, nur drei im P 1.9. Das Neunfach-Getriebe soll seinen Platz in hochwertigen Alltagsrädern finden, wo man mit der feineren Abstufung des 18-Gang-Drehschalters weit drehen muss, wenn man von 0 auf Reisegeschwindigkeit beschleunigt. Die Gangsprünge von 24%, wie sie das P 1.9 mitbringt,  sind da schon effektiver. Dennoch deckt es damit gigantische 568 Prozent Übersetzungsbandbreite ab (Zum Vergleich: P 1.18 636%, Rohloff 526%, reguläre Kettenschaltung ca. 520%) Eine zweite Neunfach-Variante mit engerer Gangspreizung (364%, 18% Gangsprünge) und ein 12er-Getriebe sollen im Sommer 2015 folgen: Zusammen mit Pinions Schmiede-Kurbeln, einer Hinterrad-Nabe mit eng verzahntem Freilauf, um die Leerwinkel im System zu reduzieren, und den dann vier Getriebe-Varianten entsteht so eine stets wachsende Produktfamilie. "Wir können das P 1.9 mit seinem komplexen Innenleben nicht um so viel günstiger verkaufen als das 18er. Es ist etwa 500 Gramm leichter und wird dadurch attraktiv für Vielfahrer und Pendler, die keine großen Steigungen auf ihrer Strecke haben", erklärt Christoph Lermen. Auch Oliver Römer von Tout Terrain denkt ähnlich: "Wir sehen das Metropolitan Xpress mit dem
P 1.9 primär als Pendler-Rad: Für Leute, die keine 18 Gänge brauchen, weil sie täglich und bei jedem Wetter vorrangig ihre bekannte Strecke fahren. Also eher eine Art S-Bahn-Ersatz." Das Metropolitan des Freiburger Bike-Spezialisten (ab 2800 Euro) fährt sich betont wendig und beschleunigt flink: Die kompakten, bewusst leicht gebauten 26-Zoll-Räder halten das hochwertig verarbeitete CroMo-Rad handlich. Das Neungang-Getriebe schaltet sich, zumal mit Gates-Riemen, leise, leicht und exakt. Man spürt die Detail­arbeit der vergangenen Monate, die Pinion hier geleistet hat. Beim Schalten unter Last stößt das System jedoch an Grenzen: Es bleibt ein Getriebe ohne Kupplung – eine geringe Lastunterbrechung ist immer nötig. Die große Entfaltung und Gangsprünge sind auf Alltagsstrecken sinnvoll einsetzbar. Ausnahme: An längeren Steigungen gerät man schneller in den roten Drehzahl-Bereich.

Schlagwörter: Pinion 1.9 Test


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