Fahrbericht Schindelhauer Friedrich

Edel, aber teuer

  • Jochen Donner

Das Zweirad für den gediegenen Alltagsfahrer kommt aus Berlin: Trotz praxistauglicher Alltagsausstattung beherrscht „Friedrich“ das Spiel vom Sehen und Gesehenwerden.

Durch sinnvolles Weglassen und der Betonung des Wesentlichen hat Jörg Schindelhauer schnell eine kleine, feine Fan-Gemeinde aufgebaut. Die Räder der Berliner Manufaktur sind wiedererkennbar und verfügen sowohl über Charakter als auch Nutzwert: Ihre kurze Geometrie erinnert an Rennräder, und so fährt sich auch das neueste Schindelhauer-Produkt. Schnell, wendig, agil und spurtstark, dabei sehr ansehnlich, steuert Friedrich mit einer 8-Gang-Alfine seit Mai durch die Innenstädte dieser Republik. Auch bei Dunkelheit oder Nässe kommt man nun stilvoll von A nach B und braucht das Velo nicht irgendwo stehen zu lassen. Die Lichtanlage steuert Supernova aus Freiburg bei: Der fein polierte LED-Scheinwerfer gehört zu den leistungsstärksten, gewiss jedoch zu den schöneren Fahrradleuchten unserer Zeit. Das schlichte 3-LED-Rücklicht setzt ebenfalls auf Reduktion: Solange es nicht an ist, kann man es glatt übersehen. Eine Kerbe in der Alu-Fassung ermöglicht den Kontrollblick aus dem Sattel, ob das Licht an ist oder nicht. Auch die Curana-Schutzbleche lassen sich leicht übersehen: Sie sind flach gewölbt, dass sie optisch nicht auftragen, bieten aber dennoch passablen Schutz. Ein leichter Tubus Fly in Edelstahl, roh und unbearbeitet, komplettiert den Friedrich so weit, dass selbst eine Wochenend-Tour in Frage käme. Voraussetzung ist guter Asphalt. Dann wird das Radeln zur Lustfahrt. Ober-, Unterrohr und die Kettenstreben haben die Berliner ein, zwei Zentimeter verlängert, um die Gabel weiter nach vorn zu rücken und den Radstand auch nach hinten etwas zu verlängern. So bekommen die Schutzbleche Platz, und die nur moderate Veränderung bewahrt den gewohnten Schindelhauer’schen Charakter. Das Friedrich ist leicht, kompakt und wendig; wenn man in die eleganten Pedale tritt, geht das Rad völlig geräuschlos vorwärts, denn den Vortrieb überträgt wie üblich ein Gates-Riemen. Gute Scheibenbremsen zügeln den Vorwärtsdrang, falls nötig. Selbst die verschiebbaren Ausfallenden und das integrierte Gates-Rahmenschloss machen die Schindelhauers noch zum Kunsthandwerk: Die Krokodil-Verzahnung ist natürlich selbst entwickelt!

Themen: FahrberichtSchindelhauer Friedrich

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