Fahrbericht: Dahon Vigor P9

Flinker Falter

  • Jörg Spaniol

In der klassischen „Klapprad“-Reifengröße von 20 Zoll tritt Marktriese Dahon mit einem überarbeiteten Rahmen an. TREKKINGBIKE ist das „Vigor P9“ Probe gefahren.

Wofür braucht man eigentlich ein Klapprad? Um es kompakt zum Urlaubsort zu transportieren und dort auf Tour zu gehen? Oder doch eher, um im Stadtverkehr die „letzte Meile“ zwischen Bahn oder Bus und Büro zu überbrücken? Vor allem für die zweite Variante hat sich das 20-Zoll-Format bewährt. Es ist groß genug, um auf festen Straßen halbwegs ruhig und komfortabel zu rollen, aber klein genug, um zu einem sehr kompakten Paketmaß beizutragen. In manchen Verkehrsverbünden, etwa in München, reist ein 20-Zöller sogar ungefaltet kostenfrei in U- und S-Bahn. Eine stückzahlstarke Kategorie, in der auch Marktriese Dahon die meisten seiner Baureihen ansiedelt.

Das „Vigor 9“ verorten die Taiwanesen dabei als Einstiegsmodell in der „Hi-Performance“-Klasse, die sich durch besonders steife Rahmen und eine zugunsten der Aerodynamik etwas gestrecktere Sitzposition auszeichnen soll. Und genau die ist bei dieser Art Fahrrad ein Dauerthema: Die meisten von ihnen gibt es (wie das Vigor) nur in einer Rahmengröße. Der Hersteller empfiehlt das Vigor für Menschen bis 105 Kilo und mit einer Größe zwischen 142 und 195 Zentimeter. Die einzige Möglichkeit zur Anpassung der Sitzlänge ist das Vor- und Zurückschieben des Sattels, weshalb das Vigor für Große eher kurz ausfällt. Ein halber Meter Größenunterschied lässt sich eben schwer mit einer einzigen Größe abdecken.
Hat man sich damit abgefunden und das Vigor bestmöglich auf die eigene Körpergröße angepasst, kann der neue Rahmen seine Qualitäten beweisen. Das dicke, kantig ausgeformte Hauptrohr und der ebenfalls breit angelegte Hinterbau halten, was der Hersteller verspricht: Im Vergleich zur auf den ersten Blick ähnlich konstruierten Mµ-Serie, ist der Rahmen spürbar steifer und damit Vertrauen erweckender. Leichter Wiegetritt ist kein Problem, Lenksäule und Sitzbereich sind für ein Rad dieser Machart fahrdynamisch solide. Dabei bleibt das Fahrgefühl, bedingt durch die kleinen Räder, wendig bis nervös. Die Übersetzungsbandbreite liegt auf dem Niveau einer Alfine-Achtgang-Nabe, bei 90 Kurbelumdrehungen pro Minute erreicht es etwa 40 Stundenkilometer – mehr Tempo braucht ein Klapprad wohl selten.

Dass die flach bauende Kettenschaltung und die V-Bremsen sich etwas teigiger bedienen lassen als an einem starren Rad, ist den langen, durchgängigen Bowdenzughüllen geschuldet. Die braucht so ein Klapprad, um sich klappen zu lassen. Am Vigor sind sie durch ihre Innenverlegung zudem recht diskret untergebracht, die markante Linie des Hauptrahmens bleibt ungestört.

Etwas Kritik trifft den Faltvorgang: Nur bei bestimmten Lenkerhöhen schnappt der Rahmen zu einem kompakten Paket zusammen. Die Anpassung an die persönlichen Vorlieben ist damit eingeschränkt oder erfordert nach jedem Falten eine Neujustage. Außerdem könnten alle vier beim Verstauen zu lösenden Schnellverschlüsse (an Lenksäule, „Vorbau“, Sattelstütze und Hauptrahmen) etwas satter und geschmeidiger laufen – möglicherweise verbessern Schmierung und längerer Gebrauch das Handling.
Unterm Strich präsentiert sich das Vigor als puristisch ausgestattetes Rad mit rascher Faltbarkeit, sicheren Fahreigenschaften und noch gutem Preis-Leistungsverhältnis. Mit Schutzblechen und Akkuleuchten ist es fit für den Pendler-Einsatz.

Den Artikel aus Ausgabe 5/2014 in voller Länge erhalten Sie als PDF-Download.

Schlagwörter: Dahon Vigor Test

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