Fahrbericht Fuji Feather CX

Günstiges Crossrad

  • Jochen Donner

Training schon auf dem Weg ins Büro: So ähnlich stellt man sich bei Fuji wohl die Zielgruppe fürs Feather CX vor. Doch der Günstig-Crosser kann viel mehr. Ein Bericht aus der Praxis.

Noch früher als sonst saß BIKE-Laborleiter Hans-Peter Ettenberger, ein Frühaufsteher von Haus aus, die letzten Wochen an seinem Schreibtisch. "Mit dem Fuji war ich wesentlich schneller unterwegs als sonst!", freut sich der ambitionierte Radler. Im Vergleich zu seinem üblichen Gefährt ist das Fuji zwar etwas schwerer, doch die aerodynamischere Sitzposition mit Rennlenker, die großen Laufräder und der effizientere Kraft­umsatz auf dem kompakten Freizeit-Crosser schlugen sich regelmäßig in vier, fünf km/h höheren Fahrgeschwindigkeiten nieder. "Mit einem solchen Rad muss man natürlich vorausschauender fahren: Die Übersichtlichkeit im Stadtverkehr ist geringer, du wirst von anderen schlechter wahrgenommen und man ist schneller als die meisten." Kommt dazu, dass der Rennlenker stets ein Umgreifen erforderlich macht, wenn man von der bequemeren Oberlenkerhaltung einmal voll in die Bremsen geht.
Richtig zuhause ist das Feather jedoch erst abseits der City. Hier spielt das Fuji sein sportliches Potenzial voll aus: Steuerrohr und Gabelschaft sind konisch geformt, um die Steifigkeit im Lenkkopf zu erhöhen. Denselben Zweck erfüllen das ebenfalls verdickte Sitzrohr am Tretlager und ein Pressfit-Innenlager mit großem, in die Rahmenhülse gefrästen Lagersitz. Shimanos Einsteiger-Gruppe Sora funktioniert exakt und präzise. Sie wiegt mehr als ihre Geschwis­ter, die Oberflächen, Lager und Materialien sind nicht so hochwertig gearbeitet, doch funktional erfüllt sie, zumindest in gepflegtem Zustand, den hohen Shimano-Standard leicht. Einzig der Hebelweg des Umwerfer-Hebels ist sehr lang – die Hand bedient dann ungewollt die Bremse mit. Hans hat die Hälfte seiner 300 Testkilometer offroad zurückgelegt: Mit den MTB-Kumpels unterwegs, hielt sich das Feather auch über Stock und Stein wacker. "Die Reifen sind auf befestigten Wald- und Forstwegen mit etwa 2 bar noch gut einsetzbar. Für wurzelige und grobere Strecken hatte ich dann 35er Conti Cyclocross Race montiert." Die machten das Feather zum ernsthaften Konkurrenten der Kumpel-MTBs. Der Hinterbau des Fuji ist gut drei Zentimeter länger als bei einem "echten" Cyclocrosser – dafür läuft das Feather ruhiger geradeaus, es passen noch Schutzbleche um die Laufräder und das Bike wird dadurch vielseitiger einsetzbar. Der Rahmen bietet mit seinen Gewindeösen für Gepäckträger und Schutzbleche daher auch Optionen für längere Touren mit leichtem Gepäck sowie als Schlechtwetter- oder Winter-Trainingsrad für Radsportler. Über die mechanischen Scheibenbremsen war Hans Ettenberger voll des Lobes: "Die Discs muss man natürlich erst einmal einfahren. Danach haben sie bei jedem Wetter kraftvoll funktioniert, waren prima dosierbar und komplett quietschfrei!" Schönes Detail: Alle Bowdenzughüllen, egal ob Schalt- oder Bremszug, sind in Lenkernähe mit geschmeidig laufenden Schraubhülsen zur Längenjustierung ausgestattet. So kann man die Einstellungen aufs Feinste auch während der Fahrt vornehmen.

Das Fuji fährt und lenkt sich präzise und straff. Einen gewissen Fahrkomfort steuern die Reifen und die schlanke Sattelstütze zwar bei, doch dies eher aus der Sicht eines Rennradlers. "Mit einem solchen Rad muss man viel aktiver fahren als mit anderen Fahrrad-Typen: Die Federung bist du selbst. Unebenheiten gleicht man in Knie und Ellenbogen aus und lässt das Rad unter sich arbeiten." Das machte unseren Tester wieder sensibler für seine Strecke: "Man guckt schon viel genauer hin als vorher!" So soll’s ja sein: Radfahren öffnet die Augen.

Themen: CrossradFuji Feather CXTest

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