Hilite Softtail: Titan-Sänfte Hilite Softtail: Titan-Sänfte Hilite Softtail: Titan-Sänfte

Test 2016: Super-Reiseräder

Hilite Softtail: Titan-Sänfte

  • Jochen Donner

Hilite gilt als Spezialist für Rahmen aus Titan. Mit einem Händchen für ungewöhnliche, individuelle Einzelstücke konstruieren die Basler ein vollgefedertes Tourenrad.

Schweizer Präzision und Wertebewusstsein – damit findet Hilite-Chef Biagio Coletto immer wieder einen Dreh, ungewöhnliche Fahrräder aus modernen Werkstoffen wie Titan oder Carbon zu bauen. Die enge, vertrauensvolle Verbindung zu einem taiwanesischen Titanverarbeiter macht es möglich, kleinste Stückzahlen zu produzieren und dabei direkt auf Kundenwünsche einzugehen. Das "Softtail" ist der Ansatz, eine unkompliziert und wartungsarm gefederte Hinterbaukonstruktion für den harten Einsatz auf staubig-steinigen Pisten Ostafrikas zu schaffen.

Der Hinterbau federt gelenklos.

Der Drehpunkt des Hinterbau-Dreiecks ist zugleich Teil der Federung: Coletto nutzt die hohe Elastizität von Titan. Eine Art Blattfeder, ein massives "Titan-Flacheisen" zwischen Tretlager und Kettenstrebe, übernimmt die Gelenksfunktion. So bleibt auch der Riemen stets gespannt. Zum Unterrohr hin stützt ein Luftdämpfer von DT Swiss den ansonsten gelenklosen Hinterbau über eine exakt berechnete Umlenkung ab. Gepäck ruht auf einem aus wenigen Titanröhrchen (ø 10 mm) gebogenen, verschweißten Trägerelement, das am Sitzrohr und der Dämpferaufnahme rahmenfest verschraubt ist. Voilà, Gepäck gefedert, Fahrwerk aktiv.

Auf dem rahmenfesten Titanträger hängt Gepäck zu eng am Laufrad.

Leider steckt das Trägerkonstrukt noch in den Kinderschuhen: Es ist zu schmal gebaut und seitlich zu weich; selbst kleine Vorderrad-Gepäcktaschen stehen zu eng an Reifen und Speichen, die seitlichen Trägerstreben touchieren beim Einfedern den Pneu. Ohne Zuladung oder bei abgeschraubtem Träger funktioniert das Konzept jedoch ausgesprochen gut: Der mögliche Federweg von maximal 6 Zentimetern reicht aus, ruppige Strecken zu zähmen und dem Hinterrad permanenten Bodenkontakt zu verschaffen. Vorn leistet dies eine hochwertige Fox-Gabel. Das Softtail fährt sich dank steiler Steuerrohr- und Sitzwinkel beweglich und spritzig, mit spielerischem Handling. Das lange Steuerrohr der 29er-Gabel und der Flex des Rahmens machen es vorne jedoch sehr weich – also Hände an den Lenker! Die Verarbeitung des gesamten Rads ist vorbildlich, feinere Schweißnähte sieht man selten. Rohloff/Gates-Antrieb und superbe XTR-Discs versprechen störungsfreie Kilometer auf lange Zeit und allen Staubpisten dieser Welt.

Fazit: Die konsequente Nutzung der Zähigkeit und Elastizität von Titan erlaubt der Edelschmiede Hilite, ein leichtfüßiges, aber voll gefedertes Rahmenkonzept mit hochqualitativen Komponenten auf die Pisten Afrikas zu schicken. Die Idee des rahmenfesten Gepäcktransports ist allerdings noch nicht ausgereift. Liebhaberstück.

Themen: Hilite SottailTest


Lesen Sie unser MYBIKE Magazin. Einfach digital in der MYBIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Test: Mountainbike-Hardtails (2015)
    Mountainbike-Hardtails auf Tour

    13.04.2015

  • Top-Räder 2017
    VSF Fahrradmanufaktur T-900 Pinion

    27.01.2017

  • Test: Dancelli Spurtreu 8.0
    Café-Racer mit Charakter

    19.08.2015

  • Top-Räder 2017
    Merida Crossway Urban XT Ed.

    27.01.2017

  • Test Top-Räder 2018: Bergamont Grandurance RD
    Zauberwort Plattform

    09.01.2018

  • Kaufberatung: Sättel für Vielfahrer
    Beim Sattel lohnt der Gang zum Fachhändler

    30.04.2013

  • Test: Thule Pack `n Pedal
    Träger- und Taschensystem

    14.04.2015

  • Fahrbericht Loopwheels
    Rad neu erfunden

    18.08.2014

  • Test: Elektroräder
    Sechs Konzepte mit elektrischem Extra-Schub im Vergleich

    05.06.2007