Maßrahmen aus Edelstahl Maßrahmen aus Edelstahl Maßrahmen aus Edelstahl

Test: Vogel Randonneur

Maßrahmen aus Edelstahl

  • Jörg Spaniol

Wenn ein perfektionistischer Rahmenbauer wie Ulrich Vogel und ein ebensolcher Kunde zusammentreffen, kann das Ergebnis erstaunlich schlicht sein. Auf den ersten Blick jedenfalls.

Zur Übergabe unseres Pin-ups sind sie gemeinsam gekommen, der Rahmenbauer Ulrich Vogel und sein Kunde Klaus Obermeier. Sie reden sich mit ihren Vornamen an, obwohl sie erst über den Rahmenbau-Auftrag in Kontakt kamen. Und das sagt schon allerhand über die Art, wie so ein velophiles Einzelstück entsteht. Ein normales Rad schaut man an, setzt sich drauf, fährt eine Proberunde und kauft es – oder auch nicht. Bei einem Maßrad ist vieles anders, und ganz bestimmt die Entscheidungsfindung. "Etwa die Hälfte der Arbeitszeit an einem Rahmen ist der Kundendialog", konstatiert Vogel.
Für Klaus Obermeiers Randonneur haben sich die beiden Männer also erst einmal lange zusammengesetzt und die Muffen ausgesucht, in denen die Rohre miteinander verlötet werden. Auf die Schwünge der Rohrverbinder des Hauptrahmens konnten sie sich schnell einigen, und auch darauf, dass die noch bearbeitet werden müssten: "Die hatten sozusagen Tränensäcke", sagt Ulrich Vogel, und so einen traurigen Anblick sollte der Maßrahmen nicht bieten. Der glatte, winklige Gabelkopf in Vogels Sortiment traf dagegen zwar Obermeiers Geschmack, doch die ausgesparten Herzchen darin nicht. Kunde und Kunst-Handwerker einigten sich darauf, sie beim Löten zu beseitigen. Noch bevor es um schnöde technische Werte geht, ist ein Maßrad eben auch ein ästhetisches Projekt.
Anlass für den Neubau war Obermeiers Wunsch nach einem Nachfolger für einen "RuFa"-Stahlrenner aus den 60er Jahren. Der lieferte die Wunschgeometrie für Obermeiers sehr, sehr lange Tagestouren. Dass es wieder Stahl sein sollte, war für ihn völlig klar: "Aluminiumrahmen sind mir viel zu hart, damit ermüde ich viel schneller", beschreibt er seine Erfahrungen. Und die Zeit war reif für ein Rad ohne Kompromisse wie Schraubschellen. Für ein Maßrad von Vogel, einem Spezialisten für handgedrechselte Befestigungsteile. Dass das klassische Touren-Rennrad so elegant dasteht, verdankt es auch solchen Spezialanfertigungen.

Der Vogel Randonneur im Detail

4 Bilder


Bei einem Serienrahmen bleiben immer überflüssige Gewindeösen frei, oder Schellen und Kabelbinder müssen fehlende Befestigungen ersetzen. Bei einem Unikat steht dagegen oft schon vorher fest, welche Teile wie montiert werden sollen. "Die Anlötteile mache ich grundsätzlich aus Edelstahl", erklärt Ulrich Vogel und weist dann noch auf Details hin, die dem raschen Blick entgehen: Alle Befestigungsteile sind genau so platziert, dass die Schutzbleche sich wunderbar parallel zum Reifen krümmen können und die Gepäckschienen der Träger bodenparallel stehen. Klapperanfällige Streben hat Vogel teilweise durch Eigenkonstruktionen wie den vorderen Lampen- und Schutzblechbügel ersetzt. Und Klaus Obermeier, ein begeisterter Schrauber, hat bei der Montage seiner teilweise sehr ausgesuchten Anbauteile mancherorts sogar Lederscheiben gegen sich lösende Schrauben und jedes Geklapper eingeschraubt.
Höchst perfektionistisch sind auch die Gewinde für die Flaschenhalter. Vogel hat sie nicht nur aus Edelstahl gewählt, sondern – wie alle Gewinde, die ins Rahmen­innere führen – als hinten verschlossenes "Sackloch" ausgeführt. So kommt auch von der unlackierten Innenseite keine Feuchtigkeit an die teilweise nur 0,5 Millimeter starken Stahl-Rohrwände.

Dass bei so viel Liebe zum Detail auch der Lack kein Zufall ist (sondern der stundenlang gemeinsam gesuchte Farbton der US-Version eines 1978er Fiat Spider), versteht sich. Und so haben der velophile Besitzer und sein Rahmenbauer ihr Ziel gleichzeitig erreicht und verfehlt: Der optisch schlichte Auftritt sollte kein Aufsehen erregen. Durch die perfektionistische Umsetzung genau dieser Schlichtheit hat das Rad jedoch mächtig Ausstrahlung entwickelt. Selbst komplette Radlaien blieben ausgerechnet vor seinem Randonneur stehen, berichtet Obermeier. Und lächelt stolz.


Der gesamte Testbericht stand in Trekkingbike-Ausgabe 3/2015. Sie können das komplette Heft in der Trekkingbike-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop bestellen.


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