Meister der Extreme – Rennstahl 931 Pinion Fat Meister der Extreme – Rennstahl 931 Pinion Fat Meister der Extreme – Rennstahl 931 Pinion Fat

Test 2016: Super-Reiseräder

Meister der Extreme – Rennstahl 931 Pinion Fat

  • Jochen Donner

Schnee, Sand, Kies, wegloses Gelände: Unfahrbar gibt’s nicht mehr. Das Edelstahl-Fatbike von Rennstahl erschließt widerspenstiges Geläuf mit extremer Fahrradtechnik.

Wunderwelt der Technik! Kaum ein anderes Rad wartet mit derartig vielen Besonderheiten, konstruktiven Kniffs und spezifischer Materialanwendung auf wie das Rennstahl. Der Rahmen besteht aus Edelstahl vom Typ Reynolds 931, die Wandstärken gehen auf 0,4 Millimeter runter, geschweißt wird unter Argonspülung, um Sauerstoffeinschlüsse zu vermeiden. Für die Gabel verwendet Rennstahl Titan, ihr Kopf ist geschmiedet (wie auch die Pinion-Brücke), die Holme innen und außen konifiziert, um Stabilität und Flexibilität gezielt zu beeinflussen.

Daniel Simon Gabel Titan, Rahmen Edelstahl: Die Materialien sind optisch kaum zu unterscheiden. Beider Verarbeitung ist perfekt.

Aber erst die Laufräder: Fette 11 Zentimeter (4,8 Zoll) breit sind die Reifen, 8,4 Zentimeter die Spezialfelgen; sie bestehen aus Carbon. Das Vorderrad wiegt dennoch nur etwas über drei Kilo und fühlt sich beim Antritt etwas zäher als gewohnt, aber vergleichsweise spritzig an. Die Fett-Reifen produzieren große Aufstandsflächen (Druck: ca. 0,7 Bar) – das ergibt Grip ohne Ende, egal wo. Wird’s weich, schlüpfrig oder glatt, wühlt sich das Rennstahl ganz locker durch. Klar, das kostet Kraft, auf den Isar-Kiesbänken kam ich schnell ins Schwitzen. Doch erstaunlich schnell stellt sich die Physis auf die erforderlichen Impulskräfte ein und man beginnt, dieses Kiesgruben-Feeling zu mögen. Wurzeln, Steinbrocken, kleine Tiere (Scherz!) schlucken die Monsterreifen einfach weg.

Daniel Simon Selbst 3-Zoll-Reifen, 76 mm breit, wirken im Fatbike schmal. Doch sie machen den Brummer universeller nutzbar.

Büßen muss man auf Asphalt: Hier rollen die Fat-Reifen so kraftraubend und rubbelig, dass es keine Freude macht. Technisch sind Fatbikes Herausforderung pur: Die Gabel ist 150, der Hinterbau gar 193 Millimeter breit; vorn sorgt eine Steckachse von 15 (dafür baut SON gar einen Nabendynamo!), hinten eine von 12 Millimetern mit Feingewinde für Stabilität. Die Getriebe-Brücke musste verbreitert werden, um die weit ausgestellten Kettenstreben anzuschließen. Zähmen lässt sich das Rennstahl mittels zweitem Laufradsatz mit 3-Zoll-Reifen (die gleichen wie am Idworx). Sie geben, außer im Extremen, nur wenig Geländegängigkeit auf, doch damit kann man das Rad auch auf Asphaltstraßen anständig bewegen. Für Wintertourer oder Expeditionsbiker gibt es kein besseres Rad!

Fazit: Mit immensem technischem Aufwand erschafft Rennstahl ein reisetaugliches SUV-Fahrrad für bisher unfahrbares Terrain. Alle Komponenten sind zuverlässig und langlebig ausgewählt, Mängel gibt es keine. Klug gewählte Titan-Teile machen das Fatbike komfortabel. Ein zweiter Laufradsatz erschließt auch gewöhnlichere Untergründe. Alltagseinsatz ist hier definitiv ausgeschlossen, es ruft das ganz große Abenteuer.

Themen: Rennstahl 931 Pinion FatTest


Lesen Sie unser MYBIKE Magazin. Einfach digital in der MYBIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Test: Tourenräder mit und ohne E-Antrieb
    Neun sportliche Tourer und acht Pedelecs im MYBIKE-Test

    12.12.2018Auf zwei Rädern durch Landschaften zu streifen – was gibt es schöneres als eine erlebnisreiche Radtour? Acht Tourenräder mit, aber auch neun ohne Motor stellen im Großen ...

  • Test: Rad-Handschuhe
    Radhandschuhe bis 30 Euro

    21.10.2014Handschuhe verschleißen oft schneller als eine Saison lang ist. Da greift man natürlich nur ungern zum teuren Luxus-Modell, besonders wenn günstige Handschuhe in Ausstattung und ...

  • Test: Top-Räder des Jahres 2013
    Im Trend: Weniger Gewicht, dickere Reifen, bessere Federung

    18.02.2013Radtechnik wird immer vielfältiger. Nicht ein, sondern mehrere Trends gleichzeitig dominierten die Herbstmesse.

  • Test: Kindersitze
    Sicher und bequem?

    21.02.2008Zwei auf einem Rad sind mobil und haben zusammen eine Menge Spaß. Denn im Kindersitz kommen kleine Passagiere ihren Eltern ganz nah. Wir sind acht Sitze Probe gefahren. Einer ...

  • Zubehör: Pedale
    Zum Nachrüsten: Pedale für Alltag und Tour

    18.11.2016TREKKINGBIKE hat zwölf Pedale von zehn Herstellern untersucht. Alle können mit Straßenschuhen gefahren werden, sechs bieten zusätzlich auf einer Seite eine Klickbindung.

  • Test: Randonneure
    Hauptsache flott

    10.03.2021Randonneure stehen für effizientes, zügiges Vorwärtskommen auf langen Strecken. MYBIKE hat fünf schnelle Allround-Renner zwischen 1.500 und 2.000 Euro getestet.

  • Test: Pinionräder
    Pinion startet durch

    23.10.2013Drei Jahre nach der Vorstellung des revolutionären Fahrrad-Getriebes steht eine breite Auswahl an Pinion-Bikes bei den Händlern. Unser großer Fahrtest nimmt zehn der neuen ...

  • Test 2016: GPS-Geräte für Radfahrer
    6 aktuelle GPS-Geräte im Vergleichstest

    25.07.2016Mit diesen GPS-Geräten finden Sie den richtigen Weg. Wir vergleichen 6 aktuelle Navigationssysteme für Tourenradfahrer.

  • Test: Klassiker-Modelle
    Alle guten Dinge: das VSF T-700

    09.12.2016Was 1987 bei der Gründung der VSF Fahrradmanufaktur gut war, ist auch heute noch von Wert – behutsame Modernisierung nicht ausgeschlossen. Bestes Beispiel das VSF T-700.