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Fahrbericht: Gravel-Road-Bike

Neue Fahrradgattung

  • Jochen Donner

Schwappt ein neuer Trend aus den USA nach Europa? Gravel-Road-Bikes sind eine Art Zwitter aus Cross- und Straßenrennrad und in Nordamerika angeblich der letzte Schrei. Auch bei uns gibt es inzwischen erste Modelle.

Schuld ist das amerikanische Straßensystem. In Bundesstaaten wie Iowa, Kansas und Minnesota sind asphaltierte Nebenstraßen keineswegs selbstverständlich. Wer dort Rennrad fahren will, dem bleibt oft nur der Seitenstreifen vielbefahrener Highways. Es sei denn, er erweitert seinen Radius auf die zahllosen Farmroads, deren Belag oft aus mehr oder weniger grobkörnigem Schotter – englisch "gravel" – besteht.
Aus dieser Not machten in den letzten ­Jahren immer mehr Rennradler eine Tugend. Sogenannte Gravel Grinder, Radmarathons auf Schotterstraßen, die mitunter über Distanzen von 200 Kilometer und mehr ­führen, sind eine neue Spielart des Radfahrens, die besonders im Mittleren Westen der USA immer populärer wird. An großen Veran­staltungen wie dem Trans-Iowa oder dem Dirty Kanza in Kansas nehmen mehr als tausend Starter teil. Ein bisschen erinnert das an den Oldtimer-Marathon L’Eroica in der Toskana, der auch zum großen Teil über Schotterstraßen führt.
Bislang bestreiten die meisten Fahrer die Schotterrennen auf klassischen Crossrädern. Doch immer öfter tauchen Räder auf, die ­extra für die Anforderungen der Gravel Grinder entwickelt wurden. Im Unterschied zu Crossrennern, die mit kurzem Radstand und tendenziell gestreckter Sitzposition für fahrtechnisch anspruchsvolle, verwinkelte Rundkurse ausgelegt sind, sitzt man auf ­Gravel-Road-Bikes entspannter, vergleichbar mit Komfort- beziehungsweise Langstreckenrennern. Ihr Radstand ist etwas länger, das Tretlager tiefer, die Reifenfreiheit geringfügig größer als beim Crossrad. Weitere Gattungsmerkmale sind Scheibenbremsen (oft in Kombination mit Steckachsen) und die Möglich­keit, Schutzbleche und Gepäckträger zu montieren.

Moderne Randonneure?
Alles nichts Neues, mögen Skeptiker einwenden, die in den Gravel-Road-Bikes einen mit schlauem Marketing aufbereiteten Wiederaufguss der französischen ­Randonneur-Räder sehen, die schon vor mehr als ­einem halben Jahrhundert bei Paris-Brest-Paris und anderen Langstrecken-Brevets zum Einsatz kamen – ohne Scheibenbremsen allerdings. Der Hinweis ist nicht ganz falsch, aber kein ernstzunehmender Einwand gegen die neue Spezies. Waren es zunächst ­Nischenanbieter wie die US-Marke Salsa, die die Marktlücke entdeckten, springen inzwischen auch die ersten globalen Marken auf den Zug auf. Specialized präsentierte jüngst mit dem "Diverge" ein entsprechen­des Modell, ebenso die Cannondale-Schwestermarke GT, mit einem Modell "Grade". Auch die ersten europäischen Hersteller nehmen sich des Themas an. Das neue "Innissio" von Simplon ist im Grunde ein Gravel-Road-Bike. Die ersten Alleskönner dieser Art stehen also schon in den Radläden.

Themen: Gravel Road BikesSpecialized DivergeTest

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    Fahrbericht Specialized Diverge Expert

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