Fahrbericht Loopwheels

Rad neu erfunden

  • Jochen Unbekannt

Die Redewendung vom „Rad neu erfinden“ nimmt man bei Loopwheels wörtlich: Drei Blattfedern aus Carbon-Komposit dämpfen ein völlig neuartiges Laufrad.

Der Geistesblitz kam am Airport. Beim Warten auf seinen Flug sah Sam Pearce, wie eine Mutter den Buggy mit ihrem Kind gegen eine Kante steuerte – das Kind konnte sich nur knapp vor einem Abflug retten. "Warum kann man Räder nicht tangential federn?", fragte sich der handwerklich und konzeptionell begabte Industrie-Desinger aus Nottinghamshire. Viele Versuche und Prototypen später startete seine kleine Firma Jelly Products Ltd. eine Crowdfunding-Kampagne, um sich das Startkapital zur Produktion der neuartigen Loopwheels zu beschaffen. Die Idee, selbst Patente, existierten mehrfach in der Vergangenheit, doch das passende Material war noch nicht erfunden. Weil nun aber Nottinghamshire die Stadt Robin Hoods ist, gibt es dort auch heute noch Bogenmacher. Die wiederum seit 20 Jahren mit Carbon-Komposit beste Erfahrungen für ihre Produkte gemacht haben. Und da Mr. Pearce offensichtlich auch ein guter Kommunikator ist, fertigt nun die ehrwürdige KG Archery die Loopwheel-Blattfedern aus Carbon-Komposit: leicht, mit sich nie verändernder Federrate und passend abgestimmter Eigendämpfung für "durchschnittlich gebaute, erwachsene" Radler. Die Federrate im Hinterrad hat Pearce mehr als doppelt so groß konzipiert wie vorne, um der Gewichtsverteilung innerhalb des Bikes gerecht zu werden. Derzeit gibt es ausschließlich 20-Zoll-Loopwheels, an anderen Radgrößen arbeitet die junge Firma noch. Schon beim Aufsitzen spürt man das Einfedern, einen Sag von gut 8 Millimetern am Hinterrad durch das Fahrergewicht. Tritt man flott in die Pedale, wird eine Unwucht spürbar: Die Räder rotieren permanent in gestauchtem Zustand, ihre untere Hälfte steht unter Druck, die obere unter Zug. Die Nabe dreht hier also stark außermittig, das Pedal reagiert mit leichtem Rückschlag. Kopfsteinpflaster oder Bordsteine schlucken die Loopwheels mit einem weichen Schmatz. Bei schärferer Fahrt wird das vertikal weiche Vorderrad spürbar, die Lenkung wird schwammig. Weiterer Nachteil: Die Räder kann man nur mit schwachen, schweren Trommelbremsen kombinieren. Damit sind die Loopwheels leider nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Schlagwörter: Loopwheels Test

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