Fahrbericht Rennstahl Pinion 28

Reiserad für das 21. Jahrhundert

  • Jochen Donner

Als Rahmenmaterial für Reiseräder hatten CroMo- Rohrsätze immer schon Konjunktur. Die neue Marke Rennstahl schneidert daraus einen Reiserad-Rahmen für das 21. Jahrhundert.

Reiseradler schwören seit Generationen auf Stahl als ideales Rahmenmaterial für ihre Abenteuer-Velos. Dabei hängen viele dem Mythos an, notfalls könne der letzte Dorfschmied vor dem Chayber-Pass noch schnell einen Rahmenbruch schweißen. „Das geht bei den heutigen, hochlegierten Rahmen-Stählen schon lange nicht mehr!“, wischt Rennstahl-Chef Andreas Kirschner die Legende vom Tisch. Allenfalls heften könnte man das hochentwickelte CroMo-Material mit normalen Schweißgeräten. Deshalb findet die aufwändige Verarbeitung des Reynolds 853-Rohrsatzes derzeit in Italien statt, wo noch die nötige Praxis und das Fachwissen für das Schweißen moderner Stahlrahmen besteht. „Doch es zeichnet sich ab,“ räumt Kirschner bedauernd ein, „dass wir dafür nach Taiwan ausweichen müssen.“ Das bringt erhöhte Kosten und Zeitverzögerungen mit sich. Denn der Sitz der kleinen Firma Rennstahl, ein Ableger der auf Titan spezialisierten Marke „Falkenjagd“, befindet sich an der Privatadresse der Kirschners im oberbayerischen Ismaning. Dort entwirft und konstruiert Kirschner seine unkonventionellen Fahrräder: Die haben auch mal ein wie gedrechselt wirkendes Unterrohr. Ovalisierte Rohrformen, ab- und zunehmende Durchmesser oder die – stabilitätsfördernd – doppelschalig aufgebaute Brücke für das Pinion-Getriebe erzählen von Ansprüchen und Sachverstand des Konstrukteurs. „Gerade bei den ungeheuren Kräften, die am Pinion-Reiserad per Kettenzug am Hinterrad und über das Gepäck auf dem Rahmen lasten, halten wir eine stabile Steckachs-Konstruktion für das passende Prinzip“, wirbt Kirschner für seine Sicht der Dinge. Am Vorderrad gewinnt die Lenkung deutlich an Präzision, erst recht, wenn man den Tubus-Lowrider belädt. Der ist zwar auf 15 Kilo Zuladung beschränkt, in der Praxis verträgt die nochmals verstärkte Big-Apple-Version kurzfristig auch einmal deutlich mehr Kilos, wenn man ein paar Liter Wasser zusätzlich für die nächste Wüstenquerung unterbringen muss.

Das Rennstahl Pinion 28 im Detail

3 Bilder

Eigentlich wollte Kirschner mit einer noch ungewöhnlicheren Neuheit aufwarten: Das 18-Gang-Getriebe, das Pinion derzeit in einer weiter optimierten, nun auch deutlich leiseren Version in Umlauf bringt, sollte von einem Riemenantrieb des Reifen-Konzerns Continental angetrieben werden. Dieser Riemen verwendet, im Unterschied zu Mitbewerber Gates, größere Zähne, baut etwas schmaler und stellt geringere Anforderungen an exakt ausgerichtete Rahmenfluchten oder genau angepasste Spannung. Dadurch verspricht der Conti-Riemen geringeren Konstruktions- und Montageaufwand, seine Handhabung wäre unkritischer als das Gates-Pendant. Doch Schwierigkeiten bei der Beschichtung ließen den Riemen nicht rechtzeitig fertig werden. So übernimmt nun eine konventionelle Fahrradkette die Transmission zum Hinterrad, die trennbare Sitzstrebe im Rennstahl-Rahmen kommt vorerst nicht zum Einsatz.

Für gröbere Strecken bietet Rennstahl einen 650B-Radsatz mit etwas geringerem Durchmesser. Die Laufrad-Architektur wird damit stabiler und schafft mehr Durchlauf für profiliertere Reifen. Bei vorwiegend asphaltierten oder befes­tigten Strecken rollen dagegen die 29er leichter und schneller. Beides geht gleichermaßen. Einen weiteren Luxus stellen die Anbauteile der Schwestermarke dar: Die Titan-Sattelstütze nimmt, dank Materialflex und weitem Auszug, Fahrbahn-Vibrationen souverän die Spitzen. Der Fahrer sitzt richtig komfortabel. Ob allerdings auch die drei Flaschenhalter aus dem Edelmetall bestehen müssen, kann jeder Interessent mit sich selbst ausmachen. Den stattlichen Kaufpreis von 4590 Euro drückt ein Verzicht darauf nicht wesentlich.

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Schlagwörter: Pinion Rennstahl Test

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