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Test: Rohloff-Räder

Rohloff regiert

  • Jochen Donner

Viel neue Technik ist der guten, alten 14-Gang-Schaltung auf den Leib gerückt. Dennoch ist die Rohloff-Nabe weiterhin das Musterbeispiel für ausgereifte, zuverlässige Fahrradtechnik. Grund genug, uns ein Dutzend aktueller Rohloff-Räder genau anzusehen.

Sie ist gerade dabei, die 200.000-Marke zu reißen: Die Rohloff-Nabenschaltung, 14 regelmäßig gestufte Gänge und Gesamtübersetzung von 526 Prozent, ist seit 1999 auf dem Markt. Seither bekommt jede der glanzvollen Dosen eine fortlaufende Seriennummer aufgedruckt. Die höchste Zahl in unserem Testfeld lautet 198.205. Marco Rauch, Pressesprecher der familiengeführten Rohloff AG in Fuldatal, freut sich: „Zur Eurobike 2014 hoffen wir, die nächste runde Zahl feiern zu können.“

Die Rohloff-Räder im Test

12 Bilder

Hatte der Ingenieursbetrieb in gut 10 Jahren 100.000 Naben gebaut, hat sich die Effizienz heute fast verdoppelt. Dieser Erfolg ließ die GmbH mit heute gut 45 Mitarbeitern zur Aktiengesellschaft mit Mitarbeiter-Beteiligung heranwachsen. Die Teilhabe am Unternehmensgewinn ist ein Faktor für gutes Arbeitsklima und hohe Motivation. Zudem darf man dies wohl auch als Zeichen der Geschäftsleitung für die Wertschätzung ihrer Mitarbeiter werten. Auch die Technik der „Speedhub 500/14“ ist stets im Wandel – selbst wenn man das von außen nicht sieht. „Wir arbeiten nach dem System der permanenten Verbesserung“, betont Marco Rauch. „Werden uns Schwachstellen bekannt, setzen wir alles daran, dies in der laufenden Produktion sofort zu ändern.“ Zuverlässigkeit und Robustheit stehen bei Rohloff auf der Prioritätenliste ganz oben. So ist man beispielsweise beim Finish von einer polierten zur eloxierten Oberfläche gewechselt, um lästige Korrosion durch winterliches Salzwasser auf den Naben und in den Speichenbohrungen zu verhindern. Dafür müssen die rohen Hülsen allerdings bei verlängerter Maschinenlaufzeit aufwändiger vorbearbeitet werden.
Dieser ungewöhnliche Qualitätsanspruch und seine direkte Umsetzung ins Produkt hat die Rohloff-Nabe längst, auch international, zur Legende werden lassen. Ihre Langlebigkeit ist unübertrefflich. Nicht ohne Grund kursiert in Radlerkreisen der Satz „Bei Kilometer 100.000 ist sie gerade mal gut eingefahren.“ Kein Wunder, dass Vielfahrer die Rohloff lieben. Weiterer Vorteil gegenüber der weit wartungsbedürftigeren Kettenschaltung ist ein symmetrisch einspeichbares und dadurch stabileres Hinterrad. Auch ihre Kette stresst „die Rohloff“ aufgrund einer stets gerade laufenden Kettenlinie weniger als die Kettenschaltung.
Die Gesamtübersetzung der Nabe übertrifft die einer regulären Kettenschaltung leicht, bei absolut gleichmäßig abgestuften, direkt aufeinanderfolgend schaltbaren Gängen. Die Schalt-Logik ist einfach, Gangspektrum und Entfaltung sind ergonomisch gut erschlossen.
Auf der Negativ-Seite schlägt ihr höheres Systemgewicht und dessen Konzentration im Hinterrad zu Buche: Ein Hinterrad rollt bei zunehmendem Gewicht und ungefederter Masse umso rumpeliger über Hindernisse. Dazu kommen Fahrgeräusche, besonders in den Gängen 5 bis 7: Hier drehen, bauartbedingt, Nabenhülse und Getriebeblock gegeneinander – das kann man teils sehr deutlich hören. Dünnwandige Alu- oder gar Carbonrahmen wirken oft wie eine Lautsprechermembran, ein CroMo-Gestell mit geringerer Resonanzfreudigkeit dämpft Fahrgeräusche eher; sensible Radler können diese Geräusche in den Wahnsinn treiben. Für einen Rohloff-Fan sind sie allerdings Musik.

Große Unterschiede gibt es im Testfeld bei der Schaltpräzision: Für definierte, exakte Schaltschritte ist eine penible Zugverlegung das A und O. Der Drehgriff und seine beiden Züge benötigen ein genau definiertes Leer-Spiel für eine optimale Funktion. Einige unserer Testräder schalten bereits im Neuzustand indifferent, Rastschritte sind kaum spürbar; direktes Feedback, ob ein Schaltschritt bereits stattfand oder noch nicht, geht verloren. Und damit dem Radler wertvoller Schwung.
Auch Hakeleien zwischen zwei Gängen sind zumindest minimierbar durch exakt abgelängte, möglichst gerade und spannungsarm, in weichen Bögen, verlegte Schaltzüge. Der derzeitige Trend zur Zugverlegung im Rahmen wirkt hier kontraproduktiv: Zugein- und Auslässe erzwingen vermeidbare Kurven. Auch außen verlegte, jedoch durch Schraub- oder Clip-Halterungen stark geklemmte Zughüllen oder zu enge respektive zu weite Zugbögen an Lenker und Rahmen können die Schaltpräzision ruinieren.
Der aktuelle Rohloff-Drehschaltgriff, Bestellnummer 8206, ist mit gewellten Rippen am Griffgummi deutlich ergonomischer geformt als sein dreikantiger Vorgänger. Doch auch er wird ohne Handschuhe bei Nässe etwas rutschig. Am 8206 kann, wer das braucht, auch die Nummer des eingelegten Gangs gut ablesen; sie ist in weißer Farbe aufgedruckt.
Die nagelneuen Daumen-Schalthebel von Cinq, der Zubehör-Marke von Tout Terrain aus Freiburg, verfügen dagegen über keinerlei Gang-Anzeige: Hier schaltet man rein nach Gefühl. Diese Taster müssen zwingend mit längs armierten Schaltzughüllen verbaut werden. Nur dann lassen sich mit einem Hebelweg bis zu zwei Gänge exakt bedienen; einer der Hebel dient zum Schalten in leichtere, der andere für schwerere Gänge. Die Shifter können wahlweise rechts oder links montiert werden. Ihre Zugseile sind an den Enden in einer eigenen Schaltbox verankert, die den Seilzug auf den internen Rastmechanismus der Nabe überträgt. Die Ergonomie der neuen Cinq-Taster ist auf Anhieb gut. Eine feinere Ausrichtung der Schalteinheit in ihrer Lenkerschelle wäre wünschenswert, um die Daumenbewegung besser an die Gegebenheiten des Lenkers anpassen zu können. Am Randonneur-Lenker kann es bei Oberlenker-Haltung mit der Handfreiheit eng werden. Zudem ist von Nachteil, dass man zwischen Schalten und Bremsen umgreifen muss – unter Umständen sogar mit beiden Händen. Da bedarf es vorausschauender Fahrweise und intensiver Übung, um jederzeit den richtigen Gang parat zu haben.
Je nachdem, wo man seine Schwerpunkte setzt: Die heimliche Königin hat viele Kleider. Die Vielfalt der Radkonzepte und die neue, durchaus vielversprechende Schalter-Alternative zeigen: Für Viel- und Weit-Fahrer, die besonderen Wert auf langlebiges Material mit hoher Wartungsarmut und Funktionssicherheit legen, ist die Rohloff-Schaltung nach wie vor schlicht die beste Option. Und damit definitiv ihren Preis wert.

Den Artikel aus Ausgabe 5/2014 in voller Länge erhalten Sie als PDF-Download.

Gehört zur Artikelstrecke:

Die Rohloff-Schaltung


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