Top-Räder 2017

Santos Cross Lite – die große Freiheit

  • Jochen Donner

Jahrelang klaffte eine Lücke: Rohloff-Nabe und Rennlenker wollten einfach nicht zusammenkommen. Der Konstrukteur und Rahmenbauer Blaschke fand eine Lösung.

Gute Produkte haben immer mehrere Väter. Es reicht nicht aus, eine Erfindung einfach auf den Markt zu werfen. Es braucht auch Leute mit schneller Auffassungsgabe, die sich überzeugen lassen und Neuem einen Weg ebnen. So, wie es bei Georg Blaschke und Robbert Rutgrink der Fall ist. Blaschke kennen unsere Leser als Erbauer der cleveren Gebla-Rahmen. Seine Tüftlerei trägt aber auch andere Früchte: Als Ex-SRAM-Mitarbeiter kennt er deren Schalthebel in- und auswendig. In seiner Denkerhütte im tiefsten Franken schaffte es Blaschke, die Double-Tap-Mechanik von SRAM-Rennbremshebeln auf eine neukonstruierte Seilbox für Rohloff-Naben anzupassen. Ein Hebel zieht die höheren, einer die niedrigeren Gänge. Santos-Mastermind Robbert Rutgrink dagegen verfolgt das Ziel, Fahrrad-Konzepte perfekt auf die Bedürfnisse seiner Kunden maßzuschneidern. Und die sind nicht gerade anspruchlos. "Auf so etwas wie die Rohbox haben wir schon jahrelang gewartet", freut sich Rutgrink. Bisher hatte sich der Niederländer immer auf die Notlösung des Co-Motion-Drehschaltgriffs am Rennlenker verlassen. "Aber da musst du eben zum Schalten immer umgreifen. Mit dem Resultat, dass man dann meist zu wenig Gangwechsel macht als eigentlich sinnvoll wären." Eine Portion Innovationsfreude und auch Wagemut kann man Rutgrink nicht absprechen: Flugs spezifiziert er die Blaschke’sche "Rohbox" an seinem Cross Lite.

Wartungsarmer Randonneur mit Offroad-Potenzial

Dieser wuchtige Allroader fährt sich wie ein Rennrad, ist aber keins. Die relativ aerodynamische Sitzposition und den ausgestellten Rennlenker mit vielfältigen Griffpositionen schätzen auch Langstreckler oder sogar Rennradfahrer, die nicht bei jedem ungeteerten Straßenabschnitt absteigen möchten. Das Cross Lite verkauft Santos meist mit 40 Millimeter-Reifen (Schutzblechoption bis 55 mm). Uns lieferte er das maximal Machbare: 60er-Reifen, die superleicht sind und auch so rollen. Die wuchtige Carbongabel ist auch ohne Steckachse steif und präzise genug, selbst für gröbere Feldwege. Der kompakte, supersteife Rahmen gibt sich keine Blöße und macht mit, was sein Fahrer verlangt. Schutzbleche und Träger können montiert werden. Als "naked bike" macht das Cross Lite aber am meisten Spaß. Die Shifter haben zwar einen langen Hebelweg und man weiß nicht, welchen Gang man aktuell fährt, doch das ist am Rennrad auch nicht viel anders.


Der komplette Artikel „Top-Räder 2017“ stand in Trekkingbike-Ausgabe 1/2017.

Schlagwörter: Santos Cross Lite Test


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