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Test: Damenräder

Sportliche Damenräder

  • Jörg Spaniol

Der „Damenrahmen" mit etwas tieferem Durchstieg ist ein Minderheiten-Modell. Unsere acht Testräder von 1000 bis 2000 Euro zeigen, dass ein tiefergelegtes Oberrohr keineswegs den Fahrspaß mindert.

Marylin Monroe ist als Rad-Expertin eher unbekannt, und das vermutlich zu Recht. Trotzdem hat sie ein Lied geträllert, das hundert Jahre Erfahrung in der Rahmenkonstruktion zusammenfasst. Es heißt „Diamonds are a girl’s best friend“. Der Diamantrahmen, vulgo „Herrenrahmen“, ist in der Summe seiner technischen Eigenschaften einfach die überlegene Konstruktion, wenn es um das Verhältnis von Steifigkeit und Gewicht geht. Die uralte Bauform ist so gut, dass sie nicht einmal durch Hightech-Material grundlegend in Frage gestellt wird: Als Carbon im Fahrradbau aufkam, rechneten viele mit ganz neuen räumlichen Strukturen und der Befreiung von der Rohrkonstruktion. Doch selbst die leichtesten und schnellsten Rennräder haben weiterhin Diamantrahmen. Und das gilt auch für die Wettkampfräder, auf denen Frauen unterwegs sind. Erst wenn Frauen in die Kategorie „Dame“ eingeordnet sind, fahren sie manchmal „Damenrahmen“.

Jedes Rad, das in diese Kategorie fällt, zeichnet sich durch einen tieferen Durchstieg als beim Diamantrahmen aus, sprich: Das Oberrohr stößt so weit unten am Sitzrohr an, dass frau ihr Bein beim Aufsteigen nicht hinten um Sattel und Gepäckträger herumschwingen muss, sondern den Fuß über den Rahmen heben kann. Dafür gibt es auch jenseits eventuell hinderlicher Röcke gute Gründe – die auch für Männer und Herren gelten. Die meisten Trekkingbikes haben nach hinten abfallende Oberrohre für mehr Schrittfreiheit im Stand. Doch mit hoch beladenem Gepäckträger oder Kindersitz, bei geringer Körpergröße oder eingeschränkter Beweglichkeit ist der „Damenrahmen“ bisweilen die bessere Option.

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Dabei hat die Formenvielfalt drastisch abgenommen, wie sich bei der Zusammenstellung unseres Tests zeigt: Im sportlicheren Marktsegment wird fast ausschließlich der Trapezrahmen angeboten, bei dem das gerade Oberrohr des klassischen Diamantrahmens einfach ein wenig tiefer ans Sitzrohr stößt. Diese Rahmenform gilt mittlerweile auch als „Unisex-Rahmen“. Der ebenfalls verbreitete „Wave-Rahmen“ der meisten Tiefeinsteiger ist für sportliche Räder kaum geeignet und bleibt deshalb außen vor. Weitgehend verschwunden sind die sportlichen Formen, bei denen schon die französische Bezeichnung eine gewisse Eleganz ausstrahlt: Der Mixte-Rahmen mit zwei dünnen Oberrohren vom Steuerrohr zum hinteren Ausfallende, der Meral-Rahmen mit halbhoch angesetztem, gebogenen Oberrohr, der Anglais-Rahmen mit tief angesetztem Oberrohr und zwei dünnen Rohren von diesem Knotenpunkt zum hinteren Ausfallende – solche Formen werden praktisch nur noch in Stahl gebaut. Unsere Testräder von Electra und Boettcher sind daher bewusst ausgesuchte Exoten im Reich des Unisex.

Doch was spricht eigentlich gegen den tieferen Durchstieg? Es ist die bei gleichem Gewicht geringere Rahmensteifigkeit, die bei sehr leichten Rahmen und sehr tiefem Durchstieg das Lenkverhalten und die Fahrsicherheit spürbar beeinträchtigt. Wie unsere Labormessungen (siehe rechte Seite) ergaben, ist dieser Verlust jedoch bei durchschnittlich schweren Aluminium-Trekkingrahmen gut zu verschmerzen. Alle Rahmen im Test erwiesen sich im normalen Fahrbetrieb als unkritisch.


Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 3/2016. 


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