Street-Art: Norwid Aaland Street-Art: Norwid Aaland Street-Art: Norwid Aaland

Test 2016: Super-Reiseräder

Street-Art: Norwid Aaland

  • Jochen Donner

Handgemachte Fahrradrahmen tragen immer die individuelle Handschrift ihres Erbauers. Die Kunst von Norwid ist es, Tradionelles mit modernster Technik zu vereinen.

Der Randonneur ist eines der ältesten Reiserad-Konzepte: Ein klassisch anmutender Stahlrahmen mit leichten Laufrädern, aerodynamisch und griffgünstigem Rennlenker und Gepäckträger, der einem Radler erlaubt, kraftsparend und effizient lange Distanzen zurückzulegen. Rostfreie Edelstahlrohre von Reynolds, Columbus und Poppe & Potthoff unter perlblauem Lack bilden das Gerüst des Aaland von Norwid. Hochverdichtete Microfusionsmuffen verbinden die Rohre zu einem stabilen Ganzen, das den stahl-typischen Flex an Gabel und Rahmen komfortbringend, bei schnellen Lastwechseln aber eine kundige Hand erfordernd, ausspielt.

Die Rohloff-Schaltzüge schickt Norwid getrennt durchs Unterrohr.

Solide, leichte Laufräder sind selbstverständlich, doppelt abgedrückt und handzentriert. So viel handwerklicher Aufwand kostet: Alleine das Putzen, Bürsten und Polieren der Sitzrohr-Muffe schlägt mit 149 Euro zu Buche. Rahmenbauer Pallesen rüstet seinen Rahmen mit Rohloff-Nabe, Gates-Riemen und Discbrakes aus. Disc-seitig verstrebt ein eingelötetes Edelstahlblech den filigranen Hinterbau. An der Hinterachse wird’s geradezu technizistisch: Das Ausfallende vereint Achsverschiebung mit doppelten Halte- und Längenverstell-Schrauben, Rohloff-Drehmomentstütze, Träger-, Blechstreben-, Ständer- und Disc-Montage. Krasser könnte der Gegensatz zum filigranen, klassischen Stahlrahmen kaum sein. Auch die voluminöse Sattelstütze und Vorbau von Thomson passen stilistisch nicht so recht ins Bild.

Hier kontrastiert die Moderne: Am Ausfallende des Randonneurs versammelt sich geballte Technik.

Der Rennlenker von Van Nicholas ist teilbar, um den Rohloff-Drehgriff montieren zu können. Seine Maße fallen unzeitgemäß lang und eng gekurvt aus, die Ergonomie könnte angenehmer sein. Zudem muss man zum Bremsen, Schalten und Klingeln jeweils umgreifen – unangenehm in dichtem Verkehr. Das Aaland platziert seinen Fahrer mittig und zentral; solange die Hände am Lenker bleiben, fällt die materialbedingt mäßige Seitensteifigkeit auch mit Gepäckzuladung nicht zu stark ins Gewicht. Damit empfiehlt sich das Aaland, ganz klassisch, für epische Touren auf verkehrsarmen Asphaltstrecken: Von der Haustür direkt bis zum Horizont.

Fazit: Individualität und Langlebigkeit prägen das Norwid: Klassischen Stahl und traditionelle Muffenbauweise verbindet Norwid handwerklich hochklassig mit wartungsarmem Rohloff/Gates-Antrieb zu einem Langstrecken-Randonneur. Stilistisch und ergonomisch lassen sich Brüche finden, doch die kann man mögen oder sich daran gewöhnen. Dem genussvollen Gebrauch des klassischen Reiserenners tun sie keinen Abbruch.

Schlagwörter: Norwid Aaland Test


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