Fahrbericht: Gebla Randonneur Tandem

Vierzylinder

  • Jörg Spaniol

Rahmenbauer Georg Blaschke hat ein Tandem voller technischer Leckerbissen konstruiert. Das fränkische Stahl-Unikat ist diskret vollgefedert und umwerfend ausgefuchst.

Ein Tandem ist immer ein Hingucker. Doch was Georg Blaschke da auf die Räder gestellt hat, ist mehr: Es ist ein Gar-nicht-mehr-Weggucker. Dabei baut der Zweisitzer des fränkischen Rahmenbauers nicht einmal auf Knalleffekte wie verschnörkelte Chrom-Muffen oder auflackierte Raubkatzen.
Den ersten Reiz zum Nähertreten setzt die Gabel. Einfach eine möglichst massive Teleskopgabel zuzukaufen, das hätte den Rahmenbauer vermutlich unterfordert. Seine Lösung folgt dem Prinzip der "geschobenen Schwinge", das schon bei uralten Motorradkonstruktionen zu finden ist. Am unteren Ende von zwei langen, starren Gabelbeinen sitzen die Drehpunkte für die kurzen, nach vorne-oben zeigenden Federarme. Die wiederum leiten ihre Bewegung in den Dämpfer, der sich am Vorbau abstützt. Die exotische Konstruktion hat Blaschke nicht aus Übermut eingesetzt: Sie ermöglicht unter anderem die solide Befestigung eines gefederten Frontgepäckträgers.
Ist man dem Lockruf der Gabel einmal erlegen und schleicht sich näher an das Rad, fällt die eigenwillige Hinterradfederung auf. Beim Federungsprinzip "Softtail" enden die Sattelstreben direkt in einem Puffer. Bei Serien-Mountainbikes konnte sich diese Federung nicht durchsetzen, doch Blaschke nutzt die minimalistische Konstruktion bei seinen Rädern gerne. Der Hinterbau hat zwar ein Hauptgelenk hinter dem Tretlager, doch auch Sitz- und Kettenstreben müssen sich noch ein wenig verbiegen, um die Einfederung zu ermöglichen – eine seltene, aber bei diesem geringen Federweg nicht unübliche Lösung.

Das Gebla Tandem im Detail

4 Bilder

Wer sein Rad beim Rahmenbauer bestellt, sucht individuelle Lösungen. Und wer bei diesem bestellt, bekommt sie körbeweise. Georg Blaschke hat als Ingenieur bei SRAM Schaltkomponenten entwickelt, bevor er vor einigen Jahren komplett zum Rahmenbauer mutierte. Sein kirschroter Zweisitzer ist deshalb auch eine Art Technologieträger für technische Sonderlösungen wie die "Rohbox": Rohloff-Fans können mit diesem kleinen Schaltkasten erstmals ihre 14-Gang-Nabe vom Rennlenker aus mit Schaltbremsgriffen betätigen. Die Rohbox ersetzt die übliche Rohloff-Schaltbox. Dafür hat Blaschke die Schaltmechanik des Renn-Griffes teilweise stillgelegt. Jetzt schaltet man mit dem rechten Hebel in die leichteren, mit dem linken in die schwereren Gänge. Ein kleines Teil als Ergebnis großen Tüftlergeistes.
Auch die zwei Edelstahlröhrchen parallel zum hinteren Oberrohr verraten nicht sofort ihren Zweck: Es sind Schienen zur Aufnahme zweier zusätzlicher Packtaschen, und genau wie die maßgeschneiderten Gepäckträger haben sie Verdickungen, die präzise zu den Haken der Ortlieb-Packtaschen passen.
Mit dem gebotenen Respekt gehen wir die Probefahrt an, doch nach der Eingewöhnungsrunde steigt das Zutrauen. Die breiten Randonneurlenker reizen vor allem in der unteren Griffposition, Druck aufs Pedal zu bringen. Also vorwärts zur Hoppelstrecke, einem Pflastersträßchen. Für den Piloten läuft die Sache samtig, denn die Parallelogrammgabel arbeitet ausgesprochen feinfühlig, nur beim Bremsen scheint sie sich etwas zu verhärten. Doch von hinten kommt Gemurre: Bei nur 3,5 Zentimeter Federweg muss der Luftdruck in der Feder penibel stimmen, sonst zeigt der Rennsattel seine ganze Härte. Mit einem Bar weniger sieht die Welt gleich freundlicher aus, doch den Komfort der Gabel erreicht das Heck nicht. "Die Federung bemerkt man erst, wenn man sie nicht mehr hat", erklärt der Erbauer das Konzept, doch die Tandem-Novizin auf dem hinteren Sattel verbittet sich weitere Experimente.


Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 5/2015. Sie können das gesamte Heft in der Trekkingbike-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop bestellen.


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Schlagwörter: Blaschke Rahmenbauer Tandem

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