Mobilität: Handling und sachgerechte Entsorgung des Akkus

Akku am Ende – was nun?

E-Bike-Akkus haben eine begrenzte Lebensdauer. Wir sagen, was Sie wissen sollten, wenn Ihre Batterie langsam schlappmacht – und geben Tipps, wie Akkus länger halten

Uwe Geissler am 15.12.2018
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fototeam dölzer - Augsburg - Germany

E-Biker der ersten Generation haben die bittere Erkenntnis bereits gemacht: Im Laufe der Jahre lässt die Leistung des Akkus nach – und man muss sich um Ersatz kümmern. "Unsere Erfahrung ist, dass die Batterien fünf, manchmal bis sieben Jahre halten", erzählt der Fahrradhändler Thomas Huber von Radl-Huber aus München. "Wir verkaufen schon seit über zehn Jahren E-Bikes. Der Austausch von Akkus klappt ohne Probleme. Das gilt in unserem Fall für Motoren von Panasonic, Bosch oder Brose. Es gibt aber natürlich auch Systeme am Markt, wo keiner mehr für Ersatzakkus zuständig ist. Da sollte man sich fernhalten."
Arne Sudhoff von Derby Cycle verspricht: "Wir haben unsere Batterien mindestens sieben bis zehn Jahre im Programm. Bei normaler Nutzung liegt die Lebensdauer bei ungefähr 1.100 Ladezyklen, das sind circa sechs Jahre Lebensdauer." Jörg Lange vom Premiumhersteller Riese & Müller sagt: "Wir garantieren, dass der Akku nach zwei Jahren oder 500 vollen Ladezyklen – je nachdem, was zuerst erreicht wird – noch eine Kapazität von
60 Prozent aufweist."

Der Akku ist ein Verschleißteil

Woran liegt es, dass Lithium-Ionen-Akkus ihre Leistung im Laufe der Zeit verlieren und sie als Verschleißteil zu betrachten sind? Der Hightech-Speicher ist aus rund 50 zylindrischen Batteriezellen zusammengesetzt, die parallel und hintereinander geschaltet werden. Die Akkuzellen sind in eine Trägerstruktur eingegossen und von einer Kunststoffaußenhülle umschlossen. Mit der Zeit finden in den Zellen chemische Zersetzungsprozesse statt. Je nach Pflege und Nutzungsverhalten des Akkus fallen sie unterschiedlich stark aus. "Die Batteriealterung setzt sich aus der kalendarischen Lebensdauer und der Zyklenlebensdauer zusammen", erklärt Dr. Jochen Mähliß von der Batteryuniversity in Karlstein.

„Man kann die Lebensdauer eines Akkus verdoppeln“ Interview mit Dr. Jochen Mähliß 

Allein durch die Lagerung verliert der Akku nach und nach einen Teil seiner Kapazität." Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Der Akkuhersteller BMZ Group geht davon aus, dass eine durchschnittliche Temperaturerhöhung pro Jahr um zehn Grad die Zersetzungs- und Auflösungsgeschwindigkeit der Zellchemie verdoppelt, was zu einer Halbierung der Lebensdauer führt. Die Zyklenlebensdauer hängt von der Nutzung des Akkus ab. Wichtige Einflüsse haben Ladezustände, Lade- und Entladeströme und die Betriebstemperatur.


Sicherheit geht vor

  1. Verwenden Sie nur Akkus (und Ladegeräte), die vom Fahrzeug-
    hersteller offiziell freigegeben wurden. Markenakkus müssen für ihre Zulassung Tests bei akkreditierten Prüflabors bestehen. 
     
  2. Fällt Ihnen ein Akku auf den Boden oder bekommt er einen mechanischen Stoß, sollte man das Gehäuse sofort kontrollieren. Akkus mit sichtbaren Schäden (Risse, eingedrungene Körper, Schmauchspuren) sollten nicht mehr benutzt oder geladen werden. Beobachten Sie ihn und bringen Sie ihn umgehend zum Händler. 
     
  3. Bohren Sie einen Akku nicht an und versuchen Sie nicht, ihn zu öffnen oder zu zerlegen – auch nicht, wenn Sie ihn nicht mehr brauchen.

Sinkt die Kapazität des Akkus, wirkt sich das direkt auf die Reichweite aus. Wenn Sie mit Ihrem Rad im Neuzustand zum Beispiel 80 Kilometer weit gekommen sind, erreichen Sie bei einer Restkapazität von 60 Prozent nur noch 48 Kilometer, bei 50 Prozent 40 Kilometer und so weiter. Sie müssen selbst entscheiden, ab welcher Restreichweite Sie den Akku austauschen möchten.
Vorsicht ist geboten, wenn die Batterie durch einen Sturz oder Unfall beschädigt wurde. Akkus mit sichtbaren Schäden sollten Sie nicht mehr laden oder benutzen, sondern umgehend zum Händler bringen.

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Verschlissene E-Bike-Akkus nimmt der Fahrradhändler kostenlos zurück und sorgt für fachgerechtes Recycling

Kostenloses Recycling

Ihr Händler sollte auch Ihr erster Ansprechpartner für einen Akkutausch sein. Ein gutes Fachgeschäft hat ein entsprechendes Diagnosegerät und kann den Akkuzustand prüfen. Fällt die Entscheidung für eine neue Batterie, ist der Händler verpflichtet, den alten Akku kostenlos zurückzunehmen und zu entsorgen. Das Recycling übernimmt in Deutschland meist die Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien (GRS). Im Rahmen einer Branchenlösung finanzieren über 50 Hersteller das System. Mehr als 2.300 Fahrradhändler sammeln in jeweils großen gelben Behältern die Altakkus ein. Sie werden von der Stiftung abgeholt und viele Wertstoffe umweltfreundlich recycelt.
Leider ist der Akku das teuerste Ersatzteil am E-Bike. Für eine neue Batterie werden je nach Motortyp bis über 800 Euro fällig. Da liegt es nahe, im Internet nach günstigen Alternativen zu suchen. Manche gängige Akkumodelle werden dort tatsächlich zu Schnäppchenpreisen offeriert. Außerdem finden sich Firmen, die Tuning oder einen Austausch von einzelnen Zellen oder Zellenblöcken anbieten.
Was ist davon zu halten? Jeder Lithium-Ionen-Akku benötigt ein intelligentes, elektronisches Batteriemanagement-System, das die Batterie daran hindert, ihren sicheren Arbeitsbereich zu verlassen. Es schützt vor hohen Temperaturen, Überlastung und Tiefenentladung. Außerdem ermittelt es unter anderem die Batteriekapazität, den aktuellen Ladezustand, die Restbetriebszeit und es speichert Daten zum Lebenszyklus. Der Einsatz von billigen und nicht passenden Akkus oder der Austausch von Einzelteilen kann gefährlich sein.
Ein Lithium-Ionen-Akku für Pedelecs ist ein Gefahrgut der Klasse 9. Für den Transport gelten besondere Regeln, für jeden Akkutyp sind spezielle Sicherheitstests und ein Zertifikat erforderlich. Also: Vorsicht vor No-Name-Produkten. Sie sollten nur Akkus und Ladegeräte verwenden, die vom Fahrzeughersteller offiziell freigegeben wurden.


Der komplette Artikel stand in MYBIKE-Ausgabe 3/2018. Sie können die Ausgabe in der MYBIKE-App (iTunes und Google Play) laden oder im DK-Shop bestellen.

Uwe Geissler am 15.12.2018

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