Fahrrad-Leasing: Interview mit ADFC-Experte

Das Dienstrad ist ein Erfolgsmodell

Interview mit Roland Huhn, Rechtsreferent und Leasingexperte beim ADFC

Armin Herb am 10.12.2018
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Clemens Bilan

Roland Huhn, Rechtsreferent und Leasingexperte beim ADFC

Wie viele Leasingräder gibt es aktuell in der Bundesrepublik?
Diensträder sind ein dynamisch wachsender Markt. Wir schätzen, dass es jährlich mehrere Hunderttausend neue Diensträder gibt. Seitdem das Dienstwagenprivileg 2012 auch auf Fahrräder ausgeweitet wurde, haben sich mehrere Anbieter auf diesen Bereich spezialisiert. Daraus lässt sich schließen, dass der Markt wächst. Was wir aus Befragungen wissen: Bei allen Anbietern machen Elektrofahr­räder weit mehr als die Hälfte der Leasingräder aus, in der Spitze bis zu 90 Prozent.


Hat die Entscheidung der Fi­nanz­behörden zum Restwert von Leasingrädern großen Einfluss auf den Erfolg des Bike-Leasings?
Die Arbeitnehmer dürften von der Restwertproblematik bisher wenig mitbekommen haben. Das ist eher ein Thema für die Personalabteilungen der Arbeitgeber – und selbstverständlich für die Leasingfirmen. Sie haben Lösungen erarbeitet, die sie ihren Firmenkunden mitteilen, um einer Verunsicherung entgegenzuwirken. Das gilt auch für bestehende Verträge. Hier übernehmen einige Leasingprovider die unvorhergesehene Steuerpflicht, mit einem pauschalen Steuersatz von 30 Prozent auf die Differenz zwischen dem kalkulierten Restwert – oft 10 Prozent – und dem Wert, den die Steuerverwaltung ansetzt, also 40 Prozent. In neuen Verträgen wird der Restwert den Vorstellungen der Finanzverwaltung angepasst. Die Restwertkalkulation geht inzwischen in Richtung 20 Prozent.


Wo liegt der Vorteil für Arbeitnehmer?
Durch die Gehaltsumwandlung spart der Arbeitnehmer Steuern und Sozialabgaben. Er gibt über die Nutzungsdauer weniger Geld für das Dienstfahrrad oder Pedelec aus, als wenn er es aus seinem Nettoeinkommen bezahlen müsste.


Welchen Nutzen hat der Arbeitgeber?
Der Arbeitgeber spart durch die Gehaltsumwandlung einen Teil der Sozialversicherungsbeiträge. Er kann seinem Arbeitnehmer mit dem Firmenrad zur privaten Nutzung einen größeren finanziellen Vorteil bieten als durch eine Gehaltserhöhung mit demselben Bruttobetrag, denn von der Erhöhung käme wohl nur die Hälfte netto beim Arbeitnehmer an. Beiden kommt der gesundheitliche Vorteil zugute, den die Nutzung des Fahrrads für den Weg zur Arbeit bewirkt.


Wie bleibt das Dienstrad-Modell auch in Zukunft attraktiv?
Noch attraktiver wäre das Dienstrad-Leasing, wenn auch Personal im öffentlichen Dienst es so nutzen könnte wie Beschäftigte in der Privatwirtschaft. Beamtengesetze und Tarifverträge lassen bisher die Gehaltsumwandlung nicht zu. Baden-Württemberg geht hier für seine Landesbeamten mit gutem Beispiel voran.
Der Kauf des Dienstrads nach üblicher Vertragsdauer von drei Jahren bleibt trotz eines erhöhten Restwerts finanziell interessant. Künftig werden aber mehr Arbeitnehmer überlegen, ob nicht ein neuer Leasingvertrag günstiger ist, weil sie dann ein Pedelec mit neuester Technik und frischem Akku erhalten. Um die Vermarktung der Leasingräder müsste sich dann der Leasingprovider kümmern. Hier könnte ein Markt für hochwertige Gebrauchtfahrräder entstehen.

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Armin Herb am 10.12.2018

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