Radfahren im Winter

Die wichtigsten Tipps für Winter-Radfahrer

Der Winter ist Radlers Feind, Punkt. Richtig vorbereitet lässt sich durchaus eine Art Burgfrieden mit der kalten Saison schließen. Hier die wichtigsten Tipps von Technikredakteur Jochen Donner.

Jochen Donner am 15.02.2014
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Daniel Simon

Liegen Schnee und Eis mehrere Tage, ist die Fahrbahn meist komplett zerfurcht und holprig – selbst wenn die Radwege geräumt werden. Hier helfen nur maximal dicke Reifen, verringerter Luftdruck und ein Gang kleiner als sonst, damit immer Schub vorhanden ist. Optimal sind 29er mit Spikes: Sehr gute Erfahrungen konnten wir mit dem Schwalbe Marathon Winter in 50-622 sammeln. Er hat mit 208 Stück genügend ringsum verteilte Spikes und grobe Stollen, die gute Seitenführung und Traktion bringen. Auch auf trockenen Asphaltstücken rollt er geschmeidig und lässt sich gut beschleunigen. Nehmen Sie Ihr Rad zum Kauf von Spikereifen mit und wählen Sie die maximal mögliche Reifenbreite. Generell gilt bei Schneelage: Näher zum Boden! Legen Sie Ihren Schwerpunkt durch tieferen Sattel und möglichst auch Lenker weiter nach unten. So fällt seitliche Balance leichter, Sie können sich im Zweifelsfall mit den Füßen abstützen und das Vorderrad entwickelt dadurch mehr Grip und bessere Spurführung. Auch die Fahrtechnik ändert sich: Etwas mehr mittig und kompakt sitzend kommen Sie sicherer über rutschigen Boden. Oft lässt sich ein rutschendes Vorderrad noch abfangen, indem man mehr Gewicht zum Lenker verlagert. Fahren Sie immer mit Zug auf der Kette und bremsen Sie gefühlvoll. Disc-Bremsen sind optimal, V- und auch Magura-Felgenbremsen neigen bei Schneekontakt und vereisten Felgenflanken sogar zum Ausfall. Hetzen Sie im Winter nicht. Gehen Sie souverän mit den Widrigkeiten um. Es muss ja nicht gleich heiße Liebe werden.

Schutzfilm
Salzwasser und festgepappter Schnee sind Gift für alle Metallteile am Fahrrad. Doch vorbeugender Schutz ist möglich: Das Brunox Turbo-Spray ist eine Art Universallösung. Es wirkt schmierend, verdrängt und unterkriecht Wasser und hat gute Kriech­eigenschaften. Deshalb schützt es ideal Kette, Ritzel und Kettenblätter, sowie eloxierte und polierte Aluflächen vor Rost. Auch sämtliche Elektrik-Kontakte am Rad profitieren davon. 400 ml 12 Euro; www.brunox.com

Kältecreme
Windchill kühlt die Temperatur auf unbedeckter Haut leicht noch einmal um 3 bis 5 Grad herunter – unangenehm und oft schmerzhaft, im Extremfall können partielle Erfrierungen der Haut die Folge sein. Eine wasserarme, stark fetthaltige Schutzcreme isoliert die empfindlichen Stellen, schützt gegen Kälteeinflüsse und lässt die Hautoberfläche nicht austrocknen. Weledas Coldcream hat sich gut bewährt, enthält Mandel- und Erdnussöl, Bienenwachs und wohlriechende ätherische Öle. UVP 9,95 Euro/30 ml. www.weleda.de

Mobile Heizkissen
Thermopads enthalten eine Mischung aus natürlichen, ungiftigen Stoffen wie Eisenpulver, Salz und Aktivkohle. Beim Aufreißen der Verpackung kommt Sauerstoff hinzu, die pulverige Mischung im Vliesbeutel erwärmt sich auf 37 bis maximal 45° Celsius. Die Wärmeabgabe bleibt für 5 bis 12 Stunden aktiv. Einfach in Trikottasche, Schuhe oder Handschuhe stecken. Problemlose Entsorgung im Hausmüll.
z. B. Sohlenwärmer ca. 3 Euro; www.thermopad.de

Beleuchtung
Wer total dunkle Abschnitte auf seiner Radstrecke passieren muss, gewinnt deutlich an Fahrsicherheit durch eine Helmleuchte. Die macht genau dort Licht, wohin das Auge schaut. So kann man mit einem schnellen Seitenblick auch unbeleuchtete Fußgänger oder freilaufende Hunde besser ausmachen. Die VIS 360 der US-Marke Light & Motion entwickelt in drei Modi bis zu 120 Lux Lichtstärke, ist kompakt und beschwert den Kopf nur mit 130 Gramm zusätzlich. Der Akku sitzt fest im Rücklicht und ist per USB-Kabel schnell nachladbar. Sie passt an die meisten Helme. Die kompakte Leuchte ist bei uns bereits die dritte Saison im Einsatz und strahlt nach wie vor hell und zuverlässig. Ca. 169 Euro. www.lightandmotion.com

Nierenschutz
Bei großer Kälte geht es primär darum, besonders empfindliche Körperstellen zu schützen. Dann fühlt man sich schnell wohl und kuschelig. Dazu gehören vor allem die Extremitäten, aber auch Kopf, Handgelenke und der Nierenbereich. Der „Kidney Warmer“ von Gore schützt Radler vor Kälte und Zugluft im kritischen Nierenbereich. Gerade für empfindliche Personen, die schnell zu Erkältungen neigen, ist der dehnbare und per Klettverschluss einfach anzulegende Gurt eine gute Empfehlung. UVP 39,95 Euro; www.goreapparel.de

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Ist der Gates-Riemen für den Winter problemlos geeignet?

Trekkingbike-Technikredakteur Jochen Donner: Der Gates-Riemen hat als wartungsarme Ketten-Alternative viele Fans gewonnen. Doch es gibt auch immer wieder Kritik und Befürchtungen: Meist geht es um die Angst, der Riemen könne unter Last plötzlich abspringen. Ein unverhoffter Tritt ins Leere ist für einen Radler fatal – ein Sturz wäre hoch wahrscheinlich. Da der Riemen, anders als eine selbst zentrierende Kette, über seine gesamte Baubreite eine gleichmäßige Auflagefläche benötigt, könnte ein mit Eis und Schneeresten verstopftes Ritzel oder Kettenblatt tatsächlich die Zähne auflaufen lassen und den Riemen seitlich abhebeln. Von Kettenschaltungen her ist der Effekt bekannt: Ist ein Ritzelpaket total vereist, greift die Kette nicht mehr, die Schaltung ist lahmgelegt.
Gates baut zwei Varianten des Carbondrive-Systems: Einen Riemen mit konventioneller Zahnung, die Antriebsscheiben haben ein ausgefrästes Profil, das sich nach unten verjüngt. So können die Riemenzähne Schmutz aus den Ritzeln drücken (CDC). Und die „Centertrack“-Version (CT), bei der eine zusätzliche Längsnut im Riemen auf einem zentrierenden Mittelsteg der Ritzel läuft. Beide Versionen haben wir im schnee­reichen Münchner Winter 2012/13 im täglichen Einsatz getestet. Das Fazit: Die seitlich schräge Anfassung der Zahntaschen am Ritzel reicht auch bei tagelangen Minusgraden aus, um Blockaden zu verhindern und den Riemen sicher und störungsfrei eingreifen zu lassen. 

Rad-Tuning bei Schnee & Eis

Mit ein paar Handgriffen kommen Sie und Ihr Fahrrad besser durch die kalte Jahreszeit.

1. Schwerpunkt runter
Auf rutschigen Radwegen bringt eine optimierte Gewichtsverteilung viel: Stellen Sie Ihren Sattel etwa 1-2 Zentimeter tiefer. So kommen Sie bei Schlingerfahrt besser mit den Füßen zu Boden. Verringern Sie den Reifendruck bis zur unteren Toleranzgrenze – mehr Aufstandsfläche erhöht den Grip.


2. Vorbau umdrehen
Öffnen Sie Schaft- und Lenkerklemmung Ihres Ahead-Vorbaus und montieren Sie ihn umgedreht. Damit steht der Lenker etwas tiefer. So erhöhen Sie den Anpressdruck am Vorderrad, das damit auf Schnee und Eis erst später ins Rutschen gerät.

3. Schrauben ersetzen
Verrostete Schrauben an Anbauteilen können Sie durch Schrauben aus V2A-Edelstahl ersetzen. Achten Sie auf dieselben Gewindesteigungen und -längen, fetten Sie die Gewinde vor dem Einschrauben. Achtung: Auf Zug belastete Schrauben an Sattelstütze und Vorbau dürfen nicht ersetzt werden.

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4. Speichenlöcher wachsen
Meist ist zwar die Oberfläche einer Felge lackiert oder eloxiert. Die Innenseite der Speichenbohrungen ist dagegen oft ein Einfallstor für Korrosion durch Salzwasser. Ein Tropfen Flüssigwachs (z. B. Kettenwachs von Hanseline) versiegelt die Spalte.

Schreiben Sie uns:

Haben Sie spezielle Radfahr-Erfahrungen im Winter gemacht? Haben Sie spezielle Tipps? Brief an:
Redaktion Trekkingbike, Steinerstr. 15 D,
81369 München; per E-Mail: info@trekkingbike.com

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Jochen Donner am 15.02.2014

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