Ratgeber: Alte E-Bike Akkus

Was tun, wenn der E-Bike Akku nicht mehr kann?

Moderne Lithium-Ionen-Akkus sind leistungsfähig, sicher, leicht zu handhaben. Aber: Sie halten nicht ewig. Die erste Generation E-Bikes mit diesen Akkus befindet sich mittlerweile in einer Phase, in der die Kapazität stark nachlässt. Zum Glück können die Hersteller meist helfen ...

Daniel Hrkac am 31.05.2017
Ratgeber: Alte E-Bike Akkus
Ronny Kiaulehn

Keine Power mehr? Es ist fast wie beim Menschen: Mit zunehmendem Alter macht der Akkuz früher schlapp.

Ohne leistungsfähige Lithium-Ionen-­Akkus gäbe es keine E-Bikes – zumindest nicht so, wie wir sie heute zu schätzen wissen. Sie erst ermöglichen die Fahrleistungen und Reichweiten, die mit aktuellen Pedelecs möglich sind. Allerdings sind sie auch ein Verschleißteil,  denn Akkus altern. Und das regelmäßige Laden und Ent­laden zehrt an der chemischen Substanz.

Ein Akku gilt, je nach Definition des Herstellers, als verschlissen, wenn er noch 60 bis 80 Prozent seiner Kapazität aufweist. Im Unterschied zu anderen Fahrrad­teilen, wie etwa Bremsbelägen, bedeutet "verschlissen" in diesem Fall aber nicht "defekt", "gefährlich" oder "unbedingt austauschen". Wer mit der verfüg­baren, geringeren Reichweite auskommt, kann den schwächelnden Akku unter Umständen noch einige Zeit nutzen. Bei einem Akku-Test des ADAC wurden ­Akkus mit ca. 1.500 Ladezyklen auf eine Restkapazität von 30 Prozent gebracht und erst dann als "kaum mehr zu gebrauchen" in den Ruhestand geschickt.

Doch nicht nur die Ladezyklen, auch die Jahre setzen den Akkus zu. Selbst dann, wenn sie in dieser Zeit gar nicht genutzt werden. Aus der Industrie ist zu hören, dass gängige Zelltypen, die vor 2014 produziert wurden, etwa 2 bis 3 Prozent ihrer Kapazität pro Jahr allein durch Lagerung verlieren, bei neueren Zelltypen sind es nur noch 0,5 bis 1 Prozent. Wie hoch der Einbuße durch Gebrauch ausfällt, ist natürlich sehr individuell. Üblicherweise sind die Akku-Packs auf 500 bis 700 Ladezyklen ausgelegt. Je nach Nutzungsverhalten kann diese Zahl nach unten wie nach oben erheblich abweichen. Früher oder später verliert aber auch der stärkste Akku einen Großteil seiner Kapazität und muss ausgetauscht werden.

Ratgeber: Alte E-Bike Akkus

Dauertest: Beim ADAC-Leistungstest zeigten manche Akkus gutes Durchhaltevermögen. Ein Bosch-Akku etwa hielt 1.515 Ladezyklen durch, bis er nur noch 30 Prozent der Anfangs-Kapazität hatte.

Frischzellenkur? Gibt’s nicht!

Wenn schließlich die Entscheidung gefallen ist, sich nach einem neuen Energiespeicher umzuschauen, sollte man ­einige Punkte beachten, bevor es zum Ersatzteilkauf geht. Am klarsten vorgezeichnet ist der Weg für Käufer von Markenprodukten aus dem Fachhandel.

Der erste Gang führt zum Händler, der mit den entsprechenden Diagnosetools in seiner Werkstatt den Akku-Zustand prüfen kann. Er kann verbindlich einschätzen, ob ein Austausch unumgänglich ist und ein passendes Modell vorschlagen. Spätestens an diesem Punkt will man als Kunde wissen, welche Optionen bestehen. Immerhin ist der Akku das mit Abstand teuerste Ersatzteil am E-Bike. Die Spanne reicht von rund 200 Euro für den kleinen Akku eines Noname-Herstellers bis zum Original-Bosch-Powerpack mit 500 Wattstunden zum Listenpreis von rund 800 Euro. Verständlich, dass man da sparen möchte. Allzu viele Möglichkeiten hat man als Kunde aber meist nicht.

Die Idee, einen alternden Akku "auffrischen" zu wollen, ist praktisch immer zum Scheitern verurteilt. ­Lithium-Ionen-Akkus gehören – bei allen Vorzügen – zu den Akku-Sorten, denen man auf keine Weise frisches ­Leben eingehauchen kann. Sind sie einmal verbraucht, war es das. Die oft empfohlene sogenannte Neukalibrierung bewirkt lediglich, dass der aktuelle Ladezustand im Display wieder korrekt angezeigt wird. Die grundsätzlich verfügbare Kapazität ändert sich dadurch nicht.

Diesbezügliche Experimente an den Akku-Packs in Eigenregie sollte man tunlichst unterlassen. Das vermittelt auch Bosch-Pressesprecherin Tamara Winograd mit Nachdruck: "Lithium-Ionen-Akkus sind komplexe, fein abgestimmte Systeme mit einem hohen Energieinhalt. Endkunden, Händler und Fahrradhersteller sollten den Akku keinesfalls öffnen. Es besteht die Gefahr eines Kurzschlusses. Durch Öffnung oder Veränderungen der Akkus entfällt ­zudem jeglicher Garantieanspruch."

Ratgeber: Alte E-Bike Akkus

Spezialgebiet: Der fachgerechte Aufbau von Akku-Packs ist keineswegs simpel. Deshalb gehört das in die Hände von Profis, wie hier bei Akkuspezialist BMZ.

Seriöse Akkus, gesunde Lösungen

Stattdessen empfiehlt sie den Serviceprozess zwischen Kunde, Handel und Hersteller. "Um Informationen über den Zustand der Bosch-Power-Packs zu erhalten, sollte der Verbraucher einen Fahrradhändler aufsuchen. Mithilfe des Bosch-Diagnosetools kann dieser die Anzahl der Ladezyklen auslesen und feststellen, ob der Akku technisch in Ordnung ist. Die Power-Packs von Bosch lassen sich auch am besten über den Händler beziehen. Er kann die Ersatzteilversorgung und Nachrüstung problemlos über den Online-Shop des Servicepartners Magura abwickeln."

Bei der Ersatzteilversorgung bemühen sich die ­Anbieter von E-Bike-Akkus generell um möglichst kundenfreundliche Lösungen. Man hat offensichtlich erkannt, dass das der gesamten Produkt­gattung guttut. Bei BMZ in Karlstein, dem europäischen Marktführer für E-Bike-­Akkus, ist man imstande, auch Einzelteile wie ­Gehäuse, Elektronik oder das Core-Pack, also den Zellenkern, in den eigenen Akkus zu ersetzen. Ein Aufwand, den laut BMZ kein anderer Hersteller in ­Europa auf sich nimmt. Wenn das beim eigenen Akku möglich ist, fährt der Kunde damit günstiger als mit dem Neukauf eines ganzen Akkus. Die ­E-Bike-Hersteller versuchen ebenfalls, ihre Ersatzteilversorgung möglichst lange zu gewähr­leisten. Üblicherweise geht man in der Fahrradbranche ­davon aus, dass der Lebenszyklus eines Rades nach sechs bis sieben Jahren endet. "Selbst wenn der Zeitraum von sechs bis sieben Jahren überschritten ist, versuchen wir noch die Versorgung mit Batterien sicherzustellen", erklärt etwa Arne Sudhoff, Presse­sprecher bei Derby Cycle, die ­eigenen Ansprüche. So wurde mit der Einführung des eigenen Impulse-Antriebssystems im Jahr 2012 die Nutzung von Panasonic-Motoren eingestellt. Dennoch könne man für diese Räder immer noch Ersatz-Akkus bekommen.

Bei Ersatzakkus von Drittherstellern dagegen sollte man angesichts der Komplexität der Systeme genau prüfen, ob sie zum eigenen Pedelec passen – vor allem dann, wenn sie nicht explizit für das Antriebssystem hergestellt wurden. Wegen des fein abgestimmten Zusammenspiels der Bauteile können sie nicht beliebig ausgetauscht werden. Wer etwa übers Internet einen Universal­-Akku findet, der auf den ersten Blick zum eigenen System zu passen scheint, sollte vorsichtig sein und sich über Betriebserlaubnis, Gewährleistung und Kompatibilität genau informieren. Wer solche Akkus ­unbedacht ans Rad montiert, riskiert Schäden am Motor, Überladungen, oder sogar einen Akku-Brand.

Time to say Goodbye ...

Seit etwa 2009/2010 sind Lithium-Ionen-Akkus Stand der Technik am Fahrrad. Wer ein älteres E-Bike fährt, nutzt eventuell noch Nickel-Cadmium-, Nickel-Metallhydrid-Akkus oder andere, ältere Systeme. Für diese Räder ist es inzwischen schwierig, Ersatz-Akkus zu finden. Obendrein belasten sie die Umwelt durch die enthaltenen Stoffe und bringen weniger Leistung. Nicht umsonst haben Lithium-Ionen-Akkus in der Zwischenzeit alle anderen Akku-Typen am E-Bike verdrängt. Höchstens kleine Spezialhersteller, womöglich gar aus Fernost, können in dieser Situation noch helfen. Hier muss aber jeder selbst entscheiden, ob sich diese Investition angesichts der deutlich besseren Fahrleistungen moderner E-Bikes noch lohnt. Mit Lithium-Ionen-Akkus hat man auf jeden Fall auch langfristig eine Perspektive. Sie werden voraussichtlich noch mindestens bis 2030 der Goldstandard in der Akku-Technik bleiben, trotz angekündigter, weiterer Innovationen.

Die moral von der Geschicht ...

Wer also ein Pedelec mit Lithium-Ionen-Akku aus dem Fachhandel fährt und damit ein Produkt der großen Anbieter der Branche, hat ziemlich sicher noch langfristig die Aussicht, einen gleichwertigen Ersatz-Akku zu bekommen. Anders sieht die Situation für Kunden aus, die auf einem Elektrorad eines wenig bekannten Herstellers aus Fernost unterwegs sind. Da kann es leicht passieren, dass nach ­einigen Jahren kein Original-Ersatz-Akku mehr verfügbar ist – und Universal-Akkus aus nicht selten zweifelhaften Quellen sind dann oft die einzige Möglichkeit, das Gefährt am Laufen zu halten. Mit allen genannten Risiken ... 


Seite 1 / 2


Daniel Hrkac am 31.05.2017

Das könnte Sie auch interessieren