Werkstatt: Nabendynamo warten

Rost-GAU im Kraftwerk

Feuchte, kalte Luft und Betriebswärme lassen in Nabendynamos Kondenswasser entstehen. Bei hochwertigen Shimano-Nabendynamos kann dies zum Totalschaden führen.

Jochen Donner am 20.09.2016
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Daniel Simon

Ausgerechnet Shimanos effizienteste Sport-Nabendynamos, Wegbereiter des elektrischen Fortschritts am Rad, haben ein Problem: Eingedrungene feuchte Luft lässt Kondenswasser im Nabeninneren entstehen. Sammelt sich genügend Feuchtigkeit, führt dies zu massivem Rostbefall. Unter Umständen kann die Dynamoeinheit komplett am Stahlreifen auf der Innenseite der Nabenhülse festrosten. Dann ist der Dynamo zerstört, das Vorderrad dreht nicht mehr – oft sogar über Nacht. Wer dennoch versucht, das blockierte Vorderrad mit Gewalt ins Rotieren zu bringen, erreicht nur, dass die Schnellspannachse nachgibt und sich in den Ausfallenden der Gabel mitdreht – so ruiniert man auch noch die Gabel.

Betroffen sind nach unseren Recherchen sämtliche Shimano-Modelle DH-3Nxx und 3Dxx ab 70 aufwärts, inklusive Alfine-, LX- und XT-Serie. Hier besteht ein Spalt von nur wenigen Zehntel Millimetern zwischen dem auf der Achse drehenden Wicklungskorb und dem Stahlreifen auf der Nabenhülse. Wassertropfen und daraus entstehender Rost können diesen Spalt leicht überbrücken. Marc Habermann vom Technik-Service des Shimano-Generalimporteurs Paul Lange, rät zu "rechtzeitigem Service" – eine Anleitung dazu sucht man bei Shimano vergeblich. Deshalb haben wir mit ihm zusammen die notwendigen Service-Schritte ermittelt. Zur Reparatur bieten die Japaner die interne Dynamo-Einheit (mit Radachse) als Ersatzteil an (je nach Modell ca. 40-50 Euro). Dynamos anderer Hersteller sind offenbar, dank Ablaufbohrung (SON) oder größerer Spaltmaße (SRAM, Sanyo), nicht gefährdet.

Der größte Feind: Feuchtigkeit

An feucht-kalten Wintertagen erzeugt das Temperaturgefälle zwischen betriebswarmem Nabendynamo und Außenluft einen Unterdruck im Dynamo. Feuchte Kaltluft dringt durch die Labyrinth-Dichtung ins Nabeninnere. Beim Erkalten entsteht Kondenswasser, das nicht mehr abfließen kann: Rostfraß droht. Im Extremfall kann dies den Dynamo total zerstören. Gegen diese Gefahr helfen nur rechtzeitige Wartung und Pflege.

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Fehlender Rostschutz
Im Innern der Aluminium-Nabenhülse ist ein Streifen Stahlblech eingepresst, der der Dynamowicklung als Anreger dient. Seine Lackierung ist leider nicht rostfest.

So warten Sie Ihren Nabendynamo
Hier erklären wir den Nabendynamo-Service Schritt für Schritt

Der Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 6/2014. Sie können die Ausgabe in der Trekkingbike-App (iTunes und Google Play) laden oder im DK-Shop bestellen.

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Jochen Donner am 20.09.2016

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