Test Bio-Schmirmittel

Wie gut schmieren Öko-Öle?

Bio liegt voll im Trend, und auch die Fahrradkette lässt sich mittlerweile umweltfreundlich pflegen. TREKKINGBIKE wollte wissen, ob die Öko-Öle mit klassischen Schmiermitteln mithalten können und unterzog zehn Produkte einem Labortest.

Stefan Frey am 19.08.2014
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Daniel Simon

Wir braten unser Steak aus biologischer Haltung in Öl aus umweltfreundlicher Produktion. Beißen genüsslich in einen pestizidfreien Granny Smith und schlüpfen in Klamotten, die ökologisch unbedenklich hergestellt wurden. Nur unsere Fahrradkette ertränken wir förmlich in Schmierstoffen, die auf Erdöl basieren und mit synthetischen Stoffen angereichert werden. Regen wäscht das bedenkliche Gemisch von der Kette und schwemmt es ins Erdreich. Dabei gibt es längst unbedenklichere Lösungen. Sonnenblumen und anderes Gewächs erfreuen nicht nur die Liebste daheim. Gepresst und mit den richtigen Zusätzen versehen, schmieren pflanzliche Öle die Fahrradkette zuverlässig und nachhaltig. Ob sie ihren Job so gut erfüllen wie die raffinierten Erdölprodukte, zeigt der Labortest.

Um sich überhaupt das Gütesiegel „biologisch abbaubar“ aufs Fläschchen kleben zu dürfen, müssen die Schmiermittel aufwändige Tests durchlaufen. Die OECD-Verfahren (Organisation for Economic Co-operation and Development) der Serie 301 weisen den Produkten einen raschen und vollständigen biologischen Abbau nach. Wobei innerhalb von 28 Tagen mehr als 60 Prozent des Prüfstoffes abgebaut sein müssen. Auch der CEC-Test ist ein anerkanntes Verfahren. Er gibt an, wie viel Prozent der Probe nach 21 Tagen noch vorhanden ist. Alle Hersteller erfüllen zumindest eine dieser beiden Normen. Biotech geht mit seinem Chain Lube noch einen Schritt weiter. Als einziges Kettenöl wurde es mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ ausgezeichnet und somit als nicht wassergefährdend eingestuft.
Was aber noch mehr interessieren dürfte: Wie schneiden die Bio-Schmierstoffe im Vergleich mit den klassischen Ölen ab? Das wichtigste Kriterium ist dabei die Schmierfähigkeit. Sie soll den Verschleiß der aneinanderreibenden Teile möglichst gering halten. Keine leichte Aufgabe. Die reibenden Teile einer Kette sind rund, die Auflageflächen dementsprechend klein. Bei zu großem Druck reißt der Schmierfilm ab, und die Metallteile reiben sich buchstäblich aneinander auf. Vor Verschleiß wird kein Schmierstoff eine Kette schützen können. Allerdings können Kettenöle mit einem guten Wert beim Brugger-Test (siehe Kasten) die Lebenserwartung einer Kette deutlich verlängern. Drei Produkte stechen hier heraus. Dynamic, Muc-Off Wet Lube und Rohloff erzielen sehr gute Werte. An den Dynamic-Kettenschmierstoff aus unserem Test 02/2010 kommen sie jedoch nicht ganz heran.

Fotostrecke: Die Bio-Schmiermittel im Test

Ob der Schmierstoff auch noch in die kleinsten Hohlräume der Kette gelangt, zeigt die Kriechfähigkeit. Hier sind die dünnflüssigen Mittel im Vorteil. Vor allem Dynamic und die beiden Pedro’s-Produkte klettern die filigranen Test-Pipetten empor wie der Wetterfrosch die Sonnenleiter. Das zähflüssige Rohloff und Produkte auf Wachsbasis, wie Squirt und Muc-Off Dry Lube, haben hier das Nachsehen.

Ihren Vorteil spielen sie dagegen auf staubigen Wegen aus. Vor allem die Wachsprodukte verhindern effektiv, dass sich Schmutz an der Kette anhaftet. Sie trocknen nach dem Aufbringen ab und hinterlassen keinen klebrigen Schmierfilm auf den Kettengliedern. Aber auch an den Proben von Holmenkol und Rohloff, beides recht zäh fließende Schmierstoffe, bleibt nur wenig Quarzsand hängen. Weniger eindeutig fällt das Ergebnis beim Korrosionsschutz aus. Hier kann man keine pauschale Aussage anhand der Konsistenz oder Zusammensetzung ziehen. Den salzigen Sprühnebel unseres Beregnungstests verkraften vor allem die mit Atlantic, Squirt und Muc-Off Wet Lube geschmierten Ketten, ohne größere Rostflecken anzusetzen. Schick gebräunt, aber für den Einsatz am Rad nur noch wenig geeignet, verlassen die Ketten, die in dünnflüssigen Schmierstoffen wie Dynamic, Muc-Off Dry Lube und Pedro’s getaucht waren, den Sprühtest. Hier muss man öfter mal zum Ölfläschchen greifen, um die Kette rechtzeitig nachzuschmieren. Auf eine Bewertung der Handhabung haben wir dieses Mal bewusst verzichtet. Alle Produkte kommen in kleinen Tropffläschchen und lassen sich fein dosiert auf die Kettenröllchen auftragen. So kann man bereits von vornherein verhindern, dass zu viel Öl auf die Kette gelangt. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel.

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Stefan Frey am 19.08.2014

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