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Test: Cargobikes

Die Lust am Laster

  • Uli Frieß

Vom Kindertaxi bis zum Kleintransporter: Cargo-Pedelecs sind Familienkutschen und umweltfreundliche Minilaster in einem. Sieben Cargobike-Modelle im Test

Manchmal entwickeln sich die Dinge hin zum Einfachen. Das wachsende Bekenntnis zum Fahrrad ist ein schönes Beispiel dafür. Speziell Transportpedelecs setzen einen willkommenen Kontrapunkt zur automobilen Flut in den Innenstädten. Dass Lastenräder immer mehr Freunde finden, hat gute Gründe: Sie sind umweltfreundlich, platzsparend und vergleichsweise günstig in Anschaffung und Betrieb. Weil die Tretlaster zudem den innerstädtischen Verkehr entlasten, gibt es für den Transport nicht allzu sperriger Lasten kein sinnvolleres Verkehrsmittel. Die Leichttransporter befördern Kinder, den Einkauf oder auch Handwerker-Utensilien. Das Transportgewicht spielt bei Pedelecs zudem nur eine untergeordnete Rolle, denn ihre potenten Motoren schieben die Räder mühelos auch steile Anstiege hinauf.

Lang oder breit?

Lastenräder gibt es in unterschiedlichen Ausprägungen. Wir haben uns sieben Vertreter genauer angesehen: drei einspurige Tieflader (Bergamont, Kargon, Riese & Müller), zwei einspurige Longtails (Kettler, Yuba) und zwei Dreispurer mit zwei Laufrädern an der Vorderachse (Sblocs und Winther).

Diese 7 Cargobikes haben wir getestet

7 Bilder
  • Bergamont E-Cargoville LJ 710
  • Kargon One
  • Kettler Familiano L-N
  • Riese & Müller Load 75 Vario
  • Sblocs Calderas 2020
  • Winther Kangaroo Luxe
  • Yuba Mundo Electric E8000

So verschieden die Konstruktionen, so unterschiedlich sind auch die Abmessungen und Fahreigenschaften. Einspurige Tieflader sind tendenziell sehr lang, ihre Ladefläche liegt tief zwischen Fahrer und Vorderrad. Durch den niedrigen Schwerpunkt bleiben die Kippkräfte beim Rangieren und während der Fahrt gering. Die Pedelecs lassen sich nach kurzer Eingewöhnung intuitiv und flott bewegen. Zwar rückt das Vorderrad aus dem Blickfeld des Fahrers, dafür liegen das Transportgut oder die Kinder jederzeit im Blick. Beim Abstellen und Rangieren erweisen sich die langen Räder als eher unhandlich. So benötigt beispielsweise das Bergamont mit knapp 2,70 Metern deutlich mehr Platz als der 2,06 Meter lange Sblocs-Dreispurer – der dafür aber deutlich breiter ist als die Einspurer. Weil die Ladefläche vorne nicht vom Laufrad begrenzt wird, sind die Transportboxen von Dreispurern im Verhältnis zur Gesamtlänge deutlich länger.

Longtails sind ein interessanter Kompromiss zwischen Tiefladern und Dreispurern. Sie transportieren ihre Lasten auf speziellen Heckträgern. Vom langen Hinterbau abgesehen, sind sie wie normale Räder aufgebaut; Longtails fahren sich deshalb sehr intuitiv, und ihre Abmessungen sind überschaubar. Auf dem stabilen Träger können mehrere Personen mitgenommen werden, sogar Erwachsene können Platz nehmen – vorausgesetzt, das Rad ist mit Haltebügel und Fußrasten ausgestattet.

Testergebnisse - kompakt zusammengefasst

Um einen praxisnahen Eindruck zu bekommen, haben wir die Räder mit 35 Kilogramm beladen. Wie erwartet, lenken sich einspurige Cargos spurtreuer und spritziger als Dreispurer. Weil deren Vorderachse mitsamt der Ladefläche in die Kurve gedrückt werden muss, verlangen sie deutlich mehr Kraft am Lenker. Zudem kann man einen Dreispurer mit starrer Vorderachse nicht in die Kurve legen, die Fliehkraft drückt das Rad deshalb spürbar in Richtung Kurvenaußenseite. Dreiräder wie das Sblocs können das besser: Mit Neigetechnik in der Vorderachse eliminieren sie unangenehme Fliehkräfte. Die Fahreigenschaften von Longtails hängen in erster Linie von der Rahmensteifigkeit und der Schwerpunktlage ab, sind also eher konstruktions- als systembedingt. Das kompakte Kettler verfügt über einen sehr verwindungssteifen Rahmen und rollt mit tiefem Schwerpunkt auch schwer beladen beinahe so unkompliziert wie ein normales Rad. Dagegen fordert das Yuba aufgrund seines hohen Schwerpunkts und der Länge deutlich mehr Aufmerksamkeit. Bei abrupten Lenkbewegungen kann der Hinterbau aus der Spur drängen.

Kindertransport

Bergamont, Kargon und Sblocs sind universell einsetzbare Lastenräder. Für den Kindertransport lassen sich optional Sitzflächen und Anschnallgurte in ihre Transportboxen integrieren. Weil die Sitzflächen nicht sehr hoch über dem Boden der Transportboxen liegen, müssen die Kinder ihre Knie stark anwinkeln. Während längerer Fahrten wird das schnell unbequem. Winther Kangaroo und Riese & Müller Load können das besser, sie sind von vornherein als Kindertaxi konstruiert. Die Füße finden ergonomisch vorteilhaft in vertieften Fußraum- Wannen Platz, beide Cargo-Pedelecs haben ein praktisches Verdeck zum Schutz vor Regen, Staub und Sonne. Auf den Longtail- Trägern von Kettler und Yuba lassen sich neben Körben und Taschen ergonomisch gestaltete Kindersitze montieren, auch dort sitzen Kinder sehr bequem.


Den kompletten Vergleichstest der sieben Cargobikes können Sie bequem unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Test kostet 1,99 Euro.

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Schlagwörter: Cargobike Lastenrad Transportrad

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