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EINZELTEST HP VELOTECHNIK SCORPION

Rasanter Liegestuhl

  • Uli Frieß

Dreispurige Liegeräder finden ihre Fans unter Liebhabern individueller Fahrradtechnik. Menschen mit körperlichen Einschränkungen bieten sie Sicherheit und Freude am Radfahren. Das Scorpion plus 26 von HP Velotechnik im MYBIKE-Test

Viel Luft passt nicht zwischen Asphalt und Pilotensitz. Dass sich Scorpion-Fahrer trotz der niedrigen, halb liegenden Position im Liegesitz auf Anhieb wohlfühlen, liegt an der ausgefeilten Ergonomie des Pedelec-Dreispurers. Lenker sowie sämtliche Bedienelemente sind sinnvoll angeordnet und gut erreichbar. Die Handgelenke ruhen, unbelastet vom Körpergewicht, in gepolsterten Auflagen. Ein üppig dimensioniertes, zentrales Rahmenrohr nimmt weit vor dem Fahrer Tretkurbel und Shimano-Antrieb auf. Es ist als Teleskoprohr ausgelegt und per Schnellspanner einfach auf die Beinlänge des Fahrers einzustellen. Die Kettenlänge passt sich automatisch an. Damit kommen Fahrer von 150 bis 200 Zentimeter Körpergröße mit dem Universalrahmen klar. Beim Platznehmen auf dem bequemen Sitz steht die „Tadpole“-Konstruktion stabil auf ihren Laufrädern. Tadpole, zu Deutsch Kaulquappe, nennt die Liegerad-Szene solche dreispurigen Liegeräder mit zwei gelenkten Laufrädern vor dem Fahrer.

Nicht nur fahrdynamisch unterscheidet sich diese Kaulquappe deutlich von einspurigen Rädern, sie ist auch wesentlich aufwendiger konstruiert. Die MacPherson-Radaufhängung an der Vorderachse ist direkt vom Automobilbau abgeleitet. Als Dämpfer fungieren Elastomer-Federbeine, ein Stabilisator verbessert das Kurvenverhalten im Grenzbereich. Spurstangen übertragen wie beim Auto Lenkimpulse auf die Vorderräder. Am Hinterrad komplettiert eine gefederte Schwinge das Fahrwerk des Scorpion. Gut gelöst: Die beidseitigen Packtaschen-Verstrebungen sind am Hauptrahmen befestigt und somit Teil der gefederten Masse. Das verbessert Fahreigenschaften und Komfort auch mit schwerem Gepäck.

HP Velotechnik Scorpion

4 Bilder

„Das Scorpion plus 26 ist ein äußerst komfortables Pedelec mit hoher Fahrdynamik und ausgefeilter Ergonomie. Der hohe konstruktive Aufwand hat allerdings seinen Preis.“ Uli Frieß, Testredakteur

Dynamisch und sicher

Das Scorpion reagiert prompt und berechenbar auf Lenkimpulse, es steuert sich intuitiv und direkt. Weil sich Becken und Oberkörper am Sitz abstützen, bauen die Beine mit subjektiv wenig Krafteinsatz viel Pedaldruck auf. Mit 60 Nm maximalem Drehmoment produziert der Antrieb genug Zusatzschub für dynamischen Fahrspaß. 25 Stundenkilometer sind schnell erreicht, und in der Ebene lässt sich das Scorpion mit überschaubarem Kraftaufwand weiter beschleunigen. Die elektromechanische Nexus-Getriebenabe wechselt ihre acht Gänge per Tastendruck, wahlweise schaltet sie automatisch. Bei unseren Testfahrten übersprang sie im Automatikmodus manchmal ungewollt mehrere Gänge. Hohe Kurvengeschwindigkeiten meistert der Dreispurer wegen des tiefen Schwerpunkts ohne Ausbrechtendenz.

Beide Vorderräder bleiben auch bei flotten Kurvenwechseln sicher am Boden – einen Elchtest würde das Scorpion problemlos überstehen. Schnell gefahrene, enge Kurvenradien erzeugen hohe Fliehkräfte, der ergonomisch geformte, einstellbare Liegesitz bietet jedoch ausreichend Halt. Mechanische Scheibenbremsen an beiden Vorderrädern verzögern das Scorpion jederzeit sicher, die Bremsleistung ist deutlich höher als die einspuriger Räder. Dass jeder der Bremshebel ein anderes Vorderrad ansteuert, irritiert in der Theorie, beeinflusst die Lenkung aber nicht spürbar. Auf Wunsch gibt es auch eine hydraulische Bremsanlage mit nur einem Bremshebel, die synchron auf beide Vorderräder wirkt. Am Hinterrad findet sich lediglich eine Feststellbremse. Sämtliche Bedienelemente für Getriebenabe und Motorsteuerung befinden sich gut erreichbar am rechten Lenkerende. Mit 46 Zentimeter Abstand zwischen Sitz und Fahrbahn ist unser Testrad eine gemäßigte Version der Scorpion-Flotte.

Im tiefsten Modell sitzt man 43 Zentimeter überm Asphalt, 57 Zentimeter sind es in der Reha-Version für Fahrer mit körperlichen Einschränkungen. Große Sitzhöhen bedingen übrigens einen der wenigen Nachteile des Scorpion: Um den fahrdynamischen Nachteil des höheren Schwerpunkts auszugleichen, vergrößerten die Konstrukteure die Spurweite. Unser Testrad passte mit seinen 92 Zentimetern Gesamtbreite nicht mehr durch eine gebräuchliche Normtüre.

Den vollständigen Testbericht vom HP Velotechnik Scorpion Plus 26 lesen sie in MYBIKE 4/2021.

Themen: LiegeradMybike 4/2021


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