Seite 1: Test 2017: Pedelecs bis 2000 Euro

Wie gut ist günstig? 8 Pedelecs im Vergleich

  • Uli Frieß

„Pedelecs sind so teuer“, nennen viele als entscheidendes Argument gegen die trendigen Hybrid-Zweiräder. Doch teuer ist relativ: Preiswerte Marken-E-Bikes kosten derzeit um 2.000 Euro. Die Frage ist eher: Was leisten die Günstigen? Wir haben neun dieser Bikes unter die Lupe genommen.

Ein alltagstaugliches, funktionierendes Rad mit Elektroantrieb muss nicht 3.000 Euro kosten – so viel sei vom Ergebnis dieses Tests gleich zu Anfang verraten. Die wichtigste Frage bei der Suche nach einem guten, günstigen Bike lautet eher: Worauf muss man beim Kauf achten? Wo haben die ­Hersteller den Rotstift angesetzt, um ein günstiges Bike auf die Räder zu stellen? Welcher Verzicht auf teurere, aufwendigere Technik wirkt sich möglicherweise nachteilig auf Funktion und Sicherheit aus?

2015 lag der Durchschnittspreis aller verkauften ­Pedelecs bei knapp 2.800 Euro; für unsere aktuellen Testkandidaten haben wir als Limit 2.000 Euro festgelegt, weil an dieser Preisgrenze ein – aus Käufersicht – interessanter Wettbewerb zwischen günstigen Fachhandelsrädern und Pedelecs von Discountern stattfindet. Zwei der Räder aus diesem Testfeld vertreten letztgenannte Spezies: das ­Fischer ETD 1722 und das Nopeus eTour. Während das Nopeus mit 1.999 Euro am oberen Ende der Preisskala liegt, muss man für das Fischer nur 1.499 Euro ausgeben – was zumindest schon mal zeigt, dass Discount-Rad nicht gleich Discount-Rad ist. Beim Discounter gibt’s Räder zu Preisen, wie sie auch der Fachhandel ermöglicht. Entscheidend sind also die tatsächlichen Unterschiede in Qualität, Ausstattung – und Service, denn das ist, bislang jedenfalls, nicht die Stärke von Discountern und Verbrauchermärkten.



Die Testergebnisse dieser Pedelecs finden Sie unten in der Artikelserie:


  • Batavus Genova E-go
  • BBF Lyon
  • BH Easygo Street
  • Fischer ETD 1722
  • Nopeus eTour 400 N8
  • Pegasus Piazza E
  • Velo de Ville CEB 790
  • Winora Manto M7 (E-BIKE Testsieger)

Test 2017: Pedelecs bis 2000 Euro

8 Bilder

"Pedelecs sind so teuer", nennen viele als entscheidendes Argument gegen die trendigen Hybrid-Zweiräder. Doch teuer ist relativ: Preiswerte Marken-E-Bikes kosten derzeit um 2.000 Euro. Die Frage ist eher: Was leisten die Günstigen? Wir haben neun dieser Bikes unter die Lupe genommen.



Qualität erhöht die Sicherheit


­Generell können Hersteller vor allem auf zwei Arten Kosten sparen: durch hohe Stückzahlen – weil sie dann selbst Fahrradteile günstiger einkaufen können – und geringere Qualität. Während große Stückzahlen primär wenig Einfluss auf Fahrverhalten, Alltagstauglichkeit und Sicherheit haben, ist bei mangelhafter Qualität Ärger programmiert. Dennoch können Hersteller günstige Teile verwenden: Entweder mit leichten Abstrichen bei der Haltbarkeit oder indem sie Teile verwenden, die nicht den ­aktuellen Stand der technischen Entwicklung bieten, sondern das bewährte Niveau aus den Vorjahren. Beides geht aber nicht auf Kosten der Sicherheit. Auf die Qualität sicherheitsrelevanter Bauteile – Rahmen, Gabel, Bremsen und Laufräder – sollte man jedoch beim Kauf von jedem Pedelec genau achten, egal ob günstig oder teuer. Diese Teile müssen höheren Belastungen standhalten als an normalen ­Rädern: E-Bikes beschleu­nigen schneller und sind dynamischer unterwegs, und sie wiegen deutlich mehr als normale Fahrräder.

Während die Rahmen der Testräder optisch kaum ­Anlass zur Kritik geben, zeigen sich auf dem Prüfstand deutliche Unterschiede: Beim Fischer ETD 1722 konnten wir beispielsweise nur eine sehr niedrige Rahmensteifigkeit messen. Im Gegensatz dazu überraschten das BH Easygo Street und das Winora Manto mit sehr steifen Rahmen. Bei den übrigen Rädern unterscheiden sich die Steifigkeitswerte der Rahmen nicht signifikant von denen teurerer Räder. Eine gute Nachricht: Das BBF Lyon war das einzige Pedelec im Testfeld, das in freihändiger Fahrt deutlich zum Rahmenflattern neigte. Große Unterschiede notierten wir bei den Bremsanlagen: Das Fischer ist mit hochwertigen hydraulischen Scheibenbremsen ausgerüstet, das Batavus und das BH mit V-Brakes, die für Pedelecs nur bedingt ­geeignet sind. Bei den anderen Bikes ist die bewährte hydraulische Magura-HS-11-Felgen­bremse verbaut, beim Pegasus eine mechanische Scheibenbremse. Einheitlicher präsentieren sich die Ausstattungen bei Schaltungen und Getriebenaben. Von Shimano findet man die mechanische Nexus-Nabe ebenso wie die Kettenschaltungen der Modellgruppen Sora, Tourney und Acera – alles einfache Getriebe, die im Neuzustand gut funktionieren und ihre Aufgabe erfüllen.

Ungleiches Paar: Testsieger Winora Manto (rechts) – und das BBF Lyon mit Schwächen in der Fahrstabilität.


Antriebe mit Schwächen


Ein differenziertes Bild ergibt sich beim Blick auf die ­Antriebe. Drei Modelle (Nopeus, BBF, Velo de Ville) sind mit dem bewährten Bosch-Active-System ausgestattet, das Winora beschleunigt mit dem ebenfalls guten TransX-M16-Mittelmotor. Alle anderen Räder treiben ­Nabenmotoren an, die Schwächen beim Ansprech- und ­Abschaltverhalten zeigen – mit einer Ausnahme: Beim neuen Hinterradnabenmotor von SR-Suntour am Pegasus sitzt der Drehmoment-Sensor im Zahnkranz-Körper und reagiert erstaunlich gut auf die Pedalbewegungen des Fahrers. Die Elektronik des Antriebs ist jedoch nur unzureichend gegen Feuchtigkeit geschützt. Der einzige Vorderradnabenmotor im Test – am Batavus – spricht gut und schnell an, schiebt aber lange nach, wenn man aufhört zu treten. Typisch für Vorderrad-Antriebe: Er schiebt eher sanft und eignet sich weniger für steile Anstiege. Und, sehr unpraktisch: Weil im Kabel zwischen Akku und Motor keine Steckverbindung eingebaut ist, muss das Rad bei einer Reifenpanne am Vorderrad in die Fachwerkstatt. Einen Reifen- oder Schlauch­wechsel kann man nicht mal eben selbst erledigen.


Günstig kann funktionieren


Insgesamt ergibt sich aus diesem Test ein interessantes und differenziertes Bild: Auf der einen Seite beweisen Hersteller wie Nopeus, Velo de Ville und Winora, dass man auch für wenig Geld Pedelecs mit sinnvoller und sicherer Ausrüstung auf den Markt bringen kann. Pedelecs wie das BH oder das Batavus zeigen den Sparzwang in dieser Preisklasse dagegen sehr deutlich.

Hin und weg: Guter Pedelec-Spaß muss nicht unbedingt teuer sein.


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    Testergebnis Fischer ETD 1722
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    Testergebnis Nopeus eTour 400 NB
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    Testergebnis Velo de Ville CEB 70
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    Testergebnis Winora Manto M7

Schlagwörter: Batavus BBF BH Fischer Nopeus Pedelec Pegasus Test Velo de Ville Winora


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