Test: Fazua-Antrieb

Doppelstrategie: Fahrrad und E-Bike in einem

Motorloses Fahrrad und Pedelec in einem, geht das? Der Evation-Antrieb des Münchner Start-up-Unternehmens Fazua macht mit einem Handgriff aus einem Fahrrad ein Pedelec – und umgekehrt

Uli Frieß am 14.12.2018
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Daniel Simon

Neu und interessant am Fazua-Antrieb ("Fazua" steht für den in bayerischem Dialekt verballhornten Ausruf "Fahr zu!") ist die Verbindung zweier Welten. Auf die Frage "Fahrrad oder E-Bike?" können die Erfinder lässig antworten: "Fahrrad und E-Bike. In einem!"

Ein Merkmal des Antriebs ist seine geringe Größe. Motor und Planetengetriebe mit Freilauf sowie der Akku sitzen in einer zylindrischen Hülse, die sich in einer Aussparung im Fahrradrahmen ebenso einfach einsetzen wie entnehmen lässt.

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Die zusammengesetzte Antriebseinheit, wie sie in den Rahmen eingesetzt wird

Merkmal Nummer zwei: Ein im Rahmen verbautes Innenlagergetriebe ohne Freilauf verbindet sich automatisch mit der Antriebseinheit und überträgt die Motorkraft aufs Kettenblatt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h koppelt der Sperrklinken-Freilauf des Planetengetriebes den Motor vom Antriebsstrang ab. Dann erzeugt er keinen zusätzlichen Widerstand beim Treten.
Wer zeitweise ganz auf den Antrieb verzichten möchte, kann die komplette Antriebseinheit ohne Werkzeug aus dem Unterrohr entnehmen. Aus dem Pedelec wird dann ein normales Rad. Das im Rahmen verbleibende Innenlagergetriebe setzt der Pedalkraft keinen nennenswerten Widerstand entgegen, ein Testlauf auf unserem Prüfstand bestätigt das. Auch in eingebautem Zustand bremst der Motor kaum messbar, nachdem er oberhalb von 25 km/h seinen Betrieb eingestellt hat.

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Das fix im Tretlager verbaute Innenlagergetriebe überträgt die Motorkraft aufs Kettenblatt 

Mit diesen Eigenschaften ist der kleine, leichte Antrieb besonders für sportliche Radler geeignet, die mit ihrem Fahrrad zumindest auf flachen Strecken die 25-km/h-Schwelle häufiger überschreiten und mehr oder weniger nur am Berg beim Treten unterstützt werden wollen.
Dazu passt, dass der Antrieb deutlich weniger Power hat als die klassischen Pedelec-Motoren von  Bosch und Co. – doch gerade dies, in Verbindung mit dem Getriebe und der Motorsteuerung, ergibt ein sehr natürliches Fahrgefühl. Auf den Pedaldruck reagiert der Antrieb sensibel und weich, er überrascht den Fahrer auch in der höchsten Unterstützungsstufe nicht mit ungestümem Vorwärtsdrang. Bei Druck aufs Pedal springt er ebenso minimal zeitverzögert an, wie er abschaltet, wenn der Radler zu treten aufhört. Lediglich beim Anfahren am Berg könnte der Motor etwas spontaner einsetzen. Werden 25 km/h überschritten, nimmt der Antrieb kontinuierlich die Leistung zurück, um bei etwa 27 km/h ganz abzustellen. Getriebefreilauf, sanftes Abschalten und die höhere Tretleistung, die der Fahrer schon vor dem Erreichen der Abschaltgrenze investieren muss, führen zu einem weichen Übergang ins motorlose Pedalieren.

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Radfahrer, die aus eigener Kraft auch mal schneller als 25 km/h fahren können und wollen, finden im Fazua-Antrieb eine interessante Alternative. Dass er so leicht und klein ist, prädestiniert den Motor dafür, ihn in schlanke, sportlich designte Räder einzubauen. Rennradhersteller wie Cube, Focus und Pinarello setzen nicht ohne Grund auf das System. Und wer ein Pedelec sucht, das mit einem Handgriff zum motorlosen Fahrrad wird, kommt derzeit um den Evation-Antrieb nicht herum. 


Der komplette Artikel stand in MYBIKE-Ausgabe 3/2018. Sie können die Ausgabe in der MYBIKE-App (iTunes und Google Play) laden oder im DK-Shop bestellen.

MYBIKE 03-2018 Titel

Uli Frieß am 14.12.2018

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