Test: E-Bikes

Touren-Pedelecs der Trekkingbike-Marken

E-Bikes machen selbst hügelige Touren-Profile zum Genuss-Parcours. Oder sie bringen Tourenradler unterschiedlicher Leistungsklassen gemeinsam ins Rollen. Wir haben 10 Räder zum Stromern von unseren Kernmarken zum Test geladen.

Jochen Donner am 11.06.2014
DS140321_0024
Daniel Simon

Noch immer ist die Radler-Gemeinde tief gespalten: „E-Bikes haben in TREKKINGBIKE nichts zu suchen“, erreichte uns das knappe Postulat eines eingefleischten Radfahrers. Andere Leserbrief-Schreiber dagegen bedanken sich für Tests und Infos zum E-Thema. Sie kommen per E-Bike erstmals oder endlich wieder zusammen zum Radfahren. Dabei steigen die Verkaufszahlen der Zweiräder mit Zusatzschub stetig steil an: Gut 380.000 E-Bikes wurden 2012 verkauft, laut den Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands ZIV existierten 2012 bereits 1,3 Millionen Pedelecs in deutschen Haushalten. Noch immer gilt jedoch Selbsterfahrung, klassisches Ausprobieren, als beste Basis für eine fundierte, persönliche Entscheidung pro oder contra Pedelec. Das Potenzial dieser Fahrrad-Gattung ist jedenfalls riesig.

Fotostrecke: Die Touren-E-Bikes im Test

Unter dem Aspekt „Touren-Fahren“ haben wir ein Testfeld von Herstellern zusammengestellt, die ihre Kompetenz in Sachen Trekking- und Tourenfahrrad erworben haben: Dazu zählen vorrangig Diamant, Koga, Riese & Müller, Simplon, Stevens, Utopia und Velotraum. Haibike wiederum spezialisiert sich als innovative Pedelec-Marke stark auf den Tourensektor. Merida entdeckt den Pedelec-Markt ebenfalls als eigenes Standbein neben ihrer ausgeprägten Fokussierung auf Racebikes. Bulls drängt als ZEG-Marke stark auf den Markt der Qualitätsräder. Diamant und Koga sammeln schon seit Anfang der Entwicklung Erfahrungen mit elektrifizierten Bikes. Und wer hätte noch vor ein, zwei Jahren gewagt, einen elektrischen Velotraum zu träumen? Die gesamte Entwicklung kennt nur eine Richtung: mit Macht voran!
Als Antrieb stehen Systeme zur Auswahl, die zumindest am Hinterrad die breite Gangabstufung einer klassischen Kettenschaltung erlauben. Die einzige Ausnahme, Utopia mit einer weniger tourentauglichen Nexus8-Nabenschaltung, war der Verfügbarkeit geschuldet. Zudem hätte die Alternative Rohloff den Preisrahmen arg strapaziert. Ein Mittelmotor zweiter Generation von Bosch kommt bei gleich vier Testkandidaten zum Einsatz. Hier ist die Übersetzung an der Kurbel beschränkt auf ein Einzelblatt. Bosch verwendet extrem kleine Kettenblätter zwischen 15 und 19 Zähnen. Das ist einerseits der Optik geschuldet, aber auch den Übersetzungsverhältnissen des internen Getriebes im Motorblock. Zwei Nachteile bringt das mit sich: Die gesamte, übersetzte Zugkraft des Antriebs wird von nur wenigen Kettengliedern ans Hinterrad übertragen. Dies längt die Kettenglieder und verschleißt die Zähne des Kettenblatts sehr viel schneller. Penible Kettenpflege und intensives Ölen sind hier also besonders wichtig. Zudem entwickelt der Bosch-Motor eine wahrnehmbare Geräuschkulisse. Wie eine niedrig drehende Bohrmaschine des Hauses klingt es, je nach Drehzahl etwas höher oder tiefer, sobald der Motor ins Fahrgeschehen eingreift. Daran kann man sich gewöhnen, man muss es aber nicht schön finden.
Daher weckt der Neodrives-Antrieb des süddeutschen Herstellers Alber umso mehr Aufmerksamkeit: Alber hat langjähriges Know-how mit elektrischen Rollstuhl-Antrieben gesammelt. Das Neodrives-Bike-System verwendet einen bürstenlosen Nabenmotor, der viel Kraft auf harmonische Art an die Radachse bringt, einen großen Akku und eine ausgefeilte Steuerelektronik mit vielen Wahlmöglichkeiten für den Nutzer. Auch BionX, eine Entwicklung, die auf den Automotive-Konzern Magma zurückgeht, und Kogas ION, ein Motorkonzept der Accell-Holding, arbeiten nach dem Direktantriebs-Prinzip. Diese Motoren arbeiten ohne Getriebe und daher völlig lautlos. Ihre Kraft bringen sie jedoch nur innerhalb eines bestimmten Drehzahlbereichs optimal ins Laufrad. Dafür ist der Fahrer verantwortlich. Der 1:1 übersetzte Nabenmotor arbeitet bei sehr langsam drehendem Hinterrad ineffizienter als der Getriebe-übersetzte Mittelmotor. Das belegt auch: Ein E-Bike ist nichts für Tretfaule.

Ob man Elektro-Schub nun mag oder nicht: Die meis­ten E-Bikes des Jahrgangs 2014 haben an Sensibilität, Bedienkomfort und Fahrsicherheit gegenüber den Vorjahren deutlich zugelegt. Tourenfahrer dürfen sich über eine inzwischen riesige Modellvielfalt freuen: Von sportlich bis gemütlich reicht die Auswahl. Für jeden Fahrstil lässt sich ein passendes Pedelec finden. Noch immer spielen die Gewichtsverteilung im Rad und die Stabilität mit Gepäckzuladung die größte Rolle für ein möglichst harmonisches Fahrverhalten. Darauf haben wir das Hauptaugenmerk gelegt.

Den Artikel aus Ausgabe 3/2014 in voller Länge erhalten Sie als gratis PDF-Download. 

Downloads


(für Print-Jahresabonnenten kostenlos)
Jochen Donner am 11.06.2014

Das könnte Sie auch interessieren


Anzeige