Ergonomie-Spezial: So vermeiden Sie Schmerzen

Einheit von Fahrrad und Mensch

Sind Sie Reiseradfahrer, Alltagspedalierer oder Rennfahrer? Egal! Jeder Typus sollte richtig auf dem Rad sitzen, um unterwegs den größtmöglichen Fahrspaß zu erleben.

Angelika Urbach, Alicia Zeller am 08.01.2018
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Daniel Simon

Radfahren ist anstrengend. Es bringt uns zum Schwitzen und verursacht Muskelkater. Stärkere Beschwerden sollten beim Pedalieren jedoch nicht auftreten. „Eingeschlafene Füße und Finger, ein schmerzender Rücken oder Sitzbeschwerden gehören definitiv nicht zum besten Fortbewegungsmittel der Welt“, betont die Berliner Ergonomie-Expertin Regina Marunde. In ihren Beratungen bringt die Osteopathin, Physiotherapeutin und ehemalige Profi-Bikerin Wissen aus diesen Disziplinen zusammen.

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Regina Marunde bietet Ergonomie-Beratungen für Radfahrer an. www.regina-marunde.de

Aus ihrer jahrelangen Praxis weiß sie: Die häufigsten Ursachen für schmerzhafte Touren-Beschwerden sind ein muskuläres Ungleichgewicht des Radfahrers – oder ein unpassendes Rad. Manchmal auch beides zusammen. In jedem Fall sei es besonders wichtig, die anatomischen und physiologischen Gegebenheiten des Körpers beim Einstellen der individuellen Sitzposition zu berücksichtigen, so Regina Marunde. Tipps dazu finden Sie auf der nächsten Seite.

Kleine Geschichte der Ergonomie

"Ergonomie ist ein wissenschaftlicher Ansatz, damit wir aus diesem Leben die besten Früchte bei der geringsten Anstrengung mit höchster Befriedigung für das eigene und das allgemeine Wohl ziehen." Wojciech Jastrzebowski, 1857

Wojciech Jastrzebowski gilt als einer der Urväter der Ergonomie. In einem Artikel für die Zeitschrift "Natur und Technik" formulierte der polnische Erfinder und Wissenschaftler im Jahr 1857 die oben stehende, frühe Definition von Ergonomie als "Gesetz für die Arbeit". Darin wurden die altgriechischen Wörter "ergon" (= Arbeit) und "nomos" (= Regel, Gesetz) zu dem neuen Begriff "Ergonomie" zusammengefügt.

Verbreitung fand die Wissenschaft knapp 100 Jahre später: Ab den 1950ern entstanden Fachgesellschaften, die Beziehung von Mensch und Arbeit wurde untersucht.

Gegenwärtig erhält Ergonomie im Sport immer größere Bedeutung. Für Radfahrer ist das Thema von besonderem Interesse, weil der Bewegungsablauf und die Haltung des Radfahrers auf dem Sportgerät komplett durch die Maschine bzw. die Kontaktpunkte zwischen Mensch und Rad bestimmt werden.

Das Thema Ergonomie am Rad verleiht der Branche seit einigen Jahren immer wieder neue Impulse. Experten und Hersteller von Ergonomie-Produkten versuchen die „Arbeitsbedingungen“ am Rad zu verbessern, damit der Körper eine optimale Leistung erbringen kann. Dazu bleiben ihnen lediglich drei Faktoren als Stellschrauben: die Beschaffenheit von Lenker/Griff, Sattel und Pedalen – sowie die Lage dieser drei Mensch-Maschine-Kontakte zueinander.

An einem in Höhe und Länge passenden Fahrradrahmen lässt sich die Sitzposition nach den Bedürfnissen des Radfahrers leicht einstellen. Grundsätzlich gilt: Die Höhe und Position des Sattels bestimmen die Effektivität der Beinarbeit zugunsten des Vortriebs; der Abstand und der Höhenunterschied von Lenker und Sattel beeinflussen den Grad der Haltearbeit des Rückens und damit auch die Belastung von Schultern und Händen. Eine Step-by-Step-Anleitung zum Einstellen Ihrer Wohlfühl-Haltung auf dem Rad finden Sie nach dem Umblättern.

Stellen sich anschließend bei der nächsten Tour trotzdem noch Beschwerden ein? Dann lohnt sich Millimeter-Tuning am Rad und/oder die Investition in Ergonomie-Teile. Nur Mut! „Bereits kleine Veränderungen am Rad oder ein Wandel der individuellen Bewegungsmuster können ein völlig neues Fahrgefühl bescheren“, verspricht Regina Marunde.

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Angelika Urbach, Alicia Zeller am 08.01.2018

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