Gesundheit: Faszientraining für Radfahrer

Training mit der Faszienrolle

  • Angelika Urbach

Neben klassischem Dehnen setzen immer mehr Sportler auf Faszienübungen. Simple Mode oder künftiges Pflichtprogramm für Radfahrer?

Wer ein Filetstück vor dessen Zubereitung näher betrachtet, entdeckt eine milchig-weiße Hülle auf dem Fleisch: die Faszien. Im menschlichen Körper bilden sie eine reißfeste und elastische Hülle um Muskeln und Organe. Neben den Häutchen zählen zum Faszienapparat auch die Bänder und Sehnen unseres Körpers. Zusammen verbinden sie den gesamten Organismus und geben ihm Halt – von der Sohle bis zum Scheitel.
Noch vor wenigen Jahren betrachteten Mediziner die Faszien als weitgehend funktionsloses Bindegewebe. "Bei Operationen wurden sie üblicherweise durchtrennt, um an darunter liegende Bereiche zu gelangen", beschreibt der Trainer und Diplomsportlehrer Markus Roßmann von der "Fascial Fitness Association" mit Sitz in Augsburg. Diese Praxis änderte sich mit der Entwicklung hochauflösender Ultraschallgeräte. Sie machten das Fasziengewebe sichtbar und messbar. Seitdem gewinnen Wissenschaftler immer neue Erkenntnisse.
Zum Beispiel über die Rolle der Faszien beim Schmerzempfinden. "Faszien enthalten viel mehr Schmerzrezeptoren als Muskeln", sagt Roßmann. Diese Tatsache legt eine neue Interpretation der Schmerzen beim Muskelkater nahe und lässt Mediziner über neue Therapieformen bei Rückenbeschwerden und Schmerzkrankheiten nachdenken. Andere Forschungen, zum Beispiel über den Einfluss der Faszien auf Leistungsfähigkeit und Regeneration, stehen dagegen noch am Anfang.

Gymnastik-Übungen zur Faszienpflege sowie die Selbstmassage mit Schaumstoffrollen oder -bällen haben bereits heute Fitnessclubs und Sportkreise erobert. Freizeitsportler bearbeiten ihr Bindegewebe, um Verhärtungen und Verklebungen der Faszien zu lösen und dadurch individuelle Schmerzpunkte z.B. im Rücken oder an Sehnenansätzen zu lindern. Viele von ihnen berichten begeistert von Erfolgen. Können auch Radfahrer vom Faszientraining profitieren?

Rücken ausrollen

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Faszien und Radfahren
"Im Vergleich zum Laufsport fällt der leistungssteigernde Nutzen für Radfahrer nach derzeitigem Wissen gering aus", urteilt Markus Roßmann. Denn: Läufer nutzen bei jedem Schritt einen Katapulteffekt zwischen Archillessehnen und Wadenmuskeln und können diesen durch Faszien-Übungen gezielt verbessern. Für den Bewegungsablauf auf dem Rad spielt dieser Effekt allerdings keine Rolle. Dennoch verspricht Roßmann mit Blick aufs Pedalieren: "Radfahrer mit elastischen Faszien werden große Distanzen länger ermüdungsfrei treten können. Nach der Tour wird der Muskelkater geringer ausfallen."
Was passiert beim Radfahren mit den Faszien? "Der mechanische Druck der konstanten Muskelbeanspruchung presst Nährflüssigkeit aus dem faszialen Gewebe", beschreibt Roßmann. Dadurch verringert sich die Gleitfähigkeit zwischen den Muskelbündeln und die Reibung steigt. Folge: Die Muskeln müssen bei gleichem Tempo mehr arbeiten und ermüden schneller.


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Schlagwörter: Faszientraining Radfahrer

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