Test 2017: Zündapp Green 4.0

Gurke oder Schnäppchen: Zündapp Green 4.0 im Test

Unsere Recherche bei verschiedenen Discountern zeigte bereits: Beratung und Service sind so eine Sache ... Und wie schneiden die günstigen ­Pedelecs ab, wenn man sie unter die Lupe nimmt? Ein Testkauf bei Real bringt Klarheit.

Uli Frieß am 31.03.2017
Test 2017: Zündapp Green 4.0
DanIel Simon

Zündapp Green 4.0

Die Firma Zündapp stand jahrzehntelang für hochwertige Mopeds, Mofas, Motorräder. 1984 ging das Unternehmen in Konkurs, und es wurde still um die Marke. Nun taucht Zündapp in Discountmärkten mit Pedelecs wieder auf. Nicht als Produzent, sondern als Marke eines Massenherstellers, gefertigt werden die ­Räder von Prophete. Dass es sich hier um Massenware handelt, zeigt bereits die Ausrüstung des von uns erworbenen ­Modells Green 4.0: Trio-Hinterrad­naben­motor aus Fernost, Shimanos einfache Altus-Kettenschaltung, Promax-V-Brakes, günstige Federgabel von SR Suntour. Immerhin stammt der Akku vom Markenhersteller Samsung. Das belegt: Nur über Masse und mit sehr günstigen Komponenten kann ein Hersteller Pedelecs produzieren, die auch zum Ladenpreis von 900 Euro noch Gewinn bringen.

Gut bis mangelhaft

Positiv fällt der sorgfältig verarbeitete Alu-Damenrahmen auf: saubere Schweißnähte, Verstärkungsblech zwischen Steuerrohr und Unterrohr, angeschweißte Führungshülsen für Kabel und Züge und schön verschweißte Aufnahmebuchsen für Bremsen und Gepäckträger; manch hochpreisiges Markenrad sieht nicht anders aus. Selbst die Lackierung ist einwandfrei und dürfte viele Jahre Freude bereiten.

Ein anderes Bild vermitteln Ausrüstung und Anbauteile aus der Low-Budget-Kiste; Schaltung und Bremsen funktionierten bei unseren Testfahrten aber zufrieden­stellend. Im ­Vergleich zu höherwertigen Kettenschaltungen arbeitet die Altus-Gruppe von Shimano zwar etwas hakelig, die Gänge rasten aber ausreichend exakt ein. V-Brakes sind aus unserer Sicht an schweren Pedelecs nicht erste Wahl, bei guter Wartung und penibler Einstellung aber ausreichend sicher. Echte Schwächen zeigt die Federgabel: Sie arbeitet hart und unsensibel; eine gute Starrgabel brächte mehr Komfort und wäre leichter. Ähnliches gilt für die Teleskopsattelstütze: Mal schluckt sie Fahrbahnschläge unsensibel, manchmal gar nicht. Die 42 Millimeter breiten Reifen verbessern den Komfort auch nur minimal. Selbst der Lenker bietet Anlass zu Kritik: Der linke Lenkergriff steht deutlich tiefer als der rechte. Spuren eines Transportschadens sind nicht zu erkennen, die asymmetrische Biegelinie des Lenkers ist also wahrscheinlich ein Produktionsfehler. Die Bremshebel quietschen schon im Neuzustand. Der stabile und winkelverstellbare Vorbau macht hingegen einen guten Eindruck. Auch die vom Akku gespeiste Beleuchtungs­anlage ist okay. Die Kabelschuhe der Steckverbindungen an Vorder- und Rücklicht liegen allerdings außerhalb der Lampengehäuse und sind mit offenen Kunststoffhülsen nur mini­mal gegen Spritzwasser geschützt.

Test 2017: Zündapp Green 4.0

Zündapp Green 4.0: Steuerzentrale – Einfach aber ausreichend, mit ­wenigen, aber allen wichtigen Infos und intuitiver Bedienung

Lust und Frust

So gut gemacht der Rahmen auf den ersten Bick wirkt: Auf dem Prüfstand konnten wir nur eine sehr geringe Steifigkeit messen. Zusammen mit der hecklastigen Gewichtsverteilung durch den Hinterradnabenmtor führt das beim Fahren zu Rahmenflattern, wenn man beide Hände vom Lenker nimmt. Ab etwa 20 km/h schwingt sich die Front durch Fahrbahn­unebenheiten von alleine auf. Bleiben die Hände am Lenker, läuft das Zündapp aber stabil geradeaus. Auch schnellere Kurven nimmt man sicher und mit wenig Kraftaufwand beim Einlenken. Nicht mehr zeitgemäß – und gewöhnungsbedürftig – ist die Steuerung des Trio-Antriebs. Sie reagiert lediglich auf Kurbelbewegungen und schaltet den Motor zu, sobald und solange man in die Pedale tritt. Die Motorleistung ist von der Tretkraft unabhängig und lässt sich nur durch die Wahl der Unterstützungsstufe beeinflussen. Da die vier Stufen stark differenziert sind, kann man den Schub immerhin ­einigermaßen anpassen. Gut gelungen ist aber das reduzierte Bedieninstrument am linken Lenkergriff. Zwar lassen sich nur Akkuladestand und Unterstützungsstufe ablesen, die Bedienung ist jedoch einfach und intuitiv.

Den Sparzwang in dieser Preisklasse zeigt das Zündapp deutlich. Die Ausrüstung besteht größtenteils aus günstig produzierter Massenware, der optisch schöne Rahmen offenbart deutliche Schwächen im Detail. Wer auf Qualität und Langlebigkeit Wert legt und eine sensible, gut einstellbare Motorunterstützung fürs Radfahren möchte, muss deutlich mehr Geld ausgeben.

Test 2017: Zündapp Green 4.0

Zündapp Green 4.0: Ungeschützt – Offene Kunststoffhülsen begünstigen Korrosion. Schrumpfschläuche wären eine bessere und ebenfalls kostengünstige Lösung.


ZÜNDAPP Green 4.0

Rahmen   Alu
Schaltung   Shimano Altus, 42-34-24; 7-fach, 18-24
Bremsen   V-Brake, Promax
Antrieb/Akku  Trio HR-Nabe / 363 Wh
Gewicht   23,6 kg
Preis   900 Euro
Info   www.real.de

PLUS   Verarbeitung Rahmen, Bedieninstrument
MINUS   Rahmensteifigkeit, asymmetrischer Lenker, sehr einfache Ausrüstung


Der komplette Artikel stand in E-BIKE Ausgabe 1/2017. Sie können die Ausgabe in der MYBIKE-App (iTunes  und Google Play) laden oder im DK-Shop  bestellen. 


Uli Frieß am 31.03.2017