Smarte Funktionen am Fahrradhelm5 smarte Helme im MYBIKE-Test

Armin Herb

 · 30.12.2022

Smarte Funktionen am Fahrradhelm: 5 smarte Helme im MYBIKE-TestFoto: Daniel Simon

Von Blink- und Bremslichtern über Telefonie bis zur Sprachnavigation – Ein Smarthelm fürs Fahrrad bietet eine Menge Funktionen. MYBIKE hat fünf smarte Fahrradhelme getestet und mit Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC, darüber gesprochen.

Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen, kurz BASt zeigte, dass 2020, dass immer mehr Radfahrende zum Fahrradhelm greifen. Über alle Altersgruppen hinweg sind es 26 Prozent, also gerade einmal rund ein Viertel der Radelnden. Warum sind das nur relativ wenige? Braucht der Kopf nicht einen besonderen Schutz? Das fragt sich nicht nur die Deutsche Verkehrswacht angesichts der Tatsache, dass rund 91 Prozent der Deutschen ihr Handy mit einer mehr oder weniger stabilen Hülle schützen. Vielleicht verspricht ein Fahrradhelm zu wenig Sicherheit, oder er ist einfach uncool und unbequem? Dabei hat der Fahrradhelm längst seinen Weg gefunden vom reinen Kopfschutz hin zum schicken Accessoire. Fast für jeden Typ oder Stil gibt es heute den passenden Helm.

Neue Elektronik am Helm

Und insbesondere für Stadtradler, E-Biker und Digital Natives werden Fahrradhelme heute auch mit Elektronik vollgepackt. Ein Smarthelm findet seine Zielgruppe, vor allem, wenn man damit beim Radeln telefonieren oder der Sprachnavigation folgen kann, ohne die Hände vom Lenker zu nehmen. Sicherheitsorientierte Radfahrer freuen sich über helle LED-Lichter, die zusätzlich eine Blink- und Bremslichtfunktion haben können. Allerdings lassen sich alle diese Funktionen nur anwenden, wenn die Akkus geladen sind. Und das muss je nach Nutzungsintensität täglich erfolgen.

Außerdem haben technische Innovationen nicht nur positive Aspekte. Die Überfrachtung mit Elektronik am Kopf kann gerade in puncto Sicherheit leider auch ins Gegenteil umschlagen. Nicht nur der ADFC befürchtet, dass insbesondere im Stadtverkehr das Telefonieren und eine Musikberieselung den Radfahrer zu sehr ablenken und dadurch die Unfallgefahr zunimmt. Außerdem würden sich viele Radfahrer zu sehr auf die Lichter am Helm verlassen, die jedoch keineswegs eine gute Beleuchtung am Fahrrad und die Handzeichen für Richtungswechsel ersetzen.

Wir haben fünf Smarthelm-Modelle ausprobiert. Vier davon haben uns „schwer“ beeindruckt. Wobei sich schwer insbesondere auf das hohe Gewicht bezieht. Die zusätzliche Elektronik bringt doch eine Menge zusätzliche Gramm auf die Waage. Und das bedeutet vor allem für sportliche Tourenradler und Pendler ein Minus an Tragekomfort. In puncto Sicherheit erfüllen jedoch alle Helme die verpflichtende Euronorm EN 1078.

Kein Smarthelm ohne App

Ein moderner Smarthelm für Radfahrer kann seine vielen Funktionen nur mithilfe des Smartphones oder einer Smartwatch bieten. Je nach Helmmarke lädt man sich die kostenlose App aus dem App- bzw. Google-Play-Store und verbindet per Bluetooth das Handy mit dem Fahrradhelm. Je nach Ausstattung ermöglicht die App dann, dass der Helm blinkt, das Bremslicht aufleuchtet, dass man Musik hören, telefonieren oder der Sprachnavigation folgen kann.

Was können die unterschiedlichen Smarthelm-Modelle?

Übersicht der Funktionen der 5 Smarthelm-Modelle. Foto: MYBIKE
Übersicht der Funktionen der 5 Smarthelm-Modelle.

Cratoni Smartride - der teuerste Helm im Test

Der Cratoni Smartride Foto: Daniel Simon
Der Cratoni Smartride

Die Optik des Cratoni Smartride*, des teuersten Smarthelms in der Auswahl, erinnert mit seiner Form und dem ansteckbaren Visier etwas an einen Motorradhelm. Kein Wunder, denn er hat auch die Zulassung für die schnellen S-Pedelecs, die als Kraftrad eingestuft sind und für die Helmpflicht besteht. Die S-Pedelec-Norm setzt eine größere Stabilität und Bruchsicherheit als gewöhnliche Fahrradhelme voraus. Die Helmschale ist weit in den Nacken gezogen und bietet einen guten, wertigen Rundumschutz. Das aufsteckbare Visier lässt sich auch für Brillenträger anpassen, allerdings ein bisschen hakelig. Wenn es unter dem ziemlich schweren Smarthelm zu warm wird – was durchaus vorkommt –, kann man sich oben mehr Luft verschaffen mittels eines Schiebereglers. Beleuchtung und Blinker können über die Fernbedienung am Lenker eingeschaltet werden. Diese muss jedoch zuerst per Cratoni-App und Bluetooth mit dem Helm verbunden sein.

Über die App und einen Crash-Sensor kann im Notfall eine Nachricht mit den Koordinaten des Fahrers an einen zuvor eingetragenen Notfallkontakt gesendet werden. Die App zeichnet zudem die persönlichen Tourendaten auf und stellt einen Kontakt zur individuellen Musiksammlung auf dem Smartphone her, sodass man sich unterwegs mit Musik berieseln lassen kann. Fahren in einer Gruppe mehrere Radler mit dem Cratoni Smartride, können sich diese über eine Walkie-Talkie-Funktion verständigen, falls sie nicht allzu weit auseinander radeln.

Praktisch ist das abnehmbare Visier, das sich auch für Brillen-träger einstellen lässt. Foto: Daniel Simon
Praktisch ist das abnehmbare Visier, das sich auch für Brillen-träger einstellen lässt.

Details zum Smarthelm

  • Preis: 349,95 Euro >> hier erhältlich*
  • Gewicht: 560 Gramm
  • Größen: S/M 54 – 58 cm, M/L 58 – 61 cm
  • Features/Ausstattung: Helmbeutel, abnehmbares Visier (für Brillenträger geeignet), regulierbare Lüftungsöffnung, reflektierendes Gurtband, LED-Blinker, Rücklicht, Micro-USB-Ladekabel, Fernbedienung für Lenker, Cratoni-App, Unfall-Sensor mit SOS-Notruf, integriertes Mikrofon und Lautsprecher, Walkie-Talkie-Funktion

Vor- und Nachteile

  • Plus: Gute Verarbeitung, gut sichtbare Rück- und Blinklichter, regulierbare Belüftung, aufsteckbares Visier, für S-Pedelecs zugelassen
  • Minus: Sehr schwer, teuer

Fazit zum Smarthelm von Cratoni

Ein kostspieliger, überaus schwerer, aber robuster Helm für technikaffine E-Biker und S-Pedelec-Fahrer.

Livall BH51 M Neo - integrierte Lautsprecher und Mikrofon

Der Livall BH51 M Neo Foto: Daniel Simon
Der Livall BH51 M Neo

Der Livall BH51 M Neo* zählt eher zu den Schwergewichten unter den Fahrradhelmen und wiegt rund das Doppelte eines guten Rennradhelmes. Fast ein Pfund Gewicht auf dem Kopf empfinden viele Radfahrer inklusive E-Biker höchstens auf Kurzstrecken noch als angenehm, auch wenn der Smarthelm noch so schick und modern aussieht. Dafür kann dieses Modell mehr mit seinen Funktionen punkten: Zum Beispiel LED-Beleuchtung vorne und hinten mit Blinker. Das Rücklicht leuchtet aufgrund eines Geschwindigkeits-Sensors beim Bremsvorgang auf. Mittels Bluetooth und integrierter Lautsprecher sowie Mikrofon kann man beim Radeln telefonieren und Musik hören bei mittelmäßiger Tonqualität. Bei einem Sturz wird eine SMS an einen Notfallkontakt gesendet. Und wenn ein Mitradler auch einen Livall-Helm trägt, kann man mit ihm per Gegensprechfunktion kommunizieren, falls er nicht weiter als rund 500 Meter entfernt ist.

Um die erweiterten Funktionen des BH51 M Neo nutzen zu können, müssen Helm, Fernbedienung und App miteinander gekoppelt werden. Soll der Smarthelm nur blinken, sind Smartphone und App nicht nötig, das funktioniert auch über die Fernbedienung am Lenker. Die Ladezeit des Helmakkus per Magnet-USB-Kabel beträgt zwei Stunden, die aktive Betriebszeit bis zu zehn Stunden. Die Knopfbatterie für die Fernbedienung soll bis zu zwei Jahre halten. Wer sich nur für Beleuchtung und Blinkfunktion sowie Sturz-Sensor interessiert, für den genügt das 40 Euro günstigere Modell Livall BH51 T Neo – gleiche Schale, weniger Elektronik.

Der Livall BH51 M Neo hat nicht nur hinten am Helm eine Beleuchtung, sondern auch vorne. Foto: Daniel Simon
Der Livall BH51 M Neo hat nicht nur hinten am Helm eine Beleuchtung, sondern auch vorne.

Details zum Smarthelm

  • Preis: 169,99 Euro >> hier erhältlich*
  • Gewicht: 480 Gramm (L)
  • Größen: M 54 – 58 cm, L 57 – 61 cm
  • Features/Ausstattung: Rücklicht, LED-Licht vorne, Bremslicht, Blinker mit Pieps-Ton, Fernbedienung inklusive Knopfbatterie für Lenker, Magnet-USB-Ladekabel, Livall-Riding-App, Lautsprecher, Mikrofon, Sturz-Sensor mit SOS-Alarm-System, Dunkelheits-Sensor, Walkie-Talkie-Funktion

Vor- und Nachteile

  • Plus: Gut sichtbare Lichter und Blinker
  • Minus: Sehr schwer, Belüftung, spezielles USB-Ladekabel, App

Fazit zum Smarthelm von Livall

Gewichtiger Smart-Helm in urbanem Design. Pluspunkte sind die Lichtausstattung und Blinkfunktion.

Livall BH60 SE - Smarthelm auch für längere Touren

Der Livall BH60 SE Foto: Daniel Simon
Der Livall BH60 SE

Der Livall BH60 SE* sieht nicht nur aus wie ein klassischer Tourenhelm; mit seinen 310 Gramm liegt er im Gegensatz zu anderen Smart-Modellen auch in einer komfortablen Gewichtsklasse. Leider nicht auf der Höhe der Zeit ist die Größenauswahl. Mit einer Einheitsgröße für Kopfumfänge von 55 bis ­61 Zentimetern ist die Auswahl etwas eingeschränkt, trotzdem bietet das Modell für gängige Kopfgrößen eine bequeme Passform. Die Sicherheit der Helmschale ist mit der Euronorm EN 1078 bestätigt. Weitere Sicherheits-Funktionen sind die acht LED-Rücklichter und je drei Blinklichter, die über eine per Gummiband leicht zu installierende Fernbedienung am Lenker bedient werden.

Zum weiteren technischen Innenleben zählen zwei Lautsprecher und ein Mikrofon. Wird der Smarthelm per Livall-Riding-App mit einem Smartphone gekoppelt, kann man damit Telefongespräche empfangen, Musik hören oder den Sprachansagen einer Navi-App folgen. Und das funktioniert sogar relativ gut, wobei die Lautsprecher am Helm so angebracht sind, dass der Nutzer auch die Umgebungsgeräusche noch gut mitbekommt. Bei lautem Verkehrslärm stößt die Verständigung per ­Telefon jedoch an ihre Grenzen. Interessant für die Sicherheit des Radfahrers ist der Sturzsensor im Helm. Bei einem Aufprall verständigt dieser den eingetragenen Notfallkontakt, allerdings nur, wenn sich der Radler nicht in einem Funkloch befindet. Das Laden der Akkus dauert rund zwei Stunden, die Laufzeit beträgt acht bis zehn Stunden. Diese kann sich jedoch halbieren, wenn jemand viel Musik hört und oft mit Licht fährt.

Die Bedienung der Funktionen erfolgt über Tasten am Helm oder über die Schalter am Lenker. Foto: Daniel Simon
Die Bedienung der Funktionen erfolgt über Tasten am Helm oder über die Schalter am Lenker.

Details zum Smarthelm

  • Preis: 139,99 Euro >> hier erhältlich*
  • Gewicht: 310 Gramm
  • Größen: 55 – 61 cm (One Size)
  • Features/Ausstattung: Fernbedienung für den Lenker, USB-Kabel, Livall-Riding-App, 14 LED-Rücklichter in unterschiedlichen Farben, 3 Blinklichter je Seite, integriertes Mi­kro­fon und Lautsprecher

Vor- und Nachteile

  • Plus: Vergleichsweise leicht und preiswert, gute Headset-Verbindung, Belüftung
  • Minus: Nur eine Einheitsgröße, kryptische App

Fazit zum Smarthelm von Livall

Smarter Einsteigerhelm mit gutem Tragekomfort zum relativ günstigen Preis. Durch das geringe Gewicht ist der Livall BH60 SE auch für längere Touren geeignet. MYBIKE-Tipp: Preis/Leistung

Lumos Kickstart - hier ist der Name Programm

Der Lumos Kickstart Foto: Daniel Simon
Der Lumos Kickstart

In Form und Design ähnelt der Lumos Kickstart* auf den ersten Blick durchaus einem klassischen Fahrradhelm. Auf den zweiten Blick fallen dann an der Front und am Heck die Leisten bzw. Flächen mit LED-Lichtern auf. Vorne sind zehn weiße LEDs eingelassen, hinten sind es jeweils elf LEDs links und rechts. In puncto Gewicht macht sich beim Lumos Kickstart dann doch die zusätzliche Technik im Inneren bemerkbar. Mit 380 Gramm wiegt er immerhin rund 80 bis 100 Gramm mehr als ein gewöhnlicher Tourenhelm ohne Elektronik in der Schale, was sich aber nur bei längerem Tragen als unangenehm am Kopf herausstellt. Der Blinker lässt sich über große Tasten an einer Bluetooth-Fernbedienung am Lenker betätigen. Die Fernbedienung ist mithilfe von Gummiringen schnell zu befestigen, ist aber deshalb auch nicht diebstahlsicher. Bei eingeschaltetem Blinker ist zudem ein akustisches Signal hörbar, und der Lenkerschalter blinkt mit. Außerdem blinken die Front-LEDs in der Fahrtrichtung.

Geladen werden die Fernbedienung wie auch der Smarthelm in rund zwei Stunden mittels eines speziellen USB-Kabels mit Magnet-Anschluss. Die Akkulaufzeit bei voller Helmbeleuchtung beträgt etwa drei Stunden, in einem der drei Blink-Modi bis zu doppelt so lange. Richtig smart wird der Lumos Kickstart mithilfe der Lumos-App (IOS und Android). Damit werden vor allem die Geschwindigkeits-Sensoren im Helm aktiviert. Das heißt, beim Bremsen leuchtet das rote Rücklicht als Bremslicht auf. Außerdem zeigt die App den Ladestand des Helmakkus, und über die Auto-Ride-Tracking-Funktion werden Daten zu Aktivitäten gesammelt, die an eine Health App oder die Fitness-App Strava weitergeleitet werden können. Der Helm kann auch mit der Apple-Watch gekoppelt werden.

Details zum Smarthelm

  • Preis: 179,99 Euro >> hier erhältlich*
  • Gewicht: 370 Gramm
  • Größen: 54 – 61 cm (Einheitsgröße)
  • Features/Ausstattung: USB-Ladekabel, kabellose Bluetooth-Fernbedienung mit Lenkerhalterung, Lumos-App, 10 weiße LEDs vorn, 11 orange und 16 rote LEDs hinten, Blinker und automatisches Bremslicht, MIPS-Ausstattung (gegen Aufpreis!)

Vor- und Nachteile

  • Plus: Einfache Bedienung, gute Belüftung, gute Sichtbarkeit im Dunkeln
  • Minus: Nur Einheitsgröße, kein Kinnpolster

Fazit zum Smarthelm von Lumos

Der Helm ist für Radler interessant, die sich mehr gefühlte Sicherheit wünschen. Die Helmbeleuchtung ersetzt zwar nicht die Radbeleuchtung, aber man wird im Dunkeln als Verkehrsteilnehmer besser wahrgenommen.

Sena R1 Evo - Expertise von Motorradhelmen

Der Sena R1 Evo Foto: Daniel Simon
Der Sena R1 Evo

Sena gilt als Spezialist für Motorradzubehör. Und unter Motorradfahrern sind Helme mit eingebautem Funk und Gegensprechanlage längst keine Innovation mehr. Diese Expertise überträgt Sena nun in den Fahrradbereich. Beim Gewicht tendiert der Sena R1 Evo* mit mehr als 400 Gramm schwer in Richtung Motorrad. Bei längeren Touren beginnt die Last am Kopf zu drücken. Aufgrund der Einstellmöglichkeiten und der drei Modellgrößen findet zumindest (fast) jeder Radler die passende Schale. Polsterung und Belüftung können dabei durchaus überzeugen. Auftrumpfen kann der Sena R1 Evo mit seinem technischen Innenleben: Im Smarthelm ist neben Lautsprechern und Mikrofon auch ein UKW-Radio integriert, das nach Installation der Sena-Cycling-App nutzbar ist. Bis zu zehn Sender werden über die App oder – etwas fummelig – direkt am Helm gesucht.

Viel interessanter und nützlicher ist jedoch die Bluetooth-Verbindung zum Smartphone oder GPS-Navigationsgerät. Die Sprachansagen zum Beispiel von Komoot sind gut über die eingebauten Lautsprecher verständlich, ohne dass die ganze Umgebung mithören kann. Mithilfe der Freisprecheinrichtung kann man auch unterwegs telefonieren, ohne dass der Fahrtwind allzu sehr stört. Wer sich unterwegs gerne mit seinen Mitradlern verständigt, kann dies mithilfe einer Funk-Gegensprechanlage tun. Vorausgesetzt, die anderen tragen auch einen Sena-Helm. Die Reichweite der Funkverbindung liegt im Schnitt je nach Umgebung bei rund 500 bis 600 Metern. Die Einrichtung dieser technischen Features ist gut im Handbuch beschrieben, aber trotzdem etwas diffizil in der Praxis. Der Ladevorgang des Smarthelm-Akkus per USB-Kabel dauert zwei bis drei Stunden. Die Betriebsdauer reicht bis zu zwölf Stunden.

Die Lautsprecher sind seitlich in die Helmschale eingelassen. Foto: Daniel Simon
Die Lautsprecher sind seitlich in die Helmschale eingelassen.

Details zum Smarthelm

  • Preis: 199 Euro >> hier erhältlich*
  • Gewicht: 430 Gramm (Gr. M)
  • Größen: S, M, L
  • Features/Ausstattung: Helmhülle, Sonnenblende, reflektierende Halteriemen, Rücklicht, integriertes Mikrofon und Lautsprecher, Mikro-USB-Kabel, Tastensteuerung am Helm und Sprachsteuerung, Sena-Cycling-App

Vor- und Nachteile

  • Plus: Gut belüftet, Gegensprechanlage
  • Minus: Schwer, kleines Rücklicht, Fernbedienung für den Lenker nur zum Zukaufen

Fazit zum Smarthelm von Sena

Ein Smarthelm für Radler, die gerne beim Fahren kommunizieren, entweder per Smartphone oder mittels Gegensprechanlage.



Fragen an Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC

MYBIKE: LED-Lichter, Fahrtrichtungsanzeige, Bremslicht, Rückleuchte, Sprachsteuerung, Radio, Sprach-Navigation, Notruf bei Stürzen etc. Können diese Hightech-Modelle die Helmtragequote erhöhen?

HUHN: Wer keinen Helm trägt, wird dafür andere Gründe haben als fehlende Zusatzfunktionen. Der nächste Schritt sind optische Informationen am Helm (Head-up-Display). Jetpiloten bewältigen diese Informationsflut, ohne sich ablenken zu lassen. Sie sind aber sorgfältig ausgesucht worden und haben jahrelang trainiert.

Bringen diese technischen Features für den Fahrrad­fahrer mehr Sicherheit im Straßenverkehr?

Licht am Fahrradhelm ist auch in Deutschland zugelassen, nur die Lichtanlage am Fahrrad selbst ist streng reglementiert. Rote Leuchten an der Rückseite des Helms sind schon lange bekannt. Die Helmbeleuchtung ersetzt auch nicht die vorgeschriebene Fahrradbeleuchtung, und rote LEDs am Helm erreichen oft nicht die Helligkeit eines zugelassenen Fahrradrücklichts. Gelbe Blinker seitlich am Helm können im Dunkeln das Handzeichen unterstützen, sie machen das Handzeichen zur Ankündigung des Abbiegens aber nicht überflüssig. Das gilt besonders tagsüber, weil die blinkenden Fahrtrichtungsanzeiger bei hellem Sonnenlicht leicht zu übersehen sind. Und dass eine heller werdende rote Leuchte am Helm vom nachfolgenden Verkehr als Bremslicht verstanden wird, ist nicht garantiert.

Blinker am Helm ersetzen nicht das Handzeichen

Welche Funktionen an einem smarten Helm würden Sie für zusätzliche Sicherheit befürworten?

Sinnvoll können Features sein, die eine Bedienung von Geräten am Fahrradlenker überflüssig machen, zum Beispiel die Sprachsteuerung von Smartphones oder Navi. Aber mit Vorsicht, denn nicht nur der Blick auf das Display lenkt vom Verkehrsgeschehen ab. Versuche haben gezeigt, dass Musikhören auf dem Rad die Reaktionszeit verlängert. Telefongespräche binden unbewusst noch mehr Aufmerksamkeit, auch wenn man beide Hände am Lenker hat. Wer dank smartem Helm jederzeit auf solche Funktionen zugreifen kann, wird sie vielleicht häufiger nutzen als jemand, der sich vor jeder Fahrt Stöpsel in die Ohren stecken muss. Das kann ausreichen, um den theoretischen Sicherheitsvorteil zunichte zu machen. Der automatische Notruf ist für Mountainbiker und Tourenradler interessant, die Stürze fernab von belebten Routen und in Funklöchern fürchten.

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