SonderschichtRegenhosen im Test

Jörg Spaniol

 · 20.09.2020

Sonderschicht: Regenhosen im TestFoto: Adobe Stock

Regenhosen für die Radtour gibt es viele. Das Angebot für Alltagsradler ist jedoch überschaubar. Wir haben fünf Modelle getestet.

Was sind schon „60 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit“, wenn man morgens bei klarem Himmelblau ins Büro radelt? Jedenfalls kein Grund, den stickigen Bus zu nehmen – denkt man, bis dann auf dem Heimweg zehn Liter Wasser pro Quadratmeter auf den Radler herabstürzen. Dann klebt die klamme Jeans am Bein, und das Feierabend-Shopping ist mit nasser Hose auch gestrichen. Das statistische Risiko, am selben Tag ausgerechnet auf den zweimal 30 Minuten Alltagsweg gründlich geduscht zu werden, ist hierzulande eher gering, und so bleiben einem die wenigen Male umso deutlicher in Erinnerung.

Schnell einsatzbereit im Alltag

Doch selbst wenn im Schrank eine solide Regenhose für die Radreise liegt – im Alltagsgepäck fehlt sie meistens. Ein Grund für ihren seltenen Einsatz dürfte das meist miserable Handling sein: Die Zeit zwischen den ersten dicken Tropfen und dem prasselnden Schauer füllt der Regenhosen-Nutzer mit einem grotesken Stolpertanz, gefesselt von verdrehten Hosenbeinen und steckenbleibenden Schuhen. Im Stehen und ohne die Schuhe auszuziehen, lassen sich die wenigsten Regenhosen rasch über die Zivilkleidung ziehen. Wenn überhaupt, haben Rad-Regenhosen nur kurze Reißverschlüsse an den Beinen.

Auf lange Reißverschlüsse achten

Einen schnelleren Schichtwechsel versprechen Modelle aus dem Bergsport. Das müssen sie auch, denn wer mit Steigeisen oder Ski im Steilhang steht, kann nicht mal eben die Schuhe ausziehen, wenn das Mistwetter anrollt. Die entsprechenden Überhosen haben deshalb beinlange, üblicherweise am Bund teilbare Reißverschlüsse. Für anspruchsvolle Outdoor-Sportler gibt es viele solcher Hosen, doch ihre Preise liegen deutlich über unserem 200-Euro-Limit. Nur fünf Muster aller Klassen kamen deshalb in die Endauswahl. Neben zwei Modellen mit teilbaren Reißverschlüssen (von Jack Wolfskin und Vaude) lieferten die Regenschutz-Profis von Gore und der Sportdiscounter Decathlon sowie die niederländischen Tüftler von Rainlegs ihre Vorschläge zum Regenschutz für Radpendler.

Fazit

Die technische Bandbreite ist immens, die Preisspanne ebenso – sie reicht von 26 bis 200 Euro. Am Ende des Praxistests überrascht das Ergebnis: Weil es im Kurzzeit-Einsatz auf dem Heimweg nicht auf höchstmöglichen Dampfdurchlass und maximalen Schutz ankommt, steht auch die einfach nur wasserdichte 26-Euro-Hose von Decathlon gut da, während die technisch hochwertige und radgerecht eng geschnittene Gore-Hose beim Umziehen mit Zivilschuhen Minuspunkte einfährt. Mit 30 oder 40 Zentimeter längeren Reißverschlüssen wäre sie mutmaßlich Testsieger. Die beiden Bergsport-Modelle überzeugen beim Anziehen, sind als Nothelfer im Stadtverkehr in Gewicht und Packmaß aber einigermaßen üppig. Interessante Alternative: Die für kürzere Strecken derzeit beste Immer-dabei-Lösung ist gar keine Hose. Die sogenannten Rainlegs mögen seltsam aussehen, doch der schnell angelegte Schutz für Oberschenkel und Knie ist preiswert, klein und leicht. Und damit kann er wirklich immer dabei sein – während die superdichten Regenhosen wieder mal zu Hause liegen.

Vaude Fluid Full-Zip, 450 Gramm
Besonderheiten: teilbarer Reißverschluss, verstellbare Beinweite, Netzfutter, Reflexprint
Fazit: Vaudes eher voluminös zu verpackende Hose überzeugt mit einem durchgehenden Reißverschluss, der das Anziehen erleichtert. Sie ist weit und wenig radspezifisch geschnitten, aber am Unterschenkel per Klett anzupassen. Vielleicht zu viel Hose für den Stadtverkehr, aber sicher ein Tipp für Radurlauber in nassen Gegenden.

So testet MYBIKE

Im MYBIKE-Labor warten mehrere standardisierte, an EU-Prüfnormen angelehnte Tests auf Regenschutzkleidung. So testen wir die Imprägnierung im Neuzustand sowie nach mehreren Wäschen. Dabei wird auch die Haltbarkeit der Nahtversiegelung untersucht. Anschließend simuliert eine Prüfmaschine eine Wassersäule von 3.000 Millimetern an verschiedenen Stellen des Textils. Die Ergebnisse dieser und weiterer Tests werden nach Punktetabellen bewertet. Im vorliegenden Testfeld haben wir die Labortests jedoch nur orientierend ins Ergebnis einbezogen: Aufgrund der großen konstruktiven Unterschiede der Testmuster ist ein Vergleich der Laborwerte nur ein Teilergebnis. Zudem zeigte keines der Muster im Labor gravierende Schwächen, die in diesem Einsatzbereich entscheidend wären. Entscheidend für die Beurteilung war daher letztlich der Praxistest.

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