Schlanke Linie – Leichte City-Pedelecs

Alltags E-BikesSchlanke Linie – Leichte City-Pedelecs

Uli Frieß

 12/14/2021, Lesezeit: 5 Minuten

Unter 20 Kilo leicht und fast unsichtbar motorisiert: Fünf sportlichen City-Pedelecs in unserem Test sind aufs Nötigste reduziert. Reicht das für den Alltag?

Ein richtig leichtes Rad zu bauen ist ganz schön schwer. Rennradler bearbeiten das Pro­blem schon lange, aber auch Fahrradbegeisterte mit Hang zu reduziertem Design kennen das Spannungsfeld: Leichte und stilvolle Räder leiden nicht selten unter nervigem Nutzwertmangel. Nur wenige Hersteller bringen Leichtbau, Fahrsicherheit und Praxistauglichkeit zufriedenstellend unter einen Hut. Insbesondere Pedelecs leiden unter ihren schweren, voluminösen und selten ästhetischen Antriebskomponenten. Doch seit sich mehr und mehr die Erkenntnis durchsetzt, dass im urbanen Raum das letzte Quäntchen Motorkraft und maximale Reichweite eine nur untergeordnete Rolle spielen, ist der Weg für neue Ansätze breiter geworden. Statt um schiere technische Perfektion darf das Stadt-Pedelec nun auch um schlanke Schönheit ringen. Doch wie sicher und vor allem vielseitig sind die neuen Leichtbau-Pedelecs?

Mokumono  Delta CFoto: Daniel Simon
Mokumono Delta C
Ampler  CurtFoto: Daniel Simon
Ampler Curt
Canyon  Commuter:on 7Foto: Daniel Simon
Canyon Commuter:on 7
Coboc  Kallio RGDFoto: Daniel Simon
Coboc Kallio RGD
Excelsior  Urban-EFoto: Daniel Simon
Excelsior Urban-E
Mokumono  Delta CFoto: Daniel Simon
Mokumono Delta C
Ampler  CurtFoto: Daniel Simon
Ampler Curt
Ampler  Curt
Canyon  Commuter:on 7
Coboc  Kallio RGD
Excelsior  Urban-E
Mokumono  Delta C

Diese E-Bikes finden Sie im Test:

  • Ampler Curt
  • Canyon Commuter:on 7
  • Coboc Kallio RGD
  • Excelsior Urban-E
  • Mokumono Delta C

Um unter 20 Kilo zu kommen, mussten unsere fünf Testmodelle gegenüber üppig ausgestatteten Alltagsrädern mit mehreren Strategien abspecken. Die erste davon ist der Verzicht: Ihre Fahrer müssen oft auf Accessoires wie Federelemente, auf hoch belastbare Gepäckträger oder Parkständer verzichten können. Das schränkt die Einsatzmöglichkeiten ein, steigert aber den Fahrspaß. Leichtbau erfordert Kompromisse. Federgabeln und gefederte Sattelstützen sucht man an den Testrädern vergeblich. Sie würden die Räder deutlich schwerer machen. Leichtbau-Fans müssen deshalb auf Komfort verzichten. Die Pedelecs fahren sich merklich härter als solche mit Federelementen. Das Mokumono Delta C und das Coboc Kallio rollen immerhin auf voluminösen, 50 Millimeter breiten Reifen. Sie erhöhen den Fahrkomfort.

Reduzierte Ausrüstung

Außer dem behutsamen Weglassen von Bauteilen bietet es sich an, leichtes Material so einzusetzen, dass Rahmenverbund und Laufräder ausreichend stabil bleiben. Alle unsere Testräder haben Alu-Rahmen – leicht, aber ein paar Hundert Gramm schwerer, als es mit Carbon möglich wäre. Immerhin setzen alle bis auf einen Hersteller im Testfeld auf leichte Gabeln aus Carbon. Sie machen die Rahmen deutlich leichter, als es mit Metallgabeln möglich wäre. Sind die Rahmen-Sets steif genug? Die Labormessung ergibt ein grundsätzliches „Ja“, der Fahreindruck widerspricht nicht. Die Räder sind fahr­sicher, aber nicht ultimativ steif. Dem Leichtbau und dem Gestaltungswillen mussten bei den beiden leichtesten Testrädern (Ampler und Mokumono) sogar die Schaltungen weichen. Wer Schaltwerk und Ritzelpaket weglässt, spart auch das Gewicht von Schalthebeln und Zügen ein. Beide Singlespeeder ersetzen die Kette zudem durch einen leichten Gates-Carbonriemen. Auch die kleinen Antriebssysteme unserer Testräder sparen deutlich Gewicht.

Die tief im Ausfallende positionierte Achsmutter des Mokumono lässt sich nur fummelig mit schräg angesetztem Gabelschlüssel lösen.Foto: Daniel Simon
Die tief im Ausfallende positionierte Achsmutter des Mokumono lässt sich nur fummelig mit schräg angesetztem Gabelschlüssel lösen.
Konsequenter Leichtbau: Gates-Riemen und sparsam aufgebautes Ausfallende am Ampler CurtFoto: Daniel Simon
Konsequenter Leichtbau: Gates-Riemen und sparsam aufgebautes Ausfallende am Ampler Curt
Schön und steif: Gabel mit Steckachse und Bremssattelaufnahme am Coboc Kallio RGDFoto: Daniel Simon
Schön und steif: Gabel mit Steckachse und Bremssattelaufnahme am Coboc Kallio RGD
Integrierter Vorbau des Canyon Commuter  mit angeschweißtem Lenker und Kabel-/ZugeinführungFoto: Daniel Simon
Integrierter Vorbau des Canyon Commuter mit angeschweißtem Lenker und Kabel-/Zugeinführung
Stabil verbunden: Steuerrohr des Excelsior mit hochovalem Unterrohr und differenziertem OberrohrquerschnittFoto: Daniel Simon
Stabil verbunden: Steuerrohr des Excelsior mit hochovalem Unterrohr und differenziertem Oberrohrquerschnitt
Die tief im Ausfallende positionierte Achsmutter des Mokumono lässt sich nur fummelig mit schräg angesetztem Gabelschlüssel lösen.Foto: Daniel Simon
Die tief im Ausfallende positionierte Achsmutter des Mokumono lässt sich nur fummelig mit schräg angesetztem Gabelschlüssel lösen.
Konsequenter Leichtbau: Gates-Riemen und sparsam aufgebautes Ausfallende am Ampler CurtFoto: Daniel Simon
Konsequenter Leichtbau: Gates-Riemen und sparsam aufgebautes Ausfallende am Ampler Curt
Konsequenter Leichtbau: Gates-Riemen und sparsam aufgebautes Ausfallende am Ampler Curt
Schön und steif: Gabel mit Steckachse und Bremssattelaufnahme am Coboc Kallio RGD
Integrierter Vorbau des Canyon Commuter  mit angeschweißtem Lenker und Kabel-/Zugeinführung
Stabil verbunden: Steuerrohr des Excelsior mit hochovalem Unterrohr und differenziertem Oberrohrquerschnitt
Die tief im Ausfallende positionierte Achsmutter des Mokumono lässt sich nur fummelig mit schräg angesetztem Gabelschlüssel lösen.

Sie haben aber auch spürbar weniger Leistung als die üblichen Mittelmotoren normaler Pedelecs. Im städtischen Umfeld ist das verschmerzbar; die reduzierte Leistung fällt auch deshalb kaum auf, weil die Räder bis zu zehn Kilo leichter sind als übliche Pedelec-Allrounder. Für das Fahr­erlebnis ist viel bedeutender, dass die leichten und unscheinbaren Hinterrad­nabenmotoren in den letzten Jahren technisch besser geworden sind. Weil die Sensorik der Antriebe heute deutlich harmonischer abgestimmt ist, fahren sich die Naben­motoren nun viel kultivierter als früher. Im städtischen Umfeld dominieren kurze Wege und meist flaches Terrain. Deshalb kommen die kleineren Motoren auch mit kleineren und damit deutlich leichteren Akkus aus. Sorgen wegen des geringen Energieinhalts der Akkus müssen sich Fahrer leichter City-Pedelecs nicht machen.

„Stilvolle Leichtbau-Pedelecs sind nicht weniger sicher als ihre schweren Pendants. Leistungsreduzierte Low-Assist-Motoren und kleine Akkus genügen im Stadtverkehr. Wegen ihrer reduzierten Ausrüstung sind die Pedelecs jedoch nicht unein­geschränkt alltagstauglich." Uli Frieß, Testredakteur
  Kommt ohne erkennbare E-Bike-Komponenten aus: Die leichte Klasse begeistert mit filigraner Ästhetik.
Kommt ohne erkennbare E-Bike-Komponenten aus: Die leichte Klasse begeistert mit filigraner Ästhetik.

Auch das hilft den Konstrukteuren trendiger Stylebikes, denn die Energiespender verschwinden unauffällig auch in filigran dimensionierten Rahmenrohren. Nachteil: Sie sind nicht einfach und ohne Werkzeug aus den Rahmen entnehmbar. Das führt zum vielleicht größten Nachteil der leichten Pedelec-Klasse: Weil die Stromspender bei Temperaturen unter fünf Grad deutlich an Ausdauer einbüßen und möglichst nicht bei Temperaturen unter zehn Grad geladen werden sollten, empfiehlt sich im Winter ein warmer Platz zum Abstellen und Laden der Pedelecs. Nur das Canyon Commuter:On kann auch den Winter unbedenklich draußen verbringen, denn sein Antriebssystem ist samt Akku mit einem Handgriff aus dem Rahmen entnehmbar und kann im Warmen geladen werden. Digitale Displays fehlen an fast allen Pedelecs. Sie würden die reduzierte Optik der Räder deutlich stören. Stattdessen steuern unscheinbare, in die Rahmen­rohre eingelassene Schaltelemente die Antriebe.

  Smartphone-Apps, mit denen sich unter anderem die Motorunterstützung den persönlichen Vor­lieben anpassen lässt, gibt es für das Ampler, das Canyon, das Coboc und das Mokumono.
Smartphone-Apps, mit denen sich unter anderem die Motorunterstützung den persönlichen Vor­lieben anpassen lässt, gibt es für das Ampler, das Canyon, das Coboc und das Mokumono.

Neben druckempfindlichen Tastern zum Ein- beziehungsweise Ausschalten der Motoren informieren LEDs über Akku-Ladestand und angewählte Unterstützungsstufe. Smartphone-Apps, mit denen sich unter anderem die Motorunterstützung den persönlichen Vor­lieben anpassen lässt, gibt es für das Ampler, das Canyon, das Coboc und das Mokumono. Eine Sparmaßnahme ging uns im Alltagseinsatz allerdings zu weit: Einen klassischen Gepäckträger gibt es nur am Canyon. Coboc, Excelsior und Mokumono haben lediglich Trägerstreben zur Montage von leichten Packtaschen. Ampler hat auch darauf verzichtet. Dieses Rad und das Canyon haben zudem keinen Ständer.

  Nur 13,4 Kilo bringt das Ampler Curt auf die Waage.
Nur 13,4 Kilo bringt das Ampler Curt auf die Waage.

Fazit zum Test der E-Bikes

Vielseitige Alltags-Pedelecs sind die Leichtgewichte nicht. Es fehlt ihnen an Fahrkomfort, Transportkapazität und Winterhärte. Sportlich orientierte Kurzstreckenfahrer mit einer warmen Abstellmöglichkeit im Winter werden mit den spritzigen Stadtflitzern hingegen viel Spaß haben.

Den kompletten Vergleichstest der leichten E-Bikes inkl. aller Testurteile und Einzelbewertungen können Sie kostenpflichtig unter dem Artikel als PDF herunterladen.

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