Starke Partner: Allround-E-Bikes im TestFoto: Bernhard Huber

Starke Partner: Allround-E-Bikes im Test

Uli Frieß

 4/14/2022, Lesezeit: 5 Minuten

Auf den perfekten Begleiter freuen sich nicht nur Pendler jeden Tag, denn das ideale Alltags-E-Bike hat viele Talente. Sechs Mittelklasse-Allrounder im Test.

Es tut sich was: In Innenstädten wandeln sich Parkplätze zu Fahrradstreifen, Pop-up-Radwege wachsen über Nacht aus dem Asphalt. Städte planen Radschnellwege in die Speckgürtel, und Pendler entdecken das einfache, unkomplizierte Unterwegssein zwischen Wohnung, Arbeitsplatz und Supermarkt. Nie waren so viele Räder auf Straßen und Fahrradwegen unterwegs, und nie waren Angebot und Vielfalt größer.

Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben Allround-Pedelecs. Sie bringen vielen Menschen das Radfahren nahe, die ohne elektrische Unterstützung weiterhin hauptsächlich mit dem Auto unterwegs wären. Sie sind die Arbeitstiere für den Alltag, die Freizeit und kleine Fluchten. Die Ansprüche an Allrounder sind deshalb hoch: Sie müssen Wind und Wetter trotzen, mit wenig Wartung auskommen und ein breites Nutzungsspek­trum abdecken. Doch den rundum perfekten Alleskönner gibt es nicht. Vor dem Kauf sollte man sich deshalb über persönliche Vorlieben, bevorzugten Einsatzzweck und die Grenzen des eigenen Budgets klar werden.

In unserem Allrounder Test stellen wir sechs Mittelklasse-Pedelecs unterschied­licher Ausprägung vor: zwei Unisex- beziehungsweise Wave-Rahmen-Räder, zwei klassische Herren-Pedelecs mit Diamantrahmen und zwei Trapezrahmen-Pedelecs. Ausrüstung und verbaute Komponenten liegen qualitativ über Einsteigerniveau, reichen aber nicht an teures High-End-Material heran. Auch wenn die Preise unserer Räder mit 3.200 bis 3.500 Euro auf den ersten Blick hoch erscheinen mögen – vernünftiges, langlebiges und zuverlässiges Radmaterial mit E-Antrieb ist unterhalb dieser Preisschwelle nur noch schwer zu bekommen. Und vor dem Hintergrund coronabedingter Produktionsausfälle, unterbrochener Lieferketten und der wieder angehobenen Mehrwertsteuer hätte die von uns beobachtete Preissteigerung in diesem Segment von etwa sieben Prozent gegenüber 2021 auch deutlich höher ausfallen können.

Die Preisdifferenz zwischen günstigstem und teuerstem Rad im Testfeld beträgt gerade mal 300 Euro. Qualitative Unterschiede bei der Ausrüstung sind deshalb naturgemäß gering. Dass Komponenten wie Bremsen, Schaltungen, Motoren und Federgabeln größtenteils vom selben Hersteller kommen, liegt nicht zuletzt an der Verfügbarkeit. Die Motoren kommen ausnahmslos von Bosch. Bei den Schaltungen dominiert Shimanos Getriebenabe Nexus 5E, alle Pedelecs sind mit Stahl-Feder­gabeln von SR Suntour ausgerüstet. An vier von sechs Rädern setzen die Hersteller auf die hydraulische Scheibenbremse MT200 von Shimano, an zwei Rädern sind Tektro-Bremsen verbaut.

Victoria E-trekking 7.8Foto: MYBIKE
Victoria E-trekking 7.8
Brennabor T-63eFoto: MYBIKE
Brennabor T-63e
Kalkhoff Endeavour 5.B seasonFoto: MYBIKE
Kalkhoff Endeavour 5.B season
Kettler Quadriga p5 rtFoto: MYBIKE
Kettler Quadriga p5 rt
Kreidler Vitality eco 7 sportFoto: MYBIKE
Kreidler Vitality eco 7 sport
Stevens E-courier pt5Foto: MYBIKE
Stevens E-courier pt5
Victoria E-trekking 7.8Foto: MYBIKE
Victoria E-trekking 7.8
Brennabor T-63eFoto: MYBIKE
Brennabor T-63e
Brennabor T-63e
Kalkhoff Endeavour 5.B season
Kettler Quadriga p5 rt
Kreidler Vitality eco 7 sport
Stevens E-courier pt5
Victoria E-trekking 7.8

Qualitativ im Mittelfeld

Manche der Shimano-MT200-Bremsen im Testfeld benötigten für eine vernünftige Verzögerung hohe Handkräfte, andere funktionierten zufriedenstellend. Vor allem im Neuzustand, wenn Scheibe und Beläge noch nicht eingeschliffen sind und zu wenig Reibung aufbauen, war die Bremsleistung nicht optimal. Schwere Pedelecs wiegen mit Fahrer und Gepäck schnell 120 Kilo, die hohe Masse muss bergab sicher eingefangen werden können. Unser Tipp: Achten Sie während einer Probefahrt genau auf die Bremswirkung. Hohe Handkräfte sollten Sie beim Händler vor dem Kauf beanstanden.

Wer sich nicht groß um Wartung und Pflege seines Allrounders kümmern will, fährt mit Getriebenabe statt Kettenschaltung besser. Die Naben sind weitgehend unempfindlich gegenüber Verschmutzung und Nässe, ihr Wartungsaufwand ist minimal. Brennabor, Kettler und Stevens sind mit Shimanos Nexus-5E-Nabe bestückt. Deren Übersetzung ist optimal auf Pedelecs abgestimmt, die Nabe wechselt die Gänge auch unter Last prompt und exakt. Runterschalten führt allerdings zu hörbar hartem Einrasten des neuen Gangs. Deutlich weicher gelingen Gangwechsel, wenn man das Pedal kurz entlastet und so die Motorleistung und den Kettenzug verringert. Die Nexus-Inter5-Nabe am Victoria benötigt für prompte Gangwechsel grundsätzlich eine kurze Entlastung des Antriebsstrangs.

Kettenschaltungen bieten zwar eine größere Übersetzungsbandbreite als Nexus-Getriebenaben, brauchen aber mehr Pflege. Die Ritzelpakete und Schaltwerke wollen regelmäßig gereinigt und geschmiert werden. Dafür lässt sich das Hinterrad deutlich einfacher aus- und wieder einbauen. Bei einer Reifenpanne weitab der nächsten Fahrradwerkstatt ist das ein gewichtiger Vorteil. Das Zehnfach-Schaltwerk am Kreidler Vitality stammt aus Shimanos Mittelklasse-Regal und verkraftet das hohe Drehmoment des potenten Bosch-Performance-CX-Antriebs problemlos. Nicht ganz in die Mittelklasse passt das Alivio-Schaltwerk des Kalkhoff En­deavour. Die Neunfach-Schaltung findet sich sonst an günstigeren Pedelecs.

Uli Frieß, Testredakteur: „Die pandemiebedingten Preissteigerungen bei Mittelklasse-E-Bikes sind spürbar, aber auch nachzuvollziehen. Qualitativ sind die Pedelecs auf einem guten Niveau, alle sind sorgfältig verarbeitet. Nicht voll überzeugen konnten uns die teils hohen erforderlichen Handkräfte der Bremsanlagen.“
Eine Steckachse versteift die Gabel des Kalkhoff Endeavour.Foto: Christoph Born
Eine Steckachse versteift die Gabel des Kalkhoff Endeavour.
Das Bosch-Purion-Display am Kreidler Vitality zeigt weniger Fahrinfos als das Intuvia-Display der Marke.Foto: Christoph Born
Das Bosch-Purion-Display am Kreidler Vitality zeigt weniger Fahrinfos als das Intuvia-Display der Marke.
Die Teleskop-Sattelstütze trägt zum Fahrkomfort des Brennabor bei.Foto: Christoph Born
Die Teleskop-Sattelstütze trägt zum Fahrkomfort des Brennabor bei.
Wartungsarm und leise: Gates-Riemen statt Kette am VictoriaFoto: Christoph Born
Wartungsarm und leise: Gates-Riemen statt Kette am Victoria
Den Stevens-Rahmen verstärkt eine griffgünstige Alu-Strebe überm Tretlager.Foto: Christoph Born
Den Stevens-Rahmen verstärkt eine griffgünstige Alu-Strebe überm Tretlager.
Eine Steckachse versteift die Gabel des Kalkhoff Endeavour.Foto: Christoph Born
Eine Steckachse versteift die Gabel des Kalkhoff Endeavour.
Das Bosch-Purion-Display am Kreidler Vitality zeigt weniger Fahrinfos als das Intuvia-Display der Marke.Foto: Christoph Born
Das Bosch-Purion-Display am Kreidler Vitality zeigt weniger Fahrinfos als das Intuvia-Display der Marke.
Das Bosch-Purion-Display am Kreidler Vitality zeigt weniger Fahrinfos als das Intuvia-Display der Marke.
Die Teleskop-Sattelstütze trägt zum Fahrkomfort des Brennabor bei.
Wartungsarm und leise: Gates-Riemen statt Kette am Victoria
Den Stevens-Rahmen verstärkt eine griffgünstige Alu-Strebe überm Tretlager.
Eine Steckachse versteift die Gabel des Kalkhoff Endeavour.

Komfortabel und sicher

Ist bei Sporträdern ein hartes Fahrwerk mit eingeschränktem Fahrkomfort hinnehmbar, erhält im Alltag ein gewisses Maß an Bequemlichkeit die Lust am Radfahren. Neben einer optimal zugeschnittenen Sitzposition helfen voluminöse Reifen und eine Federgabel, grobe Fahrbahnunebenheiten von Sattel und Lenker fernzuhalten. Breite Reifen schlucken zwar Stöße, dämpfen aber nicht. Sie verbessern den Fahrkomfort, nicht jedoch das Fahrverhalten. Eine gut eingestellte Federgabel schafft beides. Fahrbahnunebenheiten schluckt sie beim Einfedern, beim Ausfedern verhindert ihre Dämpfung, dass das Vorderrad kurzzeitig den Kontakt zur Fahrbahn verliert. Passt die Feder der Gabel zum Systemgewicht aus Rad und Fahrer, verbessern sich Fahrkomfort und Fahrsicherheit.

Die Anfangshärte der Feder lässt sich über die Vorspannung einstellen, nicht jedoch der insgesamt nutzbare Federweg. Sollte die werksseitig gewählte Feder­härte partout nicht passen, ist guter Rat allerdings teuer: Austauschfedern sind schwer zu bekommen, und gut anpass­bare Luftfeder-Gabeln kommen in dieser Preisklasse kaum vor.

Sämtliche Antriebe unserer Mittelklasse-Allrounder stammen von Bosch. Im Testfeld dominiert mit dem Performance Line die zweitstärkste Variante des Mittelmotors. Nur das Stevens E-Courier hat den ausgesprochen sanften und laufruhigen Bosch-Active-Line-Motor im Tretlager. Ob Sie einen Akku mit 500 oder 625 Wh bevorzugen sollten, hängt von Ihren Gewohnheiten ab. Wenn Sie im Schnitt nicht mehr als 15 bis 20 Kilometer am Tag fahren, hält ein 500-Wh-Akku drei bis vier Tage. Der wesentliche Vorteil eines größeren Akkus ist in diesem Einsatzbereich die geringere Nachlade-Frequenz.

Fazit: Bis auf die Bremsanlagen erfüllen unsere E-Bike-Allrounder der Mittelklasse die Erwartungen an zuverlässige Alltags-Pedelecs. Ob Ihr Wunschrad perfekt zu Ihnen passt, erfahren Sie im Wortsinn während einer Probefahrt.

Den kompletten Vergleichstest der E-Allrounder aus MYBIKE 2/2022 inkl. aller Einzelbewertungen können Sie kostenpflichtig unter dem Artikel als PDF herunterladen.

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