Günstige RäderDas Excelsior Trekking im Test

Jochen Donner

 · 06.04.2023

Günstige Räder: Das Excelsior Trekking im TestFoto: Bernhard Huber
Das Excelsior Trekking

Wer Kurz- und Mittelstrecken gerne gemütlich und genussvoll radelt, findet im Excelsior Trekking einen passenden Partner.

Ein einfaches Fahrrad mit soliden No-Nonsense-Komponenten, problemlosen Fahreigenschaften, straßenverkehrstauglicher Ausstattung und bequemer Sitzposition für unter 700 Euro – Excelsiors Stahlross bietet genau das. Im Programm hat diese Fachhandelsmarke vorwiegend simple, retro-orientierte und preisgünstige Fahrräder mit und ohne „E“. Auch die Radtechnik orientiert sich an dem, was vor 20 und mehr Jahren aktuell war. So bestehen Rahmen und Gabel des Trekking-Modells aus robustem, aber schwerem und qualitativ einfachem Stahl. Ovale und tropfenförmige Rohrquerschnitte, eine Gabel mit weiter Vorbiegung, schräge Ausfallenden, verschraubte Vollachsen und die einfache, bewährte Siebengang-Schaltnabe sind weitere Zutaten. Und, wie einstmals bei Henry Ford‘s Tin Lizzy: Erhältlich ist es in jeder gewünschten Farbe, solange es Schwarz ist.

Die Kettenspannung wird durch Verschieben der Radachse in den schrägen Ausfallenden reguliert. Dabei verkantet die Achse leicht, sie kollidiert hier zudem mit den Blechstreben.Foto: Bernhard Huber
Die Kettenspannung wird durch Verschieben der Radachse in den schrägen Ausfallenden reguliert. Dabei verkantet die Achse leicht, sie kollidiert hier zudem mit den Blechstreben.

Was das Excelsior Trekking aus der Masse heraushebt, ist der stark nach oben und hinten gekröpfte Lenker: Er richtet den Rücken auf, bringt Schultern, Arme und Hände in eine angenehme Position und verschafft dem Radler oder der Radlerin viel Überblick über das Verkehrsgeschehen. Auch der lange Radstand und die aufrechte Sitzhaltung legen einen gleitenden, entspannten Fahrstil nahe. Den unterstützen auch das hohe Gesamtgewicht von fast 18 Kilo und die schweren Laufräder (2467 Gramm vorn, 3775 Gramm hinten). Die wartungsarme, langlebige Nexus-Nabenschaltung wechselt ihre sieben Gänge zuverlässig, aber, im Unterschied zur Nexus 8, mit etwas mehr Latenz: Man muss Kraft vom Pedal nehmen, damit der Schaltvorgang stattfinden kann – was nicht weiter stört, solange man bewusst auf sportliche Gangart verzichtet. Die Übersetzungsbandbreite von 244 Prozent zwischen kleinstem und größtem Gang reicht in der Ebene zwar gut aus, macht längeres Bergauffahren jedoch etwas mühsam.

Der Gepäckträger ist aus dünnen Alu-Streben geschweißt und bietet für Gepäck über sechs Kilo zu wenig Seitensteifigkeit.Foto: Bernhard Huber
Der Gepäckträger ist aus dünnen Alu-Streben geschweißt und bietet für Gepäck über sechs Kilo zu wenig Seitensteifigkeit.

Mach mal langsam!

Das stählerne Kettenblatt wurde mit der Kurbel verpresst: Ist es abgenutzt, muss man also beide Kurbeln zwangsläufig mit austauschen. Auch hier bremst man mit V-Brakes, die bei Nässe wenig Verzögerung entfalten. Am Excelsior Trekking sind sie jedoch leichtgängig und so gut eingestellt, dass es nichts zu bemängeln gibt. Zusätzlich kann man das Hinterrad mit einer Rücktrittbremse verzögern. Die ist für sanfte Bremsungen ausreichend, die V-Brakes sind jedoch deutlich wirksamer und praktischer.

Durch die Kombination aus Mittelständer und Rücktritt kann das Rad zudem beim Rückwärtsrangieren blockieren, falls die linke Kurbel gegen die Parkstütze drückt. Die Kurbeln lassen sich auch nicht rückwärts drehen. Das macht es schwer, die passende Kurbelstellung zum Anfahren zu finden. Der Gepäckträger ist aus dünnen Alu-Streben geschweißt und bietet für Gepäck über sechs Kilo zu wenig Seitensteifigkeit. Eine kompakte Gepäcktasche mit Büroutensilien oder den kleinen Einkauf transportiert er jedoch problemlos. Die 40-Millimeter-Reifen sind markenlos. Auf festem Untergrund laufen sie leise und leicht. Gröberes Geläuf sollte man mit dem Excelsior Trekking ohnehin meiden: Darauf sind weder Reifen, Schaltung und Bremsen noch Sitzposition und Fahrverhalten ausgelegt.

Stahlrahmen und -gabel des Trekking-Modells bestehen aus robustem, aber schwerem und qualitativ einfachem Stahl.Foto: Bernhard Huber
Stahlrahmen und -gabel des Trekking-Modells bestehen aus robustem, aber schwerem und qualitativ einfachem Stahl.

Vor- und Nachteile

  • Plus: Robuste Bauart und ruhiges Fahrverhalten; Lichtanlage mit Standlicht vorn und hinten
  • Minus: Wenig seitensteifer Gepäckträger; Rücktrittbremse beeinträchtigt Rangieren und Anfahren; geringe Übersetzungsbandbreite

Die wichtigsten Details des Excelsior Trekking

Das Excelsior TrekkingFoto: Bernhard Huber
Das Excelsior Trekking
  • Preis: 669,95 Euro
  • Rahmengrößen: Herren: 52, 57 cm; Damen: 46, 51 cm
  • Gewicht Testrad: 17,6 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 120 kg
  • Rahmen: Stahl, geschweißt
  • Gabel: Stahl, geschweißt, V-Brakes
  • Schaltung: Shimano Nexus 7, Drehgriff
  • Übersetzung: 36/18 Z., 7 Gänge, 244%
  • Bremsen: Artec V-Brakes, Rücktritt
  • Reifen: NN 40-622
  • Lichtanlage: Contec LED, Shimano DH-C300 Nabendynamo
  • MYBIKE-Note: 3,5

Fazit zum Excelsior Trekking

Auch, wenn es „Trekking“ heißt: Das Excelsior ist eher ein sympathisches City- und Kurzstreckenrad für Radler und Radlerinnen, die gemächlich und entspannt in ebenen Gefilden unterwegs sind. Einfache Bedienbarkeit, simple, robuste Technik und ein günstiger Preis machen das Bike trotz kleinerer Mängel attraktiv als günstiges Alltagsrad mit Retro-Anklängen.