Gates-AntriebDas KTM Kent im MYBIKE-Test

Jochen Donner

 · 22.11.2022

Das KTM Kent
Foto: Bernhard Huber
Das KTM Kent im Detail

Das KTM Kent verbindet sportlichen Leichtlauf und spielerisches Handling mit klarer Optik. Der Riemen ist hier auch ein optisches Highlight.

Dezent elegant wirkt das Kent schon auf den ersten Blick. Seine mattgrau lackierten Alu-Rohre sind belastungsgerecht geformt und fügen sich mit sauberen Schweißnähten zu einem Rahmen traditioneller Geometrie. Es sind die kleinen Details, die bei näherem Hinsehen die Sorgfalt und Kompetenz der Macher offenbaren: Das querovale Oberrohr geht am Steuerrohr optisch bündig in die Sitzstreben über. Schaltzug und hintere Bremsleitung verlaufen bis zum Tretlager im Unterrohr. Die Ausfallenden sind dynamisch aufwärts angewinkelt, verschiebbare Achsstücke zur Riemenspannung und untere Trägerstreben sind auf der Rahmeninnenseite montiert. Oben verbindet eine stabile U-förmige Strebe sowohl das strebenlose Schutzblech als auch den alltags- und tourentauglichen Racktime-Gepäckträger mit dem Hinterbau. So entsteht eine saubere, klare Silhouette, die, zusammen mit den paarweise eingespeichten Laufrädern, die Optik dieses flotten Tourers prägt.

Verlagssonderveröffentlichung
Optisch ein Hingucker: Das KTM KentFoto: Bernhard Huber
Optisch ein Hingucker: Das KTM Kent

Das KTM Kent im Praxistest

Man sitzt entspannt sportlich auf dem Rad, der geschweifte Lenker positioniert Hände und Handgelenke ergonomisch günstig, was Arme und Schultern angenehm entlastet. Auf kräftigen Antritt reagiert das KTM sensibel und geht willig nach vorne, die günstigen Pneus laufen erstaunlich leicht. In Kurven verhält sich das KTM brav und vorhersagbar, auch bei höherem Speed entsteht keine Unsicherheit. Knackig und exakt lassen sich die elf Gänge der Alfine-Nabenschaltung am Rapidfire-Tastschalter bedienen. Wenn man ihn ganz durchdrückt, gibt der zweistufige Taster zum Beschleunigen zwei Gänge nacheinander frei. In leichtere Gänge schaltet die Alfine sogar unter (moderater) Last, was für eine Nabenschaltung eine Leistung ist.

Von der Entfaltung her fallen die ersten Gänge sehr lang aus, sodass bergauf (circa 15 %) mit Zuladung gerade noch der erste Gang knapp passt. Dafür stehen beim Anfahren, Pedalieren in der Ebene und bergab zahlreiche, gut abgestufte Gänge für flotte Gangart bereit. Der Gesamtumfang von 409 Prozent reicht für viele Landschaftsprofile gut aus, für bergiges Terrain bietet die Alfine jedoch zu wenig kleine Gänge. Die Riemenspannung lässt sich mangels Stellschraube auf der linken Seite nicht ganz optimal einjustieren: Beide Achsstücke nur durch händisches Ausrichten des Hinterrads exakt gleich und parallel einzustellen ist schwierig. Verkanten sie, läuft der Riemen schräg, was zu schwergängigerem Lauf und früherem Verschleiß führt.

Der geschweifte Lenker positioniert Hände und Handgelenke ergonomisch günstig, was Arme und Schultern angenehm entlastet.Foto: Bernhard Huber
Der geschweifte Lenker positioniert Hände und Handgelenke ergonomisch günstig, was Arme und Schultern angenehm entlastet.

Hat man das KTM geparkt, stößt beim Rangieren gern die linke Kurbel gegen den Mittelständer. Auch beim Losfahren ist es nervig, wenn man das Hinterrad anheben muss, um die Kurbelblockade zu beenden. An Zuladung verträgt das Kent bis etwa zwölf Kilo auf dem Gepäckträger klaglos. Doch beim Ein- und Aushängen der Taschen kann der Mittelständer das Rad nicht sicher stützen, auch das beladene Rad kippt beim Parken leicht um. Der CDN-Antrieb mit Kunststoff-Riemenscheibe vorn, Cro-Mo-Ritzel und Ethylen-Elastomer-Riemen ist auf mittleres Belastungsprofil und Lebensdauer ausgelegt. Bei moderatem Alltagseinsatz dürfte das KTM damit jedoch auch mit der ersten Garnitur eine stattliche Kilometerleistung erreichen.

Die wichtigsten Details in der Übersicht

  • Modell: KTM Kent
  • Preis: 1649 Euro
  • Rahmengrößen: 51, 56, 60 cm
  • Gewicht Testrad: 15,1 kg
  • zulässiges Gesamtgewicht: 134 kg
  • Rahmen: Alu, geschweißt
  • Gabel: Alu, Disc
  • Schaltung: Shimano Alfine 11, Rapidfire, Gates CDN
  • Übersetzung: 46/22 Zähne, 409 %
  • Riemenspannung: Slider-Achsstücke, Stellschraube rechts
  • Bremsen/ø: Shimano MT200 Disc/160 mm
  • Reifen: Impac Streetpac 42-622
  • Lichtanlage: Shimano DH-3D37, Trelock Bike iVelo LS233, Duo Flat LS613

Vor- und Nachteile

  • Plus: Anspruchsvolles Styling, gelungene Ergonomie, sportlicher Charakter
  • Minus: Slider-Achse mit nur einseitiger Stellschraube; Mittelständer hinderlich beim Rangieren und Beladen

Fazit zum KTM Kent

Mit sportlicher Leichtgängigkeit, alltagsfähiger Ausstattung und angenehmer Ergonomie kann das auch optisch reizvolle Kent überzeugen. In moderatem Alltags- und Touren-Einsatz kommt zudem die hohe Wartungsarmut von Nabenschaltung und Riemenantrieb zum Tragen.