PreisfrageWieviel muss ich für ein gutes Fahrrad bezahlen?

Jörg Spaniol

 · 08.04.2022

Preisfrage: Wieviel muss ich für ein gutes Fahrrad bezahlen?Foto: Hersteller

Viele vermeintliche Fahrrad-Schnäppchen sind Blender oder Ladenhüter. Wir haben herausdestilliert, wo in welcher Kategorie der Spaß beginnt.

Die Frage "Was kostet ein anständiges Fahrrad" ist so verbreitet wie schwammig, denn sie muss für jede Radkategorie anders beantwortet werden. So sieht ein Citybike normalerweise nicht soviele Kilometer wie ein Reiserad, wird entsprechend weniger belastet und kommt deshalb mit einfacheren Komponenten aus. Allrounder mit oder ohne Motor sind die Beststeller-Kategorie. Hier sind Stückzahl und Preisdruck besonders stark, weshalb auch günstige Modelle ihren Job tun können.

Auf Basis der MYBIKE-Tests der vergangenen ein bis zwei Jahre haben wir versucht, praktikable Eckpreise auf ein aktuelles Preisniveau abzuleiten. Dass die über dem Preisniveau von Schnäppchen aus dem Baustoff- oder Lebensmittelmarkt liegen müssen, hängt mit unseren Vorstellungen von Nachhaltigkeit zusammen: Erst ab einem bestimmten technischen Niveau ist die Dauerhaltbarkeit, Ersatzteilversorgung und Reparierbarkeit gesichert. Auch gute Bremsleistung und dauerhafte Schalt- oder Federfunktion sind nicht umsonst zu bekommen. No-Name-Motoren und billige Akkus bieten keine Qualität, die auf Dauer Spaß macht. Und selbst rostanfällige Blechteile und Schrauben können nerven. Ein paar Cent Ersparnis für den Hersteller, bezahlt mit jahrelangem Verdruss.

Allround E-Bikes und City-Pedelecs

Allrounder und City-Pedelecs brauchen weder riesige Akkus noch üppige Übersetzungen in feinster Qualität. Hat so ein Rad hydraulische Scheibenbremsen, eine einfache Naben- oder Kettenschaltung sowie einen Markenmotor samt Akku bis zur mittleren Größe (500 Wattstunden), liegt der Einstiegspreis bei mindestens 3.000 Euro. Etwaige Federgabeln sind dann mit Stahlfedern ausgestattet und nur sehr eingeschränkt in der Härte justierbar.

  Stevens E-Courier PT5Foto: Christoph Born
Stevens E-Courier PT5

Touren E-Bikes

An Touren-Pedelecs stellen wir etwas höhere Anforderungen. Hier sollte der Übersetzungsbereich etwas größer sein, ebenso die Ausdauer des Akkus. Der Gepäckträger muss 20 Kilo tragen, ohne dass das Bike ins Schlingern gerät. Höherwertige Antriebsteile sollten unter Last schalten und dabei etwas langlebiger sein, auch die Bremsen sind höherwertig. Hier setzen wir die Untergrenze bei etwa 3.500 Euro an.

Weitere Infos dazu auf mybike.de

SUV E-Bikes

E-SUVs, auch Crossover-Fullys genannt, steigern mit ihren Vollfederungen und kompletter Reiseausstattung den technischen Aufwand und Preis noch einmal deutlich. Zu den Anforderungen an ein Touren-Pedelec kommt hier eine Federung, die an Fahrerin oder Fahrer anpassbar ist. Auch die Rahmen sind durch ihre beweglichen Hinterbauten deutlich aufwändiger. Für etwa 4.300 Euro sind die ersten sinnvollen Sänften zu haben, bei 6.000 Euro ist noch lange nicht Schluss.

  KTM Macina ChacanaFoto: Daniel Simon
KTM Macina Chacana

Fahrräder für den Alltag

Fangen wir unten an: Ein alltagstauglicher Allrounder oer ein Alltagsrad mit Nabendynamo, einfacher Kettenschaltung oder Fünfgang-Nabe von Shimano und hydraulischen Scheibenbremsen geht kaum für unter 1.000 Euro her. Auf eine Federgabel sollte man in dieser Preisklasse besser verzichten, denn sie wird schwer sein und nicht dauerhaft funktionieren.

  VSF T-100 SportFoto: MYBIKE
VSF T-100 Sport

Tourenräder

Eine Preisklasse höher und damit 500 Euro teurer beginnt das Reich der Tourenräder. Wie bei den Touren-Pedelecs rechnen wir hier mit mehr Kilometern, erhöhter Zuladung und dadurch erhöhten Anforderungen an Bremsen, Schaltung und den Rest der Ausstattung.

  KTM Life Style Deore XTFoto: Daniel Simon
KTM Life Style Deore XT

Gravel- und Fitnessbikes

Im Sportbereich ist Gewicht ein Thema, ebenso leichtlaufende Reifen und gut gestufte Übersetzungen. Gravelbikes mit Rennlenker und Fitnessbikes mit geradem Lenker kommen "nackt", also ohne Alltagsausrüstung daher. Ab etwa 1.500 Euro sprechen wir den flotten Sporträdern ein gutes Maß an Fahrspaß zu. Unterhalb können hohes Gewicht und mechanische Scheibenbremsen oder einfachste Laufräder das Vergüngen einbremsen.

  Cube Nuroad RaceFoto: Georg Grieshaber
Cube Nuroad Race

Randonneur

Vom technischen Aufwand ist ein Randonneur ein enger Verwandter des Gravelbikes. Durch seine reisetaugliche und dennoch möglichst leichte Vollausstattung mit Gepäckträgern, Schutzblechen und bisweilen einer Lichtanlage zielt er auf lange Strecken. Das Material sollte das mitmachen. Ebenso wie die etwas robuster ausgelegten Reiseräder mit geradem Lenker efordern sie eine Investition von etwa 1.800 Euro.

  Bergamont Grandurance RD5Foto: Kerstin Leicht
Bergamont Grandurance RD5