CargobikeDas Ortler CPNHGN Cargo im MYBIKE-Test

Uli Frieß

 · 18.11.2022

Das Vorderrad liegt weit vorn und außerhalb des Sichtfelds. Leitet man Kurven zum richtigen Zeitpunkt ein, fährt sich das Ortler beinahe wie ein normales Fahrrad.
Foto: Bernhard Huber
Die Details des Ortler CPNHGN

Lasten-Pedelecs sind in. Die meisten sind sehr kostspielig, doch Fahrrad.de hat mit dem Ortler CPNHGN einen relativ preiswerten Transporter im Programm. MYBIKE hat das Cargobike mit E-Antrieb getestet.

Sind Vokale gerade besonders teuer? Unser Testrad legt diesen Verdacht jedenfalls nahe, denn im Produktnamen CPNHGN – eine Referenz an die Fahrradstadt Kopenhagen – hat man sie ausgespart. Und mit 4.000 Euro ist es auch deutlich günstiger als die etablierte Konkurrenz...

Doch Spaß beiseite: Als relativ kostengünstige und umweltfreundliche Transportmittel ohne größere Parkplatzprobleme sind Lastenräder auf vielen Strecken eine gefragte Alternative zum Auto. Die Zahl der Fahrradmarken mit Transportern im Portfolio steigt deshalb von Jahr zu Jahr. Auch der Versandhändler Fahrrad.de bietet innerhalb der Eigenmarke Ortler ein Transport-Pedelec an. Unser Testrad, das CPNHGN, ist mit seiner tiefen Ladefläche zwischen Fahrer und Vorderrad ein typischer „Long John“-Transporter, dessen Holzbox mit demontierten Seitenwänden auch sperrige Ladungen bis hin zum Kühlschrank aufnähme.

Verlagssonderveröffentlichung

Das Ortler CPNHGN im Praxistest

Für unseren Fahrtest haben wir uns auf Sand­säcke beschränkt und die 140-Liter-Ladebox des Ortler CPNHGN mit 36 Kilo beladen. 40 Kilo gibt der Hersteller als Höchstlast an dieser Stelle an, das maximale Systemgewicht darf 180 Kilo betragen – bei voller Ladung und einem Fahrzeuggewicht von 40 Kilo dürfte der Fahrer also immer noch 100 Kilo schwer sein.

Kleiner Wendekreis durch großen Lenkereinschlag

Zur Lenkung des weit vor dem Fahrer liegenden Vorderrads haben sich die Ortler-Konstrukteure für einen Seilzug entschieden. Im Vergleich zu den ebenfalls verbreiteten Stangen zwischen Lenker und Steuerrohr lässt der Seilzug einen größeren Lenkereinschlag von fast 90 Grad zu, was theoretisch den Wendekreis verringert. Beim CPNHGN ist er mit drei Metern in der Tat extrem klein. Ohne größere Kippgefahr funktioniert das zwar nur im Schiebemodus, doch bis etwa 75 Grad Einschlagwinkel sind Kurven auch langsam und vorsichtig fahrbar.

Der Seilzug der Lenkung setzt unterhalb des Steuerrohres am Gabelkopf an.Foto: Bernhard Huber
Der Seilzug der Lenkung setzt unterhalb des Steuerrohres am Gabelkopf an.

Intuitiv und flott nach kurzer Eingewöhnung

Auf der Teststrecke erweisen sich die voluminösen Rohrprofile unter der Transportfläche als sehr torsionssteif. Lediglich an den Schnittstellen mit Steuerrohr und hinterer Rahmensektion verwindet sich der Rahmen nennenswert. Fühlbar ist das vor allem beim Einleiten von Kurven. Trotz spielfreier Seilzuglenkung drängt die hohe Masse das Ortler CPNHGN bei abrupten Lenkbewegungen etwas aus der Spur. Bleibt der Lenker-Input weich und flüssig, sind Lastwechselreaktionen aber kaum spürbar, und das CPNHGN steuert sich direkt und spurtreu. Durch den niedrigen Schwerpunkt bleiben die Kippkräfte während der Fahrt angenehm gering. So lässt sich das Ortler nach kurzer Eingewöhnung intuitiv und flott bewegen. Die Sitzposition ist aufrecht und bequem, der Lenker angenehm gekröpft. Die Federgabel arbeitet effektiv. Das Vorderrad hält auch auf unebenem Untergrund guten Kontakt zum Boden und macht das Pedelec gut kontrollierbar.

Antrieb

Der extrem laufruhige Brose-Drive-T-Motor vermittelt ein sehr fahrradähnliches Fahrgefühl. Beim Anfahren hätten wir uns ein etwas höheres Drehmoment gewünscht, doch da hilft auch ein kleinerer Anfahrgang. Und hier liegt der einzige deutliche Kritikpunkt: Shimanos Achtgang-Alfine-Nabe benötigt für saubere Gangwechsel eine aktive Entlastung von Pedal und Kette. Andernfalls wechselt sie die Gänge nicht oder nur sehr verzögert. Es empfiehlt sich also, vor dem Stillstand in einen leichten Anfahrgang zu wechseln.

Ausstattung des Cargobikes

Die Serienausstattung mit zweitem Akku dürfte in dieser Preisklasse dagegen einmalig sein. Angesichts der zweimal 522 Wattstunden muss das Ortler nur selten an die Steckdose. Weil aber nur einer der beiden am Rahmen befestigten Stromspeicher elektrisch mit dem Antrieb verbunden ist, muss man den jeweils leeren Akku durch Umstecken gegen den vollen austauschen.

Die beiden Akkus mit insgesamt 1.044 Wh sind nicht elektrisch gekoppelt. Ist einer leer, muss er am Rahmen gegen den vollen getauscht werden.Foto: Bernhard Huber
Die beiden Akkus mit insgesamt 1.044 Wh sind nicht elektrisch gekoppelt. Ist einer leer, muss er am Rahmen gegen den vollen getauscht werden.

Das Ortler CPNHGN gibt es nur in einer Rahmengröße. Auch mit dem verstellbaren Vorbau und einer langen Sattelstütze lässt sich das Rad nur in Grenzen unterschiedlichen Fahrergrößen anpassen. Als Kindertaxi ist es derzeit aus rechtlichen Gründen noch nicht nutzbar, doch der Hersteller arbeitet an einer entsprechenden Zulassung und an Kindersitzen. Auch weiteres Zubehör wie einen Regenschutz für die Transportbox und Taschen soll es künftig geben.

Fazit zum Ortler CPNHGN

  • Plus: Preis-Leistungs-Verhältnis, unkritische Fahreigenschaften
  • Minus: Hakelige Getriebenabe, Doppelakku elektrisch nicht gekoppelt
Uli Frieß, Testredakteur: „Das CPNHGN ist ein ordentlich ausgerüsteter Transporter mit einem sehr interessanten Preis-Leistungs­-Verhältnis. Die Fahr­eigenschaften sind insgesamt unkritisch, doch der Antriebsstrang könnte stimmiger zusammengestellt sein.“


Die wichtigsten Details des Ortler CPNHGN in der Übersicht

  • Motor: Brose Drive T
  • Drehmoment: 70 Nm
  • Display: Brose Allround
  • Akkugrößen: 2 x 522 Wh
  • Nabenschaltung: Shimano Alfine 8
  • Rahmen: Alu
  • Gabel: Mobie A32-CGO, 70 mm
  • Bremsen: Disc, Magura MT5
  • Reifen: Schwalbe Big Apple; v: 60-406, h: 60-559
  • Lichtanlage: LED, Supernova E3
  • Gewicht: 40 Kilo
  • zul. Gesamtgewicht: 180 Kilo
  • Rahmengrößen: universal
  • Lenkerbreite: 680 mm
  • Radstand: 2.100 mm
  • Preis: 3.999 Euro

Service und Reparaturen

Ein Fahrrad ist im Internet schnell bestellt, aber wer erledigt Reparaturen und Servicearbeiten? Versandhändler Fahrrad.de betreibt deutschlandweit sechs Stores, die sämtliche Arbeiten an den Rädern übernehmen. Zusätzlich gibt es landesweit eine große Anzahl an Vertrags-Servicepartnern, die Fahrrad.de-Kunden für Reparaturen in Anspruch nehmen können. Ihre Standorte finden sich auf der Website. Wer sein online geordertes Rad nicht selbst aufbauen kann oder möchte, kann es in einen der sechs Stores liefern lassen. Dort passen Mitarbeiter das Rad nach dem Aufbau auch individuell dem Käufer an.