Aus eins mach drei

Jochen Donner

 · 29.12.2017

Aus eins mach dreiFoto: Daniel Simon
Aus eins mach drei

Was sich anhört wie ein Hexen-Einmaleins ist eine clevere Idee: Mit wenigen Zusatzkomponenten wird der Berliner Renner „Mitte“ flugs zur Crossmaschine oder zum Touren-Randonneur.

Rädchen, wandle dich: Zu uns kam das Mitte als Adventure-Tourer. So, wie ihn die Mannschaft des kleinen Berliner Customshops in 8 Tagen 840 Kilometer und 12.000 Höhenmeter weit auf marokkanischen Schotterstraßen quer durchs Atlasgebirge getestet hat. So steht es im Prospekt und auf der Web­site, die das Rad mitten aus unserer schönen Bundeshauptstadt begleiten. Der baby-blaue Alurahmen mit ovalisierten Rohren und verschiebbaren Ausfallenden ist sicherlich kein Leichtgewicht. Doch das muss er nicht: Er soll Gepäck auf Heck- und Frontträger schleppen, er soll steif genug für lange Schotterstraßen, Trage- und Schiebepassagen sein. Und er muss auch den Transport dorthin verkraften. Im Tourer steckt eine Alugabel mit etwas längerer Vorbiegung und größerer Reifenfreiheit im Rahmen. Hier kann auch ein Lowrider montiert werden. Der 7° geneigte Vorbau steht nach oben, Curana-Bleche schützen bei schlechtem Wetter und aufwirbelndem Dreck, ein Racktime-Träger am Heck ist bereit zum Taschentransport.

Verlagssonderveröffentlichung
Foto: Daniel Simon


Nimmt man einen Inbus zur Hand, entfernt Schutzbleche und Träger, kehrt den Vorbau um und steigt dann in die Pedale, tragen die genoppten 35 mm-Reifen flott über Stock und Stein: Feierabendrunde, Crossrennen mit Freunden, Forstweg-Touren – all das kann das Mitte als Crosser, befeuert vom 2x11-Ultegra-Antrieb und gezähmt von kräftigen Hydraulik-Discs.

Foto: Daniel Simon

Nächste Wandlung: Die tapered Alugabel durch eine niedriger bauende aus Carbon ersetzt, die Discs ummontiert. Dazu hinten die Ausfallenden ganz nach innen geschoben und die leichten Rennreifen aufgezogen: Nun haben wir einen kompakten Renner. Sitz- und Lenkwinkel werden je ein Grad steiler, das Tretlager sinkt etwa acht Millimeter tiefer, der Radstand schrumpft gut zweieinhalb Zentimeter. Sofort reagiert das Rad wendiger und steuert sich agiler. Die kreglen Berliner verkaufen Rahmen-/Gabel-Set und Komponenten für die beschriebenen Umbauten für 2550 Euro im Paket. Das ist schmaler Großserien-Kurs und damit ein sehr fairer Preis. In allen Erscheinungsformen kann das Rad überzeugen und bereitet Fahrspaß. Als reiner Renner ist es zu schwer, doch für jemanden, der gerne schraubt und gut 45 Minuten in den Umbau investiert, steckt viel Potenzial im Konzept. Die gute Idee bekommt man kostenlos dazu!

Der komplette Artikel stand in Trekkingbike-Ausgabe 5/2017. Sie können die Ausgabe in der Trekkingbike-App (iTunes und Google Play ) laden oder im DK-Shop bestellen.