Bafang Mittelmotor – der chinesische E-Bike-Motor im Test

Uli Frieß

 · 20.06.2022

Bafang Mittelmotor – der chinesische E-Bike-Motor im TestFoto: MYBIKE

Pedelec-Motoren aus Asien sind hierzulande alles andere als exotisch. Neben etablierten Herstellern, wie Panasonic oder Yamaha, gibt es auch Antriebe von weniger bekannten – zum Beispiel der Bafang Mittelmotor. Wir haben ihn getestet.

Das chinesische Automotive-Unternehmen Bafang ist hierzulande weniger prominent als andere Motor-Marken. Doch auch Bafang ist auf Systeme und Komponenten für Elektrofahrzeuge spezialisiert. Die Pedelec-Antriebe für den europäischen Markt werden in einer eigenen Produk­tionsanlage in Polen gebaut. Bekannt ist Bafang am ehesten für Hinterrad-Nabenmotoren. Die kleinen Antriebe kommen hauptsächlich an City- und Stylebikes zum Einsatz, die auf schlanke Linien und geringes Gewicht getrimmt sind. Weniger verbreitet ist der Bafang Mittelmotor. Dabei ist die Produktpalette beachtlich: Der Hersteller hat mehr als zehn verschiedene Mittelmotoren im Programm. Auch die Akkus stellt Bafang selbst her. Es gibt diverse Ausführungen für die Intube-, Ontube- und Gepäckträger-Montage mit Kapazitäten bis 820 Wh.

Der M420 im Test: Der Mittelmotor von Bafang zeigt nur kleine Schwächen

Unser Test-Antrieb ist ein M420. Bafang gibt ein maximales Drehmoment von 80 Newtonmeter an – einen Wert, den der Motor auf unserem Prüfstand sogar geringfügig getoppt hat. Das hohe Drehmoment hilft hauptsächlich beim Anfahren und fürs Beschleunigen aus niedrigen Kadenzen heraus. Seine maximale Leistung von knapp 400 Watt liegt etwa auf dem Niveau eines Brose Drive C. Damit empfiehlt sich der Bafang Motor für City- und Alltags-Pedelecs, bei denen es nicht so sehr auf eine hohe Maximalleistung ankommt. Auch die hohe Laufruhe und sanfte Leistungsentfaltung passen zu diesen Radgattungen.

Weitere Erkenntnisse aus Prüfstand und Praxis: Um anzulaufen, benötigt der M420 Mittelmotor etwa eine Viertel Pedalumdrehung. Das erschwert das Anfahren an Steigungen. Das Abschaltverhalten ist dagegen tadellos, der E-Bike-Motor stoppt sofort, wenn man aufhört zu treten. Eine Schaltunterbrechung, die für Gangwechsel bei Getriebenaben kurz die Leistung reduziert, hat er aber nicht. Die fünf Unterstützungsstufen sind gut differenziert, die maximale Leistungsabgabe lässt sich präzise den individuellen Wünschen anpassen. Displays gibt es mit moderner Farb-LCD-Anzeige, aber auch in minimalistischer Ausführung, die kaum mehr anzeigt als Akku-Ladestand und Unterstützungsstufe. An unserem Testrad ist das große LCD-Display montiert. Es ist übersichtlich und sehr gut ablesbar, reagiert jedoch leider etwas verzögert. Von solchen Kleinigkeiten abgesehen, macht der M420 einen wirklich guten Job.


Das Testrad für den Bafang Motor: Qwic Premium I MN7+ Belt

Im Qwic Premium I MN7+ Belt haben wir den Bafang Mittelmotor getestet
Im Qwic Premium I MN7+ Belt haben wir den Bafang Mittelmotor getestet
  • Rahmen: Alu
  • Motor / Akku: Bafang M420 / 540 Wh
  • Schaltung: Shimano Nexus Inter 7
  • Gewicht: 28,1 Kilo
  • Reifen: Schwalbe Pro Cruiser G-Compound K-Guard 42-622
  • Preis: 3.399 Euro
  • Info: www.qwic.de

Fahrtest des M420 von Bafang

Nicht alles, was ein Antrieb kann, lässt sich auf einem Prüfstand abbilden und messen. Wie sensibel ein Motor auf den Pedaldruck reagiert und wie stark er beschleunigt, erfährt man nur während einer Testfahrt. Das gilt auch fürs Ansprech- und Abschaltverhalten. Der Antrieb muss beherrschbar einsetzen und beim Anfahren am Berg möglichst sofort anlaufen. Wenn man aufhört zu treten, sollte der Motor sofort abschalten und nicht nachschieben.

Der Bafang M420 Mittelmotor auf dem Prüfstand

Sein höchstes Drehmoment und damit die meiste Kraft entfaltet der Bafang M420 Mittelmotor bei niedrigen Kadenzen.
Sein höchstes Drehmoment und damit die meiste Kraft entfaltet der Bafang M420 Mittelmotor bei niedrigen Kadenzen.

Auf unserem Rollenprüfstand messen wir die maximale Dauerleistung der Motoren und das Drehmoment am Hinterrad. Die Leistungsabgabe differiert, abhängig von der Trittfrequenz (Kadenz), bei den Motoren mehr oder weniger stark. Gemessen wird bei 20 km/h und, je nach Gangabstufung, mit Kadenzen nahe 60, 70, 80 und 90 Umdrehungen pro Minute. Die Tretleistung des Fahrers simulieren wir mit 80, 100, 120, 140, 160 und 180 Watt. Aus den Leistungs­- und Drehmomentkurven lässt sich auch ablesen, bei welcher Kadenz und Tretleistung der Motor den Menschen maximal unterstützt.

Bei allen Kadenzen steigt die Motorleistung gleichmäßig an, wenn man den Pedaldruck erhöht. Die höchste Leistung entlockt man dem Bafang Mittelmotor bei eher niedrigen Kadenzen. Bei hohen Kadenzen ab etwa 80 Pedalumdrehungen schiebt der E-Bike Motor deutlich schwächer. Das macht sich positiv beim Anfahren in der Ebene und besonders am Berg bemerkbar. Damit passt er zu Fahrerinnen und Fahrern, die gerne gemütlich pedalieren und eine ansteigende Motorleistung erwarten, wenn sie stärker in die Pedale treten. Die gemessene Maximalleistung von 375 Watt verläuft stetig und unabhängig davon, wie schnell man tritt.

Fazit: Der Bafang M420 Mittelmotor ist ein ausgereifter Antrieb mit sanfter Leistungs­entfaltung und hoher Laufruhe. Uli Frieß, Testredakteur