Schaltungen am Fahrrad: Das ÜbersetzungsprogrammFoto: Bernhard Huber

KomponentenSchaltungen am Fahrrad: Das Übersetzungsprogramm

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Sind 30 Gänge automatisch besser als 14 oder 24? Brauchen E-Bikes andere Getriebe als ganz normale Fahrräder? Eine kleine Typenkunde zu Fahrrad-Schaltungen tut Not.

Kettenschaltung

  KettenschaltungFoto: Daniel Simon
Kettenschaltung

Seit die Kettenschaltung Mitte des vergangenen Jahrhunderts ihren Weg ans Fahrrad fand, hat sie sich extrem ausdifferenziert. Allen Varianten gemeinsam ist eine mehr oder weniger offen laufende Kette, die vom vorderen Umwerfer und dem hinteren Schaltwerk zwischen verschieden großen Zahnrädern verschoben wird. Dieses Konstruktionsprinzip ist so variabel, dass feinste Übersetzungssprünge wie am Rennrad genauso möglich sind wie ein riesiger Unterschied zwischen dem kleinsten Berggang und der längsten Übersetzung am Mountainbike.

Vorne sind ein, zwei oder drei Zahnräder möglich, hinten sind es derzeit in den verbreiteten Schaltgruppen zwischen neun und 13 Zahnräder. Mit der Anzahl der Zahnräder hinten steigert sich normalerweise das Preisniveau, denn je dichter die Zahnräder hinten (Ritzel) gepackt sind, desto präziser müssen alle Schaltkomponenten funktionieren.

Schaltungen mit drei Kettenblättern vorne – allen voran die hochwertige Shimano Deore XT 3x10 – sind praktisch nur noch an Touren- oder Reise-Fahrrädern üblich. Es braucht damit etwas Erfahrung, um die Gänge in der richtigen Reihenfolge zu schalten, denn nicht jedes Zahnrad hinten verträgt sich mit jedem Zahnrad vorne. Zuviel Kettenschräglauf verschlechtert die Funktion und erhöht den Verschleiß. In jüngster Zeit sind Kettenschaltungen mit nur einem Zahnrad vorne (Kettenblatt) und elf bis 13 Ritzeln hinten immer populärer geworden. Sie sind einfach zu schalten, haben aber teilweise große Übersetzungssprünge zwischen einzelnen Gängen.

An E-Bikes sind Einfach-Kettenschaltungen üblich – die eventuell fehlenden Berggänge kompensiert die Motorpower. Kettenschaltungen lassen sich sowohl mit Mittelmotoren als auch mit Nabenmotoren kombinieren. Sie schalten auch unter Last zuverlässig.

+ große, durch Ritzeltausch veränderbare Gangspreizung

+ relativ leicht und preiswert

- Wartungsbedarf und Verschleiß

Nabenschaltung

  Rohloff-NabenschaltungFoto: Christoph Born
Rohloff-Nabenschaltung

Kaum zu glauben, aber Nabenschaltungen mit ihren vielen Zahnrädern im Inneren sind älter als die Kettenschaltung. Hier ist das Getriebe in der Hinterradnabe versteckt und nur die Kette verschleißt im Freien. Nachdem Sram die Schaltnabenproduktion eingestellt hat, sind im mittelpreisigen Markt vor allem Shimano-Naben mit fünf, acht und elf Gängen im Angebot. Vorteil dieser Naben ist ihre Wartungsarmut. Schon bei Rädern ab etwa 1.000 Euro sind sie auch in Kombination mit einem Riemenantrieb zu bekommen, was den Antrieb fast wartungsfrei macht. Ihre Nachteile sind das schlechte Schaltverhalten unter Last (man muss beim Schalten kurz Druck vom Pedal nehmen) und ihr im Vergleich zu einer gut gepflegten Kettenschaltung etwas höherer innerer Widerstand. Eine besonders hochwertige und langlebige Nabenschaltung ist die deutsche Rohloff-Nabe mit 14 Gängen, die etwa das Übersetzungsspektrum einer Mountainbike-Ketenschaltung abdeckt. Vor allem in Pedelecs kommt außerdem die stufenlose Enviolo-Nabe zum Einsatz. Dass sie schwer ist und mit etwas mehr Widerstand läuft, lässt der Motor vergessen. Sie ist unter Last schaltbar und auch in einer Automatik-Version erhältlich. Am Pedelec sind Nabenschaltungen nicht mit Hinterrad-Nabenmotoren kombinierbar.

+ Wartungsarmut

+ leicht zu bedienen

- meist eingeschränkt bergtauglich

Tretlagergetriebe

  Pinion-TretlagergetriebeFoto: Christoph Born
Pinion-Tretlagergetriebe

Wer sich nicht auskennt, könnte es für einen Motor halten: Das Pinion-Getriebe sitzt wie ein Mittelmotor direkt am Tretlager. Diese vergleichsweise junge Getriebeschaltung aus Deutschland hat 9, 12 oder 18 regelmäßig abgestufte Gänge und ist qualitativ auf ein langes Leben ausgelegt. Wer sie fahren möchte, braucht einen speziell dafür gebauten Rahmen. Am Pedelec funktioniert sie nur in Kombination mit einem Nabenmotor.

+ Sehr wartungsarm

+ Gleichmäßige Gangsprünge

- teuer und schwer

Spezialrahmen erforderlich