Komponenten

Zwei hochklassige Mittelmotoren im Vergleich

Uli Frieß

 · 17.12.2021

Zwei hochklassige Mittelmotoren im VergleichFoto: Daniel Simon

Das neue Highpower-Aggregat von Specialized und Fazuas Minimal-Assist-System unterscheiden sich stark. In ihrem jeweiligen Segment setzen beide Motoren Maßstäbe.

Zwei Antriebe, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Fazuas Ride 50 Evation steht für sanften Schub und eingeschränkte Maximalleistung, der Specialized Turbo Full Power 2.2 für maximales Drehmoment und hohe Leistungsentfaltung. Einzige Gemeinsamkeit: Beide Antriebe sind Mittelmotoren, sie mischen in ihrer Klasse qualitativ jeweils ganz vorne mit. So genannte Minimal-Assist-Antriebe wie der Fazua Evation sind an leichten Urban-Pedelecs, Stylebikes, Gravelbikes und auch Mountainbikes für sportlich orientierte Trial-Spezialisten erste Wahl. Die unauffälligen Antriebe haben gegenüber ihren leistungsstarken Pendants eine um etwa 20 bis 40 Prozent geringere Maximalleistung, dafür sind sie deutlich leichter und verbrauchen weniger Energie. Deshalb können auch die zugehörigen Akkus kleiner ausgelegt werden. Das spart noch mal deutlich an Gewicht und Kosten. Antriebe wie der Specialized Turbo Full Power 2.2 sind dagegen auf maximale Kraftentfaltung und hohe Maximalleistung ausgelegt. Sie eignen sich ideal für schwerere und stabilere Alltags-, Trekking- und Touren-Pedelecs.

  Am Specialized Como 5.0 unterstützt der Turbo Full Power 2.2Foto: Daniel Simon
Am Specialized Como 5.0 unterstützt der Turbo Full Power 2.2

Das steckt im Specialized Turbo Full Power

Während der Ride 50 Evation eine Eigenentwicklung des Münchner Antriebsherstellers Fazua ist, basiert der Specialized Turbo auf dem Brose Drive S-Mag. Mit seinem maximalen Drehmoment von 90 Nm ist das Aggregat einer der potentesten Mittelmotoren auf dem Markt. Sein Herzstück ist ein millionenfach produzierter Lenkungsmotor des deutschen Automotive-Unternehmens. Da Brose die Software des Pedelec-Systems weitgehend für Fremdhersteller öffnet, können Radhersteller wie Specialized die Motorsteuerung umfangreich ihren Vorstellungen anpassen. Im Gegensatz zu geschlossenen Pedelec-Systemen, wie etwa dem von Bosch oder Panasonic, gibt es Brose-Antriebe deshalb mit unterschiedlichsten Laufeigenschaften und Leistungscharakteristika. Gemeinsam ist ihnen die sehr hohe Laufruhe, sie sind leise und vermitteln trotz hoher Leistung ein sehr natürliches Fahrgefühl.

  Das Canyon Commuter:on war das Testrad für den Fazua Ride 50 EvationFoto: Daniel Simon
Das Canyon Commuter:on war das Testrad für den Fazua Ride 50 Evation

Das verbirgt sich hinter dem Fazua Evation

Der Fazua Evation lässt dem Fahrer die Wahl, ob er sein Rad als Pedelec oder als antriebsloses Fahrrad nutzen möchte. Die relativ leichte Motoreinheit mit Freilauf sowie der daran angeflanschte Akku lassen sich einfach und ohne Werkzeug aus einer Aussparung im Unterrohr entnehmen und dort auch wieder einsetzen. So wird aus einem Pedelec im Handumdrehen ein normales Fahrrad – und umgekehrt. Einzig das fest eingebaute Tretlagergetriebe verbleibt im Rahmenknoten, es verbindest sich beim Einsetzen automatisch mit der Antriebseinheit und überträgt die Motorkraft aufs Kettenblatt. Ein Freilauf im Motorgetriebe kuppelt den Antrieb bei Geschwindigkeiten über 25 km/h aus. Der Motor bremst deshalb selbst eingebaut kaum messbar, nachdem er oberhalb der Abschaltgeschwindigkeit den Betrieb eingestellt hat.

Weil die maximal abrufbare Leistung deutlich geringer ist als bei Motoren von Bosch, Shimano und Co., vermittelt der Fazua ein sehr natürliches Fahrgefühl. Getriebefreilauf, sanftes Abschalten und die höhere Tretleistung, die der Fahrer schon vor Erreichen der Abschaltgrenze investieren muss, münden in einem weichen Übergang ins antriebslose Pedalieren. Trotz oder gerade wegen der begrenzten Leistungsdaten hat das System großes Potenzial. Die schlanke, ins Unterrrohr integrierbare Bauweise sowie die Möglichkeit des einfachen Ausbaus verleihen dem Fazua Evation ein interessantes Alleinstellungsmerkmal. Mit dem Fazua Ride 50 Street ist für 2022 ein weiteres Modell mit etwas mehr Drehmoment und noch weniger Gewicht angekündigt.

So läuft der Motoren-Test bei MYBIKE

FAHRTEST

Nicht alles, was ein Antrieb kann, lässt sich auf einem Prüfstand messen. Wie sensibel ein Motor auf den Pedaldruck reagiert und wie stark er beschleunigt, zeigt sich nur auf einer Testfahrt. Das gilt auch fürs Ansprech- und Abschaltverhalten. Der Antrieb muss beherrschbar einsetzen und beim Anfahren am Berg möglichst sofort anlaufen. Wenn man aufhört, zu treten, sollte der Motor sofort abschalten und nicht nachschieben.

PRÜFSTANDTEST

Die maximale Dauer­leistung der Motoren haben wir auf unserem Prüfstand gemessen. Sie differiert, abhängig von der Trittfrequenz (Kadenz), mehr oder weniger stark. Gemessen wurde bei 20 km/h und, je nach Gangabstufung, mit Kadenzen nahe 60, 70, 80 und 90 Umdrehungen pro Minute. Die Tretleistung des Fahrers haben wir mit 100, 120, 140, 160 und 180 Watt simuliert. Aus den Kurven auf S. 52 lässt sich der Leistungsverlauf abhängig von Kadenz und Tretleistung ablesen. Die maximalen Leistungen in den Unterstützungsstufen haben wir bei 70 Kurbelumdrehungen pro Minute gemessen.

Den kompletten Vergleichstest inkl. aller Testurteile und Einzelbewertungen können Sie kostenpflichtig unter dem Artikel als PDF herunterladen.

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