BikepackingBikepacking-Taschen von Jack Wolfskin im Test

Sandra Schuberth

 · 05.12.2022

Drei von vier Bikepacking-Taschen aus der Kollektion von Jack Wolfskin
Foto: Nick Rotter
Drei von vier Bikepacking-Taschen aus der Kollektion von Jack Wolfskin

Es gibt unzählige Bikepacking-Taschen auf dem Markt. Gut, wenn man die Erfahrungen anderer zur Hilfe nehmen kann, um eine Kaufentscheidung zu treffen. Die Autorin ist erfahrene Bikepackerin und hat schon ganz unterschiedliche Taschen ausprobiert, jetzt auch die Taschen von Jack Wolfskin. Hier gibt’s ihre Einschätzung.

Das Bikepacking-Sortiment von Jack Wolfskin umfasst eine Satteltasche, eine Rahmentasche, eine Oberrohrtasche und eine Lenkertasche, die wahlweise auch als Hip Bag - als Hüfttasche - getragen werden kann. Der Hersteller gibt an, dass die Bikepacking-Taschen “aus wiederverwendeten Materialien” bestehen, an anderer Stelle steht “Recyceled Components” - recycelte Bestandteile. Bei der Top Tube Bag zum Beispiel seien Hauptmaterial und Innenfutter komplett wiederverwertet.

Bikepacking-Taschen werden im Gegensatz zu klassischen Pannier-Bags bzw. Touren-Taschen direkt am Rad befestigt. Ein Gepäckträger ist nicht nötig. Sind Sie noch unsicher, welche Art des Gepäcktransports für Sie die richtige ist? MYBIKE-Autor Jörg Spaniol hat sich mit dieser Frage befasst und einen Vergleich angestellt.

Die Satteltasche - Jack Wolfskin Seat Bag

Großflächige reflektierende Prints sorgen für Sichtbarkeit, Elastikbänder fixieren zusätzliches Gepäck. Foto: Nick Rotter
Großflächige reflektierende Prints sorgen für Sichtbarkeit, Elastikbänder fixieren zusätzliches Gepäck.

Eine Besonderheit der Satteltasche von Jack Wolfskin ist das außenliegende Einschubfach für Zeltstangen. In der Tasche lassen sich maximal zehn Liter an Ausrüstung verstauen, ein Elastikband fixiert zusätzliches Gepäck auf der Tasche. Jack Wolfskin gibt an, dass sie durch Nahtbandversiegelung und Rolltop-Verschluss wasserdicht ist. Kurze Regenschauer und eine Fahrt über eine Stunde auf nasser Straße hat sie ausgehalten, ohne dass der Inhalt nass wurde. Wie es bei länger anhaltender Nässe ist, konnte auch unser Dauertest noch nicht zeigen. Generell empfiehlt es sich aber, Ausrüstung, die nicht nass werden sollte, wie etwa den Schlafsack, doppelt wasserdicht zu verpacken - egal, wie wasserdicht die Taschen sind.

Hinten an der Satteltasche kann ein Rücklicht befestigt werden. Praktisch: Egal wie voll oder leer die Tasche ist, es gibt viele Befestigungsmöglichkeiten. Foto: Nick Rotter
Hinten an der Satteltasche kann ein Rücklicht befestigt werden. Praktisch: Egal wie voll oder leer die Tasche ist, es gibt viele Befestigungsmöglichkeiten.

Für Sichtbarkeit sorgt ein großflächiger Reflexionsprint und eine Befestigungsmöglichkeit für ein LED-Rücklicht.

Foto: Nick Rotter

Die Montage der Tasche am Rad ist aufgrund der großen Schnallen, die über den Sattelstreben entlang gefädelt werden müssen, etwas fummelig. Einmal montiert, sitzt die Tasche fest und passt auch gut an kleine Räder. Die Riemen, mit denen sich der Rolltop-Verschluss verschließen und je nach Gepäckmenge variieren lässt, lassen sich mit Hilfe eines Klettverschlusses zusammen rollen. Dadurch wirkt die Tasche aufgeräumt und die Riemen hängen nicht hinunter.

Kleiner Exkurs: Leute mit kleinen Rädern haben oft das Problem, dass die Satteltasche so groß ist, dass kaum Abstand zwischen Reifen und Tasche bleibt. So schleift die Tasche schnell am Hinterrad, wenn sie nicht optimal gepackt ist oder wenn es über holperige Gravelwege geht.

Die Seat Pack von Jack Wolfskin* ist sowohl nach unten als auch seitlich schlank gehalten. Der Abstand zwischen Tasche und Reifen ist auch am S-Rahmen der 1,60 Meter-Testerin ausreichend groß und auch die Innenseite der Oberschenkel stößt beim Pedalieren nicht an die Tasche. Bei breiteren Taschen kann das schon mal vorkommen und stören. Insgesamt ist das Fahrgefühl mit der Tasche gut, es wurde kein Hin- und Herschwingen bemerkt. Im Gegenteil: Während der Fahrt wurde fast vergessen, dass eine Tasche am Rad montiert ist.

Fazit und Details:

Das Preisleistungsverhältnis dieser Tasche ist ausgezeichnet.

Plus: großflächige reflektierende Prints; auch für kleine Räder und kleine Rahmen mit geringem Auszug der Sattelstütze geeignet

Minus: große Schnallen lassen sich nicht immer leicht zwischen Sattel und Sattelstreben hindurch fädeln.

  • Gewicht: 400 Gramm (Herstellerangabe)
  • Maße: 18 x 20 x 46 Zentimeter
  • Volumen: 10 Liter
  • Preis: 89,95 Euro >> bei Bergfreunde* oder Jack Wolfskin*

Rahmentasche - Takeoff Bag

Drei von vier Bikepacking-Taschen aus der Kollektion von Jack Wolfskin Foto: Nick Rotter
Drei von vier Bikepacking-Taschen aus der Kollektion von Jack Wolfskin

Die Rahmentasche passte gerade so in den kleinen Stahlrahmen der Testerin. Das ist besser als bei manchem Konkurrenten. Es bleibt auch Platz für eine Trinkflasche im Rahmendreieck. Reißverschlüsse befinden sich auf beiden Seiten der Tasche. Praktisch: einmal lässt sich der Reißverschluss von vorn nach hinten, einmal von hinten nach vorne öffnen. Wenn man also an einen Gegenstand, der ganz hinten liegt, ran muss, muss nicht die ganze Tasche geöffnet und vielleicht sogar durcheinander gebracht werden.

Das Taschenmaterial ist relativ weich, so dass man beim Pedalieren schnell mit den Knien an die Tasche stößt, wenn diese zu breit gepackt ist. Ideal ist, die Utensilien, die in der Rahmentasche verstaut werden sollen, so schmal wie möglich zu halten. Bewährt haben sich kleine Taschen in der Rahmentasche, die das Eingepackte nochmal je nach Einsatzzweck sortieren. Wenn das berücksichtigt ist, funktioniert die Tasche gut. Vor Kauf sollte nachgemessen werden, ob die Tasche in das Rahmendreieck passt. Leider bietet der Hersteller dazu keine Schablone.

Auch die Rahmentasche reflektiert großflächig. Foto: Nick Rotter
Auch die Rahmentasche reflektiert großflächig.

Fazit und Details

Viele Details der Rahmentasche sind gut durchdacht, ein festeres Material würde mehr Komfort bieten.

Plus: kann auch in kleine Rahmen passen (vorher messen!), großflächig reflektierende Prints; Öffnen der Tasche von vorn und von hinten möglich

Minus: weiches Material, dadurch stößt man schnell mit den Knien an

  • Gewicht: 140 Gramm (Herstellerangabe)
  • Maße: 13 x 8 x 43 Zentimeter
  • Volumen: 3,5 Liter
  • Preis: 59,95 Euro >> bei Amazon* oder Bergfreunde*

Oberrohrtasche - Top Tube Bag

Foto: Jack Wolfskin

Die Oberrohrtasche hat auf der Oberseite ein Fach für’s Smartphone. Durch die transparente Abdeckung lässt sich das Gerät gut bedienen. Was negativ auffiel, sind die extrem langen Klettbänder, besonders das vordere ist auch bei Rahmen mit großen Rohrumfängen deutlich zu lang. Abschneiden ist bei der Konstruktion nicht möglich, da Klettverschluss und Obermaterial miteinander vernäht sind. Die Naht würde durchtrennt werden. Zusätzlich sind mehrere Testpersonen mit den Knien bei jeder Pedalumdrehung an die Tasche gestoßen. Die Autorin hat die Tasche nach 200 Metern abgebaut und im Rucksack verstaut. Das Problem trat an mehreren Gravelbikes mit unterschiedlichen Rahmengrößen und unterschiedlichen Personen auf. An Rädern mit breiterem Oberrohr funktioniert sie vielleicht besser.

Im Frühjahr 2023 kommt ein neues, überarbeitetes Bikepacking-Sortiment. Die neue Oberrohrtasche sieht schlanker aus.

Fazit und Details:

Die Tasche bedarf noch etwas Überarbeitung. Die Redaktion ist gespannt, was die auf der Eurobike 2022 gezeigte Tasche kann.

Plus: Handydisplay sichtbar und bedienbar

Minus: Die Tasche ist zu breit, alle Testpersonen aus der Redaktion sind mit den Knien angestoßen und haben die Tasche nach wenigen Hundert Metern oder einigen Kilometern abgebaut.

  • Gewicht: 150 Gramm
  • Maße: 7 x 21 x 7 Zentimeter
  • Volumen: 0,8 Liter
  • Preis: 39,95 Euro >> hier erhältlich*

Lenkertasche und Hip Bag in einem

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Foto: Nick Rotter

Diese Bikepacking-Tasche kann entweder als Lenkertasche oder als Gürteltasche verwendet werden. Als Lenkertasche lässt sie sich schnell ans Rad montieren. Trotz GPS-Gerät und Frontlicht über der Tasche ist der Reißverschluss stets zugänglich. Das haben wir schon anders gesehen. Leider ist ein schneller Wechsel zwischen Lenkertasche und Hip Bag durch die Schaumstoffklötze nicht möglich. Für eine schnelle Mitnahme der Tasche in ein Café während einer Pause reicht es aber allemal. Als Hip Bag war die Tasche sehr bequem. Man sollte sie jedoch nicht mit empfindlichen Trägerhosen verwenden, sondern auf robusteren Touren- oder Mountainbikeshorts tragen. Der Riemen hat an den Bibshorts der Testerin gescheuert und nach wenigen Kilometern bereits irreversible Spuren hinterlassen.

Fazit und Details:

Die Tasche sitzt gut am Rad, sofern sie vollgepackt ist. Halb leer ist das Material zu weich. Als Hip Bag trägt sie sich bequem und bietet viel Stauraum.

Plus: funktioniert gut als Hip Bag und als Lenkertasche; viel Platz

Minus: kein schneller Wechsel von Hüfttasche zu Lenkertasche und umgekehrt möglich

  • Gewicht: 170 Gramm
  • Maße: 16 x 27 x 12 Zentimeter
  • Volumen: 4 Liter
  • Preis: 69,95 Euro >> hier erhältlich*

Die Bikepacking-Taschen von Jack Wolfskin

Die Bikepacking-Taschen von Jack Wolfskin im Test Foto: Nick Rotter
Die Bikepacking-Taschen von Jack Wolfskin im Test

Nachdem alle Taschen einzeln betrachtet wurden, ist nun Zeit für ein Gesamtfazit der Bikepacking-Taschen von Jack Wolfskin. Viele Details der Taschen sind gut durchdacht, an anderer Stelle wie bei dem langen Riemen an der Oberrohrtasche kommt die Frage auf, ob vor Markteinführung ein Praxistest durchgeführt wurde. Die Satteltasche hat überzeugt, das Material der Rahmentasche ist etwas zu weich, so dass sehr akkurat gepackt werden muss. Die Lenkertasche funktioniert gut, ihre Doppelfunktion kann aber noch verbessert werden. Die Oberrohrtasche ist leider durchgefallen und die Redaktion ist gespannt auf die neue Tasche, die 2023 auf den Markt kommen wird.

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